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Verkehrsader-Visionen: Bauforum "Magistralen" in Hamburg

Autos fahren auf der B5 in Hamburg.

Autos fahren auf der B5 in Hamburg.

Foto: dpa

Discounter, Tankstellen und Kleingewerbe gepaart mit Baustilen jedweder Epoche - so sehen oftmals Einfallstraßen in Hamburg aus. Das soll sich möglichst ändern. Ein Bauforum soll Wege aufzeigen: von der unwirtlichen Verkehrsader hin zum belebten Boulevard.

Hamburg. Von der Hauptverkehrsstraße zum Boulevard: Beim 7. Bauforum vom 19. bis 24. August in Hamburg werden Architekten, Stadt-, Landschafts- und Verkehrsplaner sieben Hamburger Magistralen in den Blick nehmen. Solche Verkehrsadern führen zum Beispiel von Rissen zum Holstenplatz oder von Bergedorf zu den Deichtorhallen. Bei dem Bauforum gehe es darum, kreative Visionen für diese Stadträume zu entwickeln, sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) am Mittwoch.

"Wir haben dort entstellte Räume hinterlassen", ergänzte Oberbaudirektor Franz-Josef Höing. Magistrale klinge fast wie Champs-Élysées (Paris), was aber in Hamburg zu sehen sei, sei eine Bankrotterklärung. "Wir wollen es dabei aber nicht belassen", sagte Höing. Darum sollen in den Deichtorhallen "kreative Köpfe" zusammenkommen, um die Magistralen mit ihren rund 140 000 Anwohnern neu zu interpretieren.

Verkehrsachsen seien eine Herausforderung der Stadtentwicklung in vielen internationalen Metropolen, erläuterte der Oberbaudirektor. "Wie schaffen wir es, aus diesen immissionsbelasteten Räumen attraktive, großstädtische Lebensadern zu entwickeln?", laute die Fragestellung. Das Bauforum sei dabei kein Wettbewerb mit engen Vorgaben. Vielmehr gehe es darum, Ansätze für die Entwicklung dieser Stadträume exemplarisch aufzuzeigen. Parallel zu der Arbeit der Teams gibt es ein kostenloses, öffentliches Programm mit Vorträgen, Diskussionen, Dokumentarfilmen und Magistralen-Wanderungen.

Aus den Bauforen der Vergangenheit gingen nach Angaben der Behörde Projekte wie die Hafencity, die "Perlenkette" am Elbufer Altona oder der "Sprung über die Elbe" hervor. Bislang, so räumt die Behörde ein, gelten Magistralen vielen Menschen als "Unorte", als "städtebauliche Konglomerate ohne baukulturellen Wert". Sichtbar wird dies an einem unattraktiven Gebäude-Mix gepaart mit unwirtlichen Gewerbemeilen entlang der Verkehrsachsen.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte jüngst bei der Immobilienwirtschaft für eine weitere Bebauung entlang der Hauptverkehrsstraßen geworben. Sie könnten intensiver genutzt werden, weil es dort schon öffentliche Nahverkehrsangebote für potenzielle neue Anwohner gebe, sagte Tschentscher. Die oppositionellen CDU- und FDP-Fraktionen in der Bürgerschaft verwiesen am Mittwoch vor allem darauf, dass entlang der Hauptverkehrsstraßen viel neuer Wohnraum geschaffen werden könne.

Die planerische Weiterentwicklung der Verkehrsachsen solle sich aber nicht allein auf weiteren Wohnungsbau beschränken, erläuterte Stapelfeldt. Vielmehr gehe es darum, die Potenziale der Achsen und ihre vorhandenen Freiräume zu erschließen, damit sie zu lebenswerten öffentlichen Räumen, Wohn- und Arbeitsorten werden. Bis aus den Ideen des Bauforums konkrete Planungen werden, werde allerdings Zeit vergehen, ergänzte der Oberbaudirektor. Das sei eine generationsübergreifende Aufgabe. Die FDP-Fraktion forderte daher "schnellere und schlankere Genehmigungsverfahren" um dem Wachstum der Stadt effizient zu begegnen.