Hamburg

Warum Handwerker besonders sexistisch werben

Frauenfeindliche Werbung begegnet Mann und Frau fast täglich auf der Straße (Symbolbild).

Frauenfeindliche Werbung begegnet Mann und Frau fast täglich auf der Straße (Symbolbild).

Foto: imago/Steinach

Hamburgs Kreative prangern frauenfeindliche Werbung im Handwerk an – und steuern mit einem Kampagnenfilm dagegen.

Hamburg. Eine Frau posiert halbnackt mit Autoreifen – darüber steht in Großbuchstaben „Einfach geile Teile“. Auf einem Werbeplakat für eine sogenannte Pfahlramme schaut eine dunkelhaarige Dame im roten BH lasziv in die Kamera – über ihrem Bauch ist der Schriftzug „Wie rammst du ihn rein“ zu lesen. Das sind nur zwei von zahlreichen Beispielen für sexistische Werbung aus dem Bereich Handwerk, bei denen der weibliche Körper als Dekoration dient. Dass der Wirtschaftszweig Handwerk auffallend häufig mit sexistischen und frauenfeindlichen Motiven wirbt, prangert nun die Organisation Pinkstinks an, die ihren Sitz in Hamburg hat und sich gegen Sexismus in Medien und Werbung stark macht.

„Kein anderer Wirtschaftsbereich wirbt so häufig frauenfeindlich“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung von Pinkstinks. Das belegt die Organisation mit rund 5000 Einsendungen der „Werbemelder*in“, einer Plattform, mit der Pinkstinks seit knapp zwei Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Monitoring sexistischer Werbung vornimmt.

Mangelnde Budgets ein Grund für sexistische Werbung

Zu 60 Prozent stammen die Meldungen aus den Bereichen Bau und Handwerk. Nun hat Pinkstinks einen Kampagnenfilm gegen sexistische Werbung im Handwerk veröffentlicht: Kreativteams der größten Hamburger Werbeagenturen zeigen darin, wie kostengünstig und schnell hochwertige Werbung entstehen kann, ohne dabei in die Sexismus-Kiste zu greifen.

Die Gründe, warum bei Handwerkswerbung sehr häufig halbnackte Frauen abgebildet werden, sind vielfältig. Pinkstinks weist darauf hin, dass etwa mangelnde Budgets dazu führen, dass Werbung in kleinen und mittelständischen Betrieben oft innerhalb des eigenen Unternehmens produziert wird. „Unternehmen kämpfen um Aufmerksamkeit und hoffen auch 2019 noch darauf, dass ‘Sex sells’“, so Pinkstinks. Ihnen fehle die Expertise und die Erfahrung in der Produktion ihrer Werbemittel.

Hamburger Werbeagenturen gemeinsam gegen Sexismus

„Da Verbraucherinnen und Verbraucher meist nicht unterscheiden können, welche Werbung von Werbeagenturen produziert wurde und welche nicht, wirft sexistische Werbung in der Öffentlichkeit auch ein schlechtes Licht auf professionelle Werbeschaffende“, warnt Pinkstinks. Nun haben sich Werbeprofis der Hamburger Agenturen Kolle Rebbe, Philipp und Keuntje, Grabarz und Partner, thjnk/loved und Jung von Matt mit Pinkstinks zusammengetan. Ihr Ziel: Sie wollen zeigen, wie Werbung schnell und günstig, aber klischee- und diskriminierungsfrei entstehen kann.

Dafür gab es ein gemeinsames Treffen in Hamburg, bei dem die Teams jeweils per Zufallsentscheid eine sexistische Werbeanzeige aus der „Werbemelder*in“ zugewiesen bekommen haben. Ihre Aufgabe: Innerhalb von 90 Minuten eine neue Werbeidee für das Produkt zu entwickeln. „Dabei entstanden nicht nur tolle neue Werbemotive, sondern auch wertvolle Einblicke in den Arbeitsablauf der Werbeprofis und Tipps für kleine und mittelständische Unternehmen“, heißt es in der Pinkstinks-Mitteilung. Die Organisation begleitete den Abend mit der Kamera. Dabei entstand ein dreiminütige Film, der seit Donnerstag auf der Facebookseite von Pinkstinks zu sehen ist.

„Es geht auch witzig ohne Dekolleté“

Auf Facebook stieß das Video innerhalb kurzer Zeit bereits auf große positive Resonanz. Schon in den ersten zwei Stunden nach Veröffentlichung wurde der Film 2100-mal aufgerufen und rund 100-mal geteilt. „Tolle Arbeit die ihr macht und super die Idee, mit den alternativen Werbekonzepten. Es geht auch witzig ohne Dekolleté!“, schreibt ein Nutzer. In einem anderen Kommentar heißt es: „Abgesehen davon, dass es wirklich schön wäre, nicht mehr auf jedem Lebensmitteltransporter und in jeder Handwerks-Werbung mit thematisch unpassenden Halbnackten beballert zu werden, finde ich die Alternativ-Vorschläge einfach soviel lustiger und interessanter – es geht doch, wenn man/frau/mensch nur will.“

Die Hamburger Werbeprofis haben sich übrigens auch eine Alternative zu der äußerst sexistischen Pfahlrammen-Werbung ausgedacht. Der neue Slogan lautet: „Überall Pfosten, die man rammen will. Genau wie aufm Bau“.