Grundschulen

Aktionswoche gegen Elterntaxis zeigt in Hamburg Wirkung

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Matthias Popien
Ein Polizist spricht mit Eltern, die ihr
Kind zur Schule fahren.

Ein Polizist spricht mit Eltern, die ihr Kind zur Schule fahren.

Foto: André Zand-Vakili

In Rahlstedt beklagt der Auto Club Europa dennoch eine bedenkliche Fehlerliste. Schule in Eidelstedt ergreift Maßnahmen.

Hamburg.  Die Aktionswoche gegen Elterntaxis zeigt in Hamburg offenbar Wirkung. Vor der Grundschule Bekassi­nen­au in Rahlstedt, vor der am Dienstag Polizei und Mitarbeiter des Auto Clubs Europa (ACE) Informationsmaterial verteilten, war es ruhiger als sonst. „Die Lehrer haben uns gesagt, dass dort sonst mehr Chaos herrscht“, sagte ACE-Regionalberater Rüdiger Rohlf.

Dennoch haben sich nach Rohlfs Notizen 21 autofahrende Eltern falsch verhalten. Die Liste der Fehler stimmt durchaus bedenklich. Sieben Eltern parkten, um ihr Kind aussteigen zu lassen, im Halteverbot, neun in einer Ausfahrt, zwei direkt an der Ampel. Sieben Kinder stiegen falsch aus, also nicht auf der Gehwegseite, sondern auf der Straßenseite. Und: „Viele Kinder waren gar nicht angeschnallt“, sagte Rohlf.

Staus vor Hamburger Schulen

Rund 20 Prozent aller Grundschüler werden von den Eltern im Auto zur Schule gebracht. Das geht aus einer deutschlandweiten Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2018 hervor. Kein Wunder, dass es morgens vor vielen Schulen Staus gibt. Schulbehörde und Polizei haben deshalb eine Aktionswoche gegen Elterntaxis gestartet, die gerade läuft. Mit der Eidelstedter Grundschule Rungwisch will zumindest eine Hamburger Schule nun mit Haltestellen erreichen, dass die Kinder wenigstens einen Teil des Schulwegs zu Fuß zurücklegen.

Derzeit gehen laut Forsa-Umfrage nur rund 43 Prozent der Grundschüler zu Fuß zum Unterricht. 17 Prozent benutzen den Bus, zehn Prozent nehmen das Rad.

Anteil der Fußgänger erhöhen

Der ACE, der sich an der Aktionswoche beteiligt, will den Anteil der Fußgänger erhöhen. Und ist der Ansicht, dass das der Verkehrssicherheit dienen würde. Bruno Merz, Leiter der ACE-Verkehrssicherheitsaktion, sagt: „Das eigenständige Zurücklegen des Schulweges ist eine wichtige Erfahrung für Kinder. Gerade in der Verkehrserziehung gilt: Übung macht den Meister. In diesem Sinne sollte bereits der Schulweg die erste Unterrichtsstunde sein.“ Je früher Verkehrssituationen geübt und bewältigt würden, desto sicherer bewegten sich die Kinder auch in späteren Jahren im Straßenverkehr.

Das tägliche Bringen und Holen im Elterntaxi nehme Kindern diese wertvollen Erfahrungen und Trainingssituationen. „Darum gilt auch für längere Schulwege: Die Kinder zumindest die letzten 500 Meter zu Fuß gehen zu lassen.“

Gute Verkehrsinfrastruktur wird benötigt

Laut Statistischem Bundesamt kam im Jahr 2017 im Durchschnitt alle 18 Minuten ein Kind im Alter von unter 15 Jahren im Straßenverkehr zu Schaden. Insgesamt waren es 29.259 Kinder, die allein im Jahr 2017 auf Deutschlands Straßen verunglückten. 40,5 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen kamen dabei als Insassen in einem Auto zu Schaden, 29,1 Prozent verunglückten als Fußgänger und 24,5 Prozent als Radfahrer.

Voraussetzung dafür, dass Kinder und Jugendliche ihren Schulweg sicher und eigenständig zurücklegen können, ist eine gute Verkehrsinfrastruktur. Der ACE fordert deshalb, dass Fuß- und Radwege sicher gestaltet und weiter ausgebaut werden – beispielsweise mithilfe von zusätzlichen Querungshilfen, wie Zebrastreifen oder Ampelanlagen. „Nur so lassen sich Eltern zum Umstieg ihrer Kinder überzeugen“, sagt Bruno Merz. „Die Sicherheit im Straßenverkehr lässt sich nicht auf der Rückbank eines Autos erlernen.“

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