Prozesse

Messerattacke in Flüchtlingsheim: Sechs Jahre Haft gefordert

Der Eingangsbereich zur Flüchtlingsunterkunft Boostedt ist zu sehen.

Der Eingangsbereich zur Flüchtlingsunterkunft Boostedt ist zu sehen.

Foto: dpa

Sie flüchten gemeinsam nach Deutschland. Doch als sie sich kurz darauf von ihm trennt, greift er zum Messer. Die Staatsanwaltschaft fordert jetzt eine lange Gefängnisstrafe.

Kiel. Im Prozess um eine lebensgefährliche Messerattacke auf eine Frau in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt haben Staatsanwaltschaft und Nebenklage sechs Jahre Haft für den Angeklagten gefordert. Sie hielten es vor dem Kieler Landgericht am Montag nach Angaben des Gerichtssprechers für erwiesen, dass der 35-jährige iranische Asylbewerber sein Opfer Mitte September 2018 mit einem Stich in die Lunge lebensgefährlich verletzte. Tatmotiv waren laut Anklage Eifersucht, verletztes Ehrgefühl und Rache.

Der Verteidiger stellte demnach keinen konkreten Strafantrag. Er ging nur von gefährlicher Körperverletzung aus. Dafür drohen bei einer Verurteilung mindestens sechs Monate bis zehn Jahre Haft. Das Schwurgericht will das Urteil am Mittwoch (12.00 Uhr) verkünden.

Der Iraner schwieg zu Prozessbeginn auf Rat seines Verteidigers vor Gericht. Nach Angaben eines Kriminalbeamten hatte er die Tat in ersten Vernehmungen bestritten. Zeugen und das Opfer belasteten ihn vor Gericht aber eindeutig.

Der Iraner und die Frau reisten nach Angaben der Anklage Anfang August 2018 nach Deutschland; beide wurden zunächst in einem Zimmer in Boostedt untergebracht. Nach Gewalttätigkeiten gegen sie wurde er aber vor der Tat auf ihr Betreiben hin in die Landesunterkunft Neumünster verlegt und durfte das Flüchtlingsheim Boostedt eigentlich nicht mehr betreten.