Hamburger Modekette

Tom Tailor findet chinesisches Übernahmegebot zu niedrig

Tom-Tailor-Chef Heiko Schäfer in der
Hamburger Zentrale.

Tom-Tailor-Chef Heiko Schäfer in der Hamburger Zentrale.

Foto: Michael Rauhe / HA

Vorstand und Aufsichtsrat halten Offerte von 2,31 Euro pro Aktie von Großaktionär Fosun für "finanziell unangemessen".

Hamburg. Die angeschlagene Hamburger Modekette Tom Tailor will sich von ihrem chinesischen Großaktionär Fosun nicht zu billig übernehmen lassen. Wirklich dagegen ist sie aber auch nicht. Aus strategischer Sicht sei Fosuns Übernahmeangebot zu begrüßen, teilten Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens am Donnerstag in Hamburg mit. Die Offerte von 2,31 Euro je Aktie sei jedoch "finanziell unangemessen". Sie spiegele nicht den tatsächlichen Wert von Tom Tailor wider, sagte Finanzvorstand Thomas Dressendörfer. Zunächst hatte Fosun nur 2,26 Euro je Aktie geboten.

Eine klare Empfehlung für oder gegen die jetzige Offerte vermied der Vorstand aber und beließ es bei einer "sogenannten neutralen Stellungnahme". So könne das Fosun-Angebot für risikoscheue und kurzfristige Aktionäre eine gute Gelegenheit sein, sagte Dressendörfer. Mittel- bis langfristig schätzt er die Lage aber anders ein. Wenn der Verkauf der Tochterfirma Bonita wie geplant gelinge und die Verhandlungen mit den Banken erfolgreich seien, gebe es ein deutliches Potenzial für eine positive Kursentwicklung, argumentiert er.

Chinesen seit 2014 an Tom Tailor beteiligt

Derzeit will Fosun Tom Tailor zu einer Bewertung von knapp 100 Millionen Euro übernehmen. Die Chinesen sind seit 2014 an dem Hamburger Unternehmen beteiligt. Fosun ist ein Industrie- und Handelskonglomerat in Privatbesitz mit Zentrale in Hongkong. Das Unternehmen hat in Europa schon mehrfach in die Textilbranche investiert und etwa im vergangenen Jahr die Mehrheit an dem österreichischen Textilhersteller Wolford übernommen.