Schifffahrt

Landstrom soll günstiger werden: EEG-Umlage wird reduziert

Zwei Servicetechniker stehen neben einer Landstromanlage an einem Kreuzfahrtschiff.

Zwei Servicetechniker stehen neben einer Landstromanlage an einem Kreuzfahrtschiff.

Foto: dpa

Ein Kreuzfahrtschiff hat einen Stromverbrauch wie eine Kleinstadt. Produziert wird der Strom meist von Dieselaggregaten, auch während der Liegezeit im Hafen. Sauberer Landstrom ist, weil zu teuer, bislang keine wirtschaftliche Alternative. Das soll sich nun ändern.

Hamburg. Landstrom für Schiffe soll in deutschen Seehäfen deutlich günstiger werden. Nach langen Verhandlungen habe sich die Bundesregierung dazu bereiterklärt, die sogenannte EEG-Umlage für Landstrom auf 20 Prozent zu reduzieren, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. "Das sind gute Nachrichten für die maritime Wirtschaft - und unser Klima."

Die Versorgung von Schiffen mit Landstrom während ihrer Liegezeiten soll die Luftbelastung in den Häfen senken. Bislang ist der "saubere Strom" aber auch aufgrund der EEG-Umlage um ein Mehrfaches teurer als der von den Dieselaggregaten der Schiffe selbst produzierte. Derzeit werden pro Kilowattstunde 6,405 Cent EEG-Umlage fällig; bei Landstrom wären es nach der Reduzierung nur noch 1,28 Cent.

"Durch die Reduzierung der EEG-Umlage auf 20 Prozent wird die Nutzung von Landstrom für die Reedereien wirtschaftlicher", sagte Tschentscher. "Ich begrüße sehr, dass der Bund hierzu nunmehr bereit ist. Das ist ein wichtiger Schritt für Norddeutschland und alle Seehäfen."

Aufgrund der bisher geringen Nutzung des Landstroms werde die Reduzierung der EEG-Umlage andere Stromkunden nicht mehr belasten, sagte der Bürgermeister. "Wenn durch die Reduzierung der EEG-Umlage mehr Schiffe an sauberen Strom angeschlossen werden, ergeben sich sogar höhere Einnahmen aus der Umlage."

In Hamburg wurde 2016 die europaweit erste Landstrom-Anlage für Kreuzfahrtschiffe in Betrieb genommen - bislang aber nur wenig genutzt. Seit der vergangenen Woche gibt es in Kiel Landstrom für Fähren. In Rostock sollen Schiffe ab kommendem Jahr mit Landstrom versorgt werden können. Vor allem große Kreuzfahrtschiffe benötigen viel Strom - vergleichbar mit dem Bedarf einer Kleinstadt.

Hamburg hatte sich schon lange für eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) stark gemacht, um einen wirtschaftlichen Betrieb von Landstrom-Anlagen zu ermöglichen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte eine Reduzierung der EEG-Umlage für Landstrom aber bislang abgelehnt.

Zuletzt hatte die Ministerpräsidentenkonferenz - deren Vorsitzender Tschentscher derzeit ist - auf Hamburger Initiative zusammen mit der Bundesregierung eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingerichtet, um konkrete Schritte zu erarbeiten. Auch ein Investitionsförderprogramm des Bundes zur Mitfinanzierung von Landstromanlagen und eine Initiative für eine EU-weite Einführung einer Landstrompflicht sind geplant.

"Wir werden mit den Fördermitteln des Bundes mehr Landstromanlagen errichten können", sagte Tschentscher. Neben dem Bau einer weiteren Landstrom-Anlage für Kreuzfahrtschiffe in der Hafencity will Hamburg auch eine umfangreiche Landstromversorgung für Containerschiffe etablieren und damit seine Stellung als EU-weites Vorbild für eine umweltverträgliche Hafenwirtschaft halten.

"Es ist zu begrüßen, dass Strom für die Reedereien durch die EEG-Reduzierung billiger wird, wenn die Menschen in Hafennähe und das Klima dadurch tatsächlich nicht weiter geschädigt werden", sagte der Kieler Linke-Bundestagsabgeordnete Lorenz Gösta Beutin. Es könne aber nicht sein, "dass die Kreuzfahrt-Wirtschaft jetzt nur Geld spart und man in den deutschen Häfen darauf hofft, dass die Landstromanlagen in Hamburg und Kiel freiwillig genutzt werden." Er forderte eine Nutzungspflicht in Deutschland. Auf Europa zu warten, reiche nicht aus.

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Michael Kruse, nannte den mit der Bundesregierung erzielten Kompromiss "halbgar". "Die EEG-Umlage für Landstromversorgung gehört abgeschafft", sagte er. Neben dem stärkeren Anreiz würde so auch Bürokratie bei den betroffenen Unternehmen abgebaut. "Deshalb darf die Verringerung auf 20 Prozent nicht das letzte Wort in Sachen Landstrom sein."