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Finanzdienstleister Hypoport verlegt Konzernsitz nach Lübeck

Günstige Büros sind in Berlin schwer zu finden, inzwischen konkurriert auch die Verwaltung mit Unternehmen um Flächen. Das hat nun zu Ärger geführt.

Lübeck/Berlin. Der börsennotierte Finanzdienstleister Hypoport AG will nach einem Streit mit dem Senat seinen Konzernsitz von Berlin nach Lübeck verlegen. Dort sitzt das Tochterunternehmen Dr. Klein, ein Vermittler von Immobilienkrediten. Die Verlegung sei aber ein rein juristischer Vorgang, die 350 Mitarbeiter in Berlin seien davon nicht betroffen, sagte ein Firmensprecher am Donnerstag. Auch steuerlich habe die Verlagerung keine Auswirkungen. Der Sprecher stellte jedoch klar, Hypoport werde in Berlin keine neue Geschäftsbereiche mehr aufbauen.

Die Hauptversammlung am 15. Mai soll nach dem Willen des Vorstands die Sitzänderung beschließen. Darüber berichtete der Berliner "Tagesspiegel" (Donnerstag). Hintergrund ist ein Streit mit dem Berliner Senat über das Gebäude an der Berliner Klosterstraße, dem bisherigen Firmensitz. Hypoport wollte das Haus nach eigenen Angaben kaufen, der Senat machte jedoch sein Vorkaufsrecht geltend, weil die benachbarte Finanzverwaltung und die Senatskanzlei zusätzliche Räume brauchen. "Berlin ist eine wachsende Stadt, was auch große Auswirkungen auf die Berliner Verwaltung hat", hieß es aus der Finanzbehörde.

Der Senat habe Hypoport angeboten, den Mietvertrag um ein Jahr zu verlängern. Auch alternative Standorte in Adlershof und am Hauptbahnhof seien in Aussicht gestellt worden. Hypoport entschied sich aber nach Angaben eines Firmensprechers, Anfang 2020 in einen Neubau an der Heidestraße einzuziehen.

Die Schutzvereinigung der Kapitalanleger erhob Vorwürfe gegen die rot-rot-grüne Landesregierung. "Der Senat verhält sich mit der Vertreibung von Hypoport wie eine Heuschrecke", sagte Sprecher Michael Kunert. Die Berliner Industrie- und Handelskammer sprach von einem Armutszeugnis für die Standortpolitik. Die Senatswirtschaftsverwaltung teilt mit, sie habe versucht, die Finanzbehörde zu einem Verzicht auf die Klosterstraße zu bewegen.

Die im S-Dax notierte Hypoport AG betreibt über Tochtergesellschaften unter anderem Internetmarktplätze für Banken, Finanzvertriebe, Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Der Konzernumsatz lag 2018 nach Angaben des Unternehmens bei 266 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 29,3 Millionen Euro. Bundesweit beschäftigte die Hypoport AG 2018 mehr als 1300 Mitarbeiter.