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S-Bahn bleibt Problemkind des Hamburger Nahverkehrs

Immer mehr Menschen nutzen den öffentlichen Nahverkehr – so wie hier auf dem Hamburger Hauptbahnhof.

Immer mehr Menschen nutzen den öffentlichen Nahverkehr – so wie hier auf dem Hamburger Hauptbahnhof.

Foto: Michael Rauhe / HA

Immer weniger S-Bahnen kommen pünktlich, immer mehr fallen aus. Woran das liegt, und wie die Stadt reagiert.

Hamburg.  Nein, da kann auch der Chef nicht zufrieden sein. Dass die S-Bahn im vergangenen Jahr das Pünktlichkeitsziel verfehlt hat, damit könne man nicht einverstanden sein, sagte Kay Uwe Arnecke, Geschäftsführer der S-Bahn Hamburg, kürzlich. Lediglich 94,3 Prozent der S-Bahnen fuhren 2018 Jahr pünktlich. Das heißt laut Definition, dass sie nur um maximal zwei Minuten und 59 Sekunden verspätet gewesen sind. Das zwischen Stadt und S-Bahn festgelegte Ziel war bisher eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 94,7 Prozent.

Neben dieser bereits kürzlich von der S-Bahn veröffentlichten Zahl hat eine Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Dennis Thering nun weitere Details zur Pünktlichkeit der Hamburger S-Bahn, U-Bahn und AKN zutage gefördert. Demnach sind die S2 und die S21 nach den Zahlen vom Januar 2019 die unpünktlichsten Hamburger Bahnstrecken.

So viele S-Bahnen wie 2018 sind lange nicht ausgefallen

Auch zeigen die Daten, dass seit vielen Jahren nicht so viele S-Bahnen vollständig ausgefallen sind wie 2018. Laut der Senatsantwort sind 2018 „störungsbedingt … 1,4 Prozent der Zugleistungen ausgefallen“. So viele Züge sind offenbar bisher in kaum einem Jahr ausgefallen. Jedenfalls ist dies der höchste Wert seit 2002.

Bis in dieses Jahr zurück hatte CDU-Mann Thering die Zahlen abgefragt. Damals lag die Ausfallquote noch bei 0,4 Prozent. 2010 verdoppelte sie sich bereit auf 0,8 Prozent. Und im Jahr 2017 lag sie bereits bei 1,2 Prozent. Der Trend deutet also beharrlich in eine ungute Richtung.

Innerhalb von zwei Jahren 50.000 Fahrgäste mehr bei der S-Bahn

Die Wirtschafts- und Verkehrsbehörde verweist darauf, „dass die Verkehrsleistung insgesamt und damit auch die Netzbelastung (Anzahl Fahrgäste und Fahrten) gestiegen“ sei. „Dies gilt insbesondere für die Hauptverkehrszeiten“, sagte Behördensprecherin Susanne Meinecke. Habe die S-Bahn vor rund zwei Jahren noch um die 700.000 Fahrgäste gehabt, so seien es derzeit bereits etwa 750.000. „Spürbar haben auch externe Einflüsse zugenommen, insbesondere extreme Wetterlagen, Rettungs- und Notarztwageneinsätze sowie Polizeieinsätze“, so Meinecke.

Hinzu kommt: Zum 9. Dezember 2018 ist ein neuer Vertrag mit der S-Bahn in Kraft getreten, der wesentliche Änderungen beinhaltet. So umfasse er „auch die S-Bahn-Verkehre in Niedersachsen auf der Strecke nach Stade, die bislang in einem gesonderten Vertrag mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) geregelt waren“, so der Senat. „Dort verkehrt die S-Bahn ab Neugraben im Mischverkehr mit weiteren Zügen (z.B. Schienengüterverkehr) mit oft negativen Folgen für die Betriebsqualität.“ Das führe „zu einem deutlich höheren Anspruch gegenüber den vorher getrennt ausgewiesenen Pünktlichkeitswerten“ für die S-Bahn. „Damit das Pünktlichkeitsziel für das Verkehrsunternehmen nicht übermäßig ansteigt, wurde der Zielwert in der Ausschreibung des neuen Verkehrsvertrags auf 94,0 Prozent festgesetzt.“

Verkehrsbehörde weist Kritik der CDU zurück

Die CDU kritisiert diese Absenkung des Pünktlichkeitsziels von 94,7 auf 94,0 Prozent. „Dass das seit Jahren bestehende Pünktlichkeitsziel klammheimlich mit dem neuen Verkehrsvertrag im Dezember auf 94 Prozent abgesenkt wurde, spricht Bände“, so Thering. „Da die Bahnen und Busse das Rückgrat der Mobilität in unserer Stadt sind, muss der Senat alles Erdenkliche dafür tun, dass die Störungen, Verspätungen und Ausfälle auf ein Minimum reduziert werden. Nur wenn mehr Menschen auf die ´Öffis´ umsteigen, kriegen wir den Stau auf Hamburgs Straßen in den Griff.“

Die Verkehrsbehörde weist die Kritik zurück. Der neue S-Bahn-Vertrag sei 2013 unter Zustimmung der CDU beschlossen worden, so Behörden-Sprecherin Meinecke. Von „klammheimlich“ könne also wahrlich keine Rede sein.

U-Bahn bleibt zuverlässigstes Verkehrsmittel Hamburgs

Die U-Bahn bleibt derweil das zuverlässigste Verkehrsmittel auf Hamburger Gebiet. 97,6 Prozent aller U-Bahnen fuhren im Jahr 2018 pünktlich, etwas mehr als in den vergangenen Jahren. Das festgelegte Pünktlichkeitsziel von 96 Prozent wurde damit klar erreicht.

Allerdings läuft auch bei der zuständigen Hochbahn Hamburg nicht alles völlig problemlos. So ist die Zahl der gemeldeten Störungen im U-Bahn-Netz von 146 um Jahr 2017 auf 208 im vergangenen Jahr gestiegen. Auch die Dauer der Störungen, die formal als „Störbestehenszeit“ bezeichnet wird, stieg im vergangenen Jahr deutlich an. Bestanden Störungen im Jahr 2017 noch für insgesamt 6610 Minuten, also etwas mehr als 110 Stunden, so stieg diese Zahl im vergangenen Jahr deutlich auf 8930 Minuten (oder fast 149 Stunden) an.

Mehr Zugausfälle und mehr Polizei- und Rettungseinsätze

Vor allem drei Faktoren führten zu diesem Anstieg: Die Fehler an Weichen, Stellwerken und Signalen nahmen von 2017 auf 2018 von 14 auf 39 zu. Die Zahl der schadhaften oder ausgefallenen Züge verdoppelte sich von 14 auf 28. Und es gab mehr Einsätze von Polizei, Feuerwehr oder Rettungswagen, die zu Einschränkungen führten. Ihre Zahl stieg von 53 in 2017 auf 82 im Jahr 2018.

Die AKN, die nur zu einem kleinen Teil auf Hamburger Stadtgebiet fährt, erreichte 2018 noch bessere Werte als die U-Bahn – jedenfalls auf der auf Hamburger und schleswig-holsteinischem Gebiet fahrende Linie A1. Dort lag die Pünktlichkeitsquote im ersten Quartal 2018 bei 98,1 und im zweiten und dritten Quartal bei jeweils 97,7 Prozent. Im schleswig-holsteinischen Regionalnetz Süd gilt laut Senat ein Pünktlichkeitsziel von 95 Prozent – wobei Züge allerdings erst ab einer Verspätung von sechs Minuten als unpünktlich gelten.