Architektur

City-Hochhäuser werden abgerissen: Kritik der Opposition

Seit Jahren gibt es Diskussionen um die Zukunft der Hamburger City-Hochhäuser. Jetzt werden die aus den 1950er-Jahren stammenden Gebäude abgerissen - obwohl sie unter Denkmalschutz stehen.

Hamburg. Trotz massiver Kritik werden die unter Denkmalschutz stehenden City-Hochhäuser neben dem Hamburger Weltkulturerbe Kontorhausviertel abgerissen. Die Behörde für Stadtentwicklung hat den Abbruch der Gebäude aus den 1950er Jahren genehmigt, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Zuvor hatte Icomos International, das Beratungsgremium der Unesco, seinen abschließenden Bericht über die Beratungsmission aus dem August 2018 übermittelt. Demnach bedauert Icomos (Internationaler Rat für Denkmalpflege) zwar einen möglichen Abriss des Ensembles im Sinne des Denkmalschutzes, stellt jedoch keine Gefährdung des Welterbestatus fest.

"Unter Abwägung aller öffentlichen und privaten Belange ist der Senat zu dem Ergebnis gekommen, den Abbruch des City-Hofes zu genehmigen und so eine Neubebauung des Areals zu ermöglichen", sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). Die Entscheidung werde zu einer städtebaulichen Weiterentwicklung mit einem erheblichen Anteil an neuen Wohnungen und zu einer weiteren Belebung der Innenstadt führen.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) betonte, der Senat habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. "Es wird weiter unsere Aufgabe sein, mit hoher Sensibilität die kommenden Entwicklungen zu begleiten", sagte Brosda. "Hierbei werden wir auch die von Icomos im Bericht vorgeschlagenen Maßnahmen berücksichtigen und weiter in engem Austausch mit der Unesco und Icomos bleiben."

Monatelang hatte sich die Entscheidung hingezogen. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob ein Abriss des City-Hofes den Welterbestatus von Speicherstadt und Kontorhausviertel gefährdet. Dafür war extra eine Expertenkommission von Icomos international, dem Beratergremium der Unesco, im August nach Hamburg gekommen. Die Hochhäuser aus den 1950er Jahren sollen durch einen Neubau mit rötlicher Backstein-Fassade ersetzt werden. Dagegen gibt es seit längerem Protest von Architekten und Denkmalschützern.

"Mit der Abrissgenehmigung will der Senat Fakten schaffen, bevor der Wahlkampf beginnt", sagte Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein Hamburg. Bis jetzt habe die Unesco jedoch nur erklärt, dass ein Abriss des City-Hofs keine Gefährdung des Welterbestatus darstellt. "Sie hat aber nicht der geplanten Neubebauung zugestimmt, die nachgewiesenermaßen wichtige Sichtachsen und Durchblicke zum Welterbe verbauen würde", kritisierte Sassenscheidt. Mit einem vorzeitigen Abbruch riskiere der Senat daher bewusst eine jahrelange Baulücke mitten in der Stadt und gefährde den Welterbestatus.

Auch die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft kritisierte die Entscheidung scharf. "Die überstürzte Entscheidung des SPD-Grünen Senats zum Abriss der City-Höfe ist ein Trauerspiel für den Denkmalschutz und die politische Kultur in Hamburg", sagte Dietrich Wersich, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Für Heike Sudmann von den Linken bleibe der Senat seiner Linie treu, den City-Hof um jeden Preis abzureißen. Der Denkmalschutz werde mit Füßen getreten. Nach Ansicht der FDP setzt sich der Senat mit seiner Entscheidung über große Bedenken aus der gesamten Fachwelt hinweg.

Trotz dieser Kritik haben am Mittwoch die vorbereitenden Maßnahmen begonnen. Im Mai sollen die Abbrucharbeiten starten, die etwa ein Jahr dauern. Nach dem aktuellen Zeitplan soll im Herbst 2020 die Grundsteinlegung erfolgen. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant.