Wohnen

Mieten zu Semesterbeginn in Hamburg "erschreckend"

Eine Suchanzeige für eine "bezahlbare Wohnung" hängt an einem schwarzen Brett. 

Eine Suchanzeige für eine "bezahlbare Wohnung" hängt an einem schwarzen Brett. 

Foto: dpa

Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum wird für Studenten zunehmend schwerer. Besonders zu Semesterbeginn. Kritik von der CDU.

Hamburg. Gut eine Woche vor Beginn des Sommersemesters ist die Wohnungsnot bei Hamburgs Studierenden weiter hoch. Allein beim Studierendenwerk hätten sich auf die 505 zum 1. April zu vergebenden Wohnheimplätze mehr als 1000 angehende Hochschüler beworben, sagte der Geschäftsführer des Studierendenwerks Hamburg, Jürgen Allemeyer, der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt verfüge das Studierendenwerk über 4350 Wohnheimplätze.

Spätestens 2022 soll in Wilhelmsburg ein weiteres Wohnheim für bis zu 350 Studenten eröffnen. Für das noch laufende Wintersemester hatten sich allein an der Universität Hamburg knapp 7000 Studenten für Bachelor-Studiengänge neu eingeschrieben. Insgesamt studieren an der Universität den Angaben zufolge mehr als 43 000 Frauen und Männer.

Für möglichst viele Wohnanlagen bewerben

"Der studentische Wohnungsmarkt ist von dem starken Ausbau privater Wohnheime mit sehr hohen Mieten und von einer steigenden Nachfrage nach Wohnräumen geprägt", sagte Allemeyer. Er empfinde die Mietentwicklungen als erschreckend. Allemeyer riet Studenten, schon vor Annahme an einer Universität nach Wohnungen zu suchen.

Zudem empfiehlt er Erstsemestern, sich für möglichst viele Wohnanlagen zu bewerben und zu Semesterbeginn ein paar Wochen bei Freunden oder Verwandten einzuziehen. Wer zur Überbrückung in teure Wohnmöglichkeiten einziehe, müsse oft die längeren Kündigungsfristen beachten.

Wohnheimplätze kosten 250 bis 400 Euro

Die Warmmieten für Wohnheimplätze des Studierendenwerks Hamburg belaufen sich auf 250 bis 400 Euro. Diese werden mit staatlichen Mitteln gefördert. Auf dem freien Wohnungsmarkt, wo in Hamburg ungefähr 90 Prozent der Studenten eine Unterkunft fänden, seien die Mieten deutlich höher.

Dem Wohnpreisindex für Studenten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln von 2018 zufolge kostet eine fiktive Wohnung mit 30 Quadratmetern aus dem Baujahr 1995 in Hamburg 427 Euro im Monat. Nur München (634 Euro), Frankfurt am Main (499 Euro) und Heidelberg (437 Euro) sind demnach noch teurer.

Nur wenige WG-Zimmer unter 500 Euro

Auch Hamburger WG-Zimmer kosten zu Semesterbeginn häufig mehr als der Durchschnittspreis. Studenten, die auf öffentlichen Portalen wie "WG gesucht" zum ersten April nach einem Zimmer suchen, finden nur wenige Angebote unter 500 Euro. Ein zwölf Quadratmeter großes Zimmer im Hamburger Nobelstadtteil Rotherbaum wird dort zum Beispiel für 750 Euro angeboten.

Der Allgemeine Studierendenausschuss Hamburg (AStA) forderte: "Die Politik muss einerseits dafür sorgen, dass das Studierendenwerk besser finanziert wird, andererseits muss allgemein mehr bezahlbarer Wohnraum in Hamburg geschaffen werden. Die Preisbindung von Sozialwohnungen sollte daher auf mehrere Jahrzehnte ausgedehnt werden."

CDU: "Armutszeugnis für die rot-grüne Hochschulpolitik"

Kritik an den mangelnden Studentenwohnheimplätzen übte die CDU-Bürgerschaftsfraktion. "Zu einem guten Studium gehören auch gute Studienbedingungen", sagte der CDU-Wissenschaftsexperte Cartsen Ovens. Die bis zum Jahr 2022 in Wilhelmsburg geplanten 350 neuen Wohnheimplätze können den Bedarf aus seiner Sicht nicht decken. "Dafür kann sich Rot-Grün gerade vor dem Hintergrund steigender Mietpreise in Hamburg nicht abfeiern lassen", sagte Ovens. "Das ist vielmehr ein Armutszeugnis für die rot-grüne Hochschulpolitik."

Angesichts steigender Azubi- und Studentenzahlen und der insgesamt schlechten Versorgungslage wirke das Vorhaben wie ein Tropfen auf den heißen Stein. "Allein um auf den bundesweiten Durchschnitt der Versorgung mit Wohnheimplätzen in Höhe von rund zehn Prozent zu kommen, bräuchte Hamburg schon heute etwa 1800 zusätzliche Studentenwohnheimplätze", so der CDU-Politiker.