Hamburger Gartenfreunde

Kleingärtner streiten um 624.000 Euro und ihre Autonomie

Von wegen Schrebergarten-Idylle: Ein Streit um Geld stört den Frieden der Hamburger Kleingärtner (Symbolbild).

Von wegen Schrebergarten-Idylle: Ein Streit um Geld stört den Frieden der Hamburger Kleingärtner (Symbolbild).

Verjährte Gebühren will der Dachverband in eine Geschäftsstelle und einen Fonds stecken. Die Vereine wollen lieber selbst entscheiden.

Die Schreberrebellen wollen Ihr Geld zurück. Exakt 624.205,48 Euro soll der Landesbund der Gartenfreunde (LGH) seinen 312 Mitgliedsvereinen zuviel abverlangt haben. Und diese überzahlten Beiträge für nie abgeforderte Gebühren der Stadt sollen nach dem Willen der „Rebellen“ jetzt anteilig an die Kleingartenvereine zurückfließen. Doch der Landesbund als Dachverband der Kleingartenvereine will das Geld behalten und Teile davon für die Sanierung seiner Geschäftsstelle an der Fuhlsbütteler Straße verwenden.

„Der LGH steht mit einem Vermögen von etwa 7 Millionen Euro fürstlich da und wird von den 312 Kleingartenvereinen jährlich mit stolzen 40 Prozent ihrer Mitgliedsbeiträge, das sind 1 Million Euro, alimentiert“, hieß in einer Mitteilung der Rebellen. „Es stößt auf massives Unverständnis, wenn die Vereine nun zugunsten ihres Verpächters auf ihr dringend benötigtes Geld verzichten sollen.“

Ist Unverständnis die Mutter der Attacke?

Die Schreberrebellen sprachen von einem „Coup“ des Landesbundes und möchten ihren Dachverband nicht zu Lasten seiner Mitglieder fett füttern. Der Vorstand hielt dagegen. „Die Rebellen haben Zahlen in der Bilanz gelesen, falsch verstanden und dann viel Wind gemacht“, sagte LGH-Chef Dirk Sielmann. Die erwähnten 7 Millionen Euro seien „kein Vermögen zur freien Verfügung, sondern zweckgebundene Rücklagen, die der Verein nur den Zwecken der Satzung entsprechend braucht und nur ihnen gemäß ausgeben darf, wenn er seine Gemeinnützigkeit nicht verlieren will.“

Die fraglichen 624.205,48 Euro seien Rücklagen für Gehwegreinigungsgebühren, die die Vereine eingetrieben, die die Stadt aber nicht abgefordert habe. „Jetzt, da die Ansprüche der Stadt verjährt sind, fällt das Geld an uns Kleingärtner“, sagte Sielmann. „Und deshalb müssen wir jetzt eine Verwendung dafür festlegen.“

300.000 Euro für die LGH-Geschäftsstelle?

Am 24. Juni soll die Delegiertenversammlung der Kleingartenvereine im Bürgerhaus Wilhelmsburg entscheiden, ob der Verband das Geld behalten oder den einzelnen Kleingartenvereinen zukommen lässt.

Der Verbandsvorstand will 300.000 Euro davon in seine Geschäftsstelle stecken und die verbleibenden rund 324.000 Euro in einen Fonds überführen, aus dem die Mitgliedsvereine in Notlagen zinslos Geld leihen können. Die Rebellen verwahren sich dagegen. Sie wollten um ihr eigenes Geld nicht bitten müssen, erklärten sie.

Zentral vergeben oder dezentral verfrühstücken?

Laut Sielmann gehört das Geld, rechtlich gesehen, aber weder dem Landesbund noch den einzelnen Gartenvereinen, sondern allein den Pächtern der Parzellen. Ihnen könnten anteilig zwischen 3 und 4 Euro ausgezahlt werden, sofern sie noch greifbar sind. „Das wäre aufwändig und nicht sinnvoll, weil wir für rund die Hälfte des Geldes gar Empfangsberechtigten mehr finden würden“, sagte Sielmann. Es habe viele Wechsel in den Anlagen gegeben, das Geld stammt aus den Jahren zwischen 2002 bis 2011.

Alternativ dazu könne man beschließen, an die Kleingartenvereine auszuzahlen, die das Geld damals von den Pächtern eingetrieben haben. Dann kämen im Schnitt 2000 Euro pro Verein heraus. „Davon kann man vielleicht ein schönes Fest ausrichten, aber keine Wasserleitung reparieren“, sagte Sielmann. Deshalb sei das Geld im Infrastrukturfonds für alle besser aufgehoben. Aus ihm könnten sich die Vereine zinslose Kredite für Reparaturen besorgen und damit belastende Umlagen vermeiden.

Energetisch auf dem Stand der 1970er Jahre

Die Sanierung der Geschäftsstelle sein nötig und satzungsgemäß. Das Gebäude stamme aus den 1950er Jahren und sei zuletzt in den 1970er Jahren renoviert worden. „Da müssen wir ran“, sagte Sielmann. Entweder so, wie es der Vorstand beantragt habe oder im Wege einer Umlage, die alle Mitglieder zu zahlen hätten. Dass die Rebellen den Gebäudewert mit unter 200.000 Euro veranschlagen, sei ebenfalls ein Missverständnis. Der Wert sei der Bilanz entnommen und sei rein buchhalterisch der Grundstückswert zum Zeitpunkt des Kaufes. „Der Verkehrswert liegt natürlich deutlich höher“, sagte Sielmann.