Porträt

Stefan Vorndran: Ein Franke mit Herz für Autos aller Art

Stefan Vorndran in der neuen Europcar-Zentrale.

Stefan Vorndran in der neuen Europcar-Zentrale.

Foto: Michael Rauhe

Er ist der Deutschlandchef von Europcar. Ein Gespräch über Mobilität, die Heimat und die Lust an der Arbeit.

Hamburg. Lichtdurchflutet sind die neuen Büroräume der Europcar-Deutschland-Zentrale im Berliner Bogen am Anckelmannsplatz. Vor zwei Monaten ist das Unternehmen, einer der größten Mobilitätsdienstleister der Welt, hierhin umgezogen.

Hausherr Stefan Vorndran – bestens gelaunt – führt durch die Räumlichkeiten in dem bekannten Bürogebäude aus viel Stahl und Glas, die sich über drei Ebenen erstrecken und Platz für mehr als 300 Mitarbeiter bieten: „Wir haben hier ideale Arbeitsbedingungen geschaffen. Die Einzelbüros und Aktenschränke haben ausgedient, stattdessen kann hier jeder individuell mit seinem Laptop einen Arbeitsplatz wählen“, sagt Vorndran, Deutschlandchef von Europcar. In den Pausen treffen sich die Mitarbeiter in Lounges.

Die Konferenzräume tragen Namen der wichtigsten europäischen Firmenstandorte wie Madrid oder Paris, wo die Zentrale der Europcar Mobility Group – so die offizielle Bezeichnung des in Frankreich börsennotierten Unternehmens – steht. Zuvor hatte das Unternehmen in einem gesichtslosen 70er-Jahre-Bau an der Tangstedter Landstraße unweit des Flughafens gesessen: „Das war nicht mehr zeitgemäß und passte auch nicht zu der Aufbruchstimmung bei Europcar“, sagt der 56-Jährige entschlossen. Er habe sich gemeinsam mit seinem Team einige Büroflächen angeschaut, die Entscheidung für den Berliner Bogen sei aber schnell gefallen.

Statt eines Studiums machte er Ausbildung

Inzwischen hat der Geschäftsführer der Europcar Mobility Group Germany im Konferenzraum Amsterdam am Besprechungstisch Platz genommen und gönnt sich einen Schluck Kaffee. Es ist kaum zu übersehen, wie begeistert Vorndran von diesem neuen Standort ist.

Der leichte fränkische Dialekt verrät seine Herkunft. In Erlangen wurde Stefan Vorndran geboren, er hat noch zwei Brüder. Ziele zu erreichen sei ihm schon in seiner Jugend wichtig gewesen. Er hat damals viel Fußball gespielt, war kein überragender Schüler: „Ich wollte unbedingt studieren, aber mein Vater hat darauf bestanden, dass ich erst mal etwas Ordentliches lerne.“ Sein Vater Wilhelm, der ein bekannter CSU-Politiker und einst Präsident des Bayerischen Landtages war, sei eine starke Persönlichkeit gewesen. Also habe er sich gefügt. Er hätte zu Siemens in Erlangen gehen können oder eine Bankausbildung machen.

Aber es kam anders: „Ich habe mich schließlich für eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann entschieden. Die Branche war interessant, war so etwas wie das Tor in die große weite Welt.“ Sein damaliger Vorgesetzter wurde sein großer Förderer und Mentor.

Er war ehrgeizig

Und der damals gerade mal Anfang Zwanzigjährige war ehrgeizig: „Ich wollte selber Chef werden, wollte Verantwortung tragen und mir nicht immer von anderen etwas vorschreiben lassen.“ Im Gespräch mit dem Franken wird schnell deutlich: Er ist ein Macher. Studiert habe er aber dann doch nie, sagt Vorndran lächelnd. Denn die Karriere in der Reisebranche rief, seine Aufgabe war der Vertrieb. Zunächst als Sales Manager in seinem Ausbildungsbetrieb und später beim Wagonlit-Reisebüro Nürnberg. 13 Jahre lang war er dort in verschiedenen Positionen tätig, unter anderen als Niederlassungsleiter, später hatte er als Direktor die deutschlandweite Verantwortung für die Kundenbetreuung.

Im Jahre 2003 wechselte Vorndran zu TQ3 Travel Solutions, später BCD Travel Deutschland, und war dort in diversen Führungspositionen tätig. Seit 2006 als Geschäftsführer, zusätzlich ab 2010 Senior Vice President für Nord und Mitteleuropa sowie ab 2015 für den Wirtschaftsraum EMEA.

Eine smarte Karriere. Doch 2017 habe er nach einer neuen Herausforderung gesucht. In seinem damaligen Umfeld habe er sich nicht mehr wohlgefühlt, wollte was anderes machen. Schließlich kam über einen Headhunter der Kontakt zu Europcar zustande. Das Unternehmen suchte einen Geschäftsführer, und Vorndran hatte großes Interesse. „Denn mit Europcar hatte ich das erste Mal in meiner 35-jährigen Karriere ein eigenes Produkt.“ Seit dem 1. Mai vergangenen Jahres hat Vorndran den neuen Posten: „Ich habe keinen Tag bereut, ich brenne für diese Branche. Es ist wirklich unheimlich spannend, und es macht Spaß, mit so motivierten Mitarbeitern zu arbeiten.“

Unternehmen ist in 135 Ländern vertreten

In Deutschland – das Unternehmen ist in 135 Ländern vertreten – zeichnet Vorndran für etwa 6000 Mitarbeiter verantwortlich, darunter auch zahlreiche Aushilfen. Es gibt rund 500 Mietwagenstationen bundesweit: „Für mich ist es unheimlich wichtig, dass jeder Mitarbeiter mit Respekt behandelt und seine Leistung angemessen gewürdigt wird. Das gilt vor allen Dingen auch für die Kollegen, die die Autos waschen und säubern, zustellen und wieder zu den Stationen bringen.“

Von seinen Mitarbeitern erwartet Vorndran, „dass sie sich mit der DNA des Unternehmens identifizieren und sich für ihren Job begeistern“. Er weiß, dass auch auf dem Mietwagenmarkt die Digitalisierung immer mehr eine Rolle spielen wird, und das „bedeutet, dass wir immer neue Geschäftsfelder erschließen werden und nicht nur auf das klassische Ausleihen an Stationen setzen können“. Dabei spiele vor allem auch Carsharing eine immer größere Rolle. Der Anbieter Ubeeqo ist eine Tochterfirma von Europcar. Ein weiteres Thema der Zukunft sei die Elektromobilität.

Werktags in Hamburg

Vor seinem Wechsel an die Elbe war sein Firmensitz in Bremen. In Hamburg hat sich Vorndran inzwischen „sehr gut eingelebt. Die Stadt ist eine echte Perle. Ich mag es auch, dass es hier so viel Wasser gibt.“ Von seiner Wohnung auf der Uhlenhorst hat er es nicht weit bis an die Außenalster. Es sei sehr schön, in diesem Stadteil mit den vielen Geschäften, Kneipen und Restaurants zu leben. Und der Franke macht den Hamburgern ein Kompliment: „Es ist angenehm, dass die Menschen hier eher bescheiden auftreten und sich nicht so zur Schau stellen, wie zum Beispiel im München.“

Aber so viel Zeit, um die Vorzüge der Stadt zu genießen, bleibt dem Workaholic nicht: „Natürlich habe ich keine geregelte 38-Stunden-Woche, sondern arbeite sehr viel. Ich sehe uns in der Zentrale als Dienstleister für unsere Stationen und deren Kunden.“ Zudem wisse er, dass er als Chef eine große Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern habe. Doch aus der Ruhe lässt sich Vorndran nicht bringen: „Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn schon viel erlebt. Ich habe keine schlaflosen Nächte, bin relativ gelassen.“

Aber in seinem Leben spielt nicht nur die Arbeit eine große Rolle, sondern auch die Familie und die Heimat. Unter der Woche lebt Vorndran in Hamburg und ist viel auf Geschäftsreise. Doch das Wochenende gehört seiner Frau Susanne, mit der er seit 25 Jahren verheiratet ist, und seinen 22 und 24 Jahre alten Töchtern: „Ich bin ein Familienmensch, und ich genieße es, wenn ich nach einer anstrengenden Woche wieder nach Hause komme.“ Das steht in Veitsbronn. Der kleine Ort liegt in der Nähe von Erlangen.

Leidenschaftlicher Golfer

Der Europcar-Chef ist ein leidenschaftlicher Golfer, hat Handicap 17,6: „Ich mag diesen Sport, weil man in der Natur ist und dadurch den Kopf freibekommt. Außerdem ist jede Runde eine neue Herausforderung, weil man nie weiß, ob die Schläge sitzen.“ Aber es gibt noch ein Hobby, für das sich Vorndran begeistert. Und das passt wiederum gut zu seiner aktuellen Position. Denn es hat auch mit Autos zu tun.

Allerdings nicht mit Neuwagen, sondern sein Herz schlägt für Oldtimer: „Der Mythos Porsche hat mich gepackt. Ich bin begeistert von diesen Fahrzeugen, und vor allem mache ich gerne Ausfahrten und genieße die Landschaft in meiner Heimat.“ Allerdings nur von den älteren Modellen, einen neuen Porsche würde Vorndran nicht kaufen. Seine Leidenschaft teilt der Familienvater mit anderen Oldtimerfreunden.

Er lehnt sich zurück und seine Augen blitzen: „Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn man an einer Rallye teilnimmt, und an der Straße stehen die Menschen und applaudieren, während man an ihnen vorbeifährt.“ Dieses Erlebnis hatte er regelmäßig bei Rallyes in Italien.

Mit Gleichgesinnten legt er in den auf Hochglanz polierten Oldtimern Tausende Kilometer im Jahr zurück. Natürlich schraubt Vorndran auch selber und erledigt kleinere Schönheitsreparaturen. Wenn er nach einem entspannten Wochenende wieder nach Hamburg kommt, ist Vorndran voller Energie und stürzt sich in die Arbeit: „Das Spannende an meinem Beruf ist doch, dass jeden Tag neue Herausforderungen auf mich warten.“ Dieser Mann steht für vieles – aber auf keinen Fall für Stillstand.

Nächste Woche: Uni-Präsident Dieter Lenzen.