Straßenverkehr

Mehr Unfälle mit Kindern und Senioren in Hamburg

Dennis Thering ist Verkehrsexperte der CDU.

Dennis Thering ist Verkehrsexperte der CDU.

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

CDU fordert bessere Prävention und mehr Kontrollen. In Relation zur Bevölkerungszahl ist die Sicherheit allerdings größer geworden.

Hamburg. Diese Unfallsituation ist der Klassiker, so oder so ähnlich spielt es sich in Hamburg jedes Jahr dutzendfach ab: Ein Kind läuft unvermittelt auf die Straße, nicht selten zwischen geparkten Autos hindurch. Ein Autofahrer leitet eine Vollbremsung ein, doch nicht immer gelingt es, eine Kollision zu verhindern. Im schlimmsten Fall kann das tödlich enden.

Die Zahl der Unfälle mit Kindern ist im Vorjahr nominell zwar gestiegen – um 24 Fälle oder 4,2 Prozent auf 591. Auch die Zahl der verunglückten Kinder nahm zu, und zwar von 670 auf 724. 83 Kinder wurden schwer verletzt, ein kleines Mädchen starb, als es im Sommer in einer Flüchtlingsunterkunft von einem Eiswagen überrollt wurde. Dennoch sinkt die Unfallgefahr für Kinder – denn auf 100.000 Hamburger kommen „nur“ 164 verunglückte Kinder – die sogenannte Häufigkeitszahl ist damit so niedrig wie nie zuvor. Das liegt auch daran, dass in der Stadt 30.000 Kinder mehr leben als noch 2012.

Wie es in der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Thering weiter heißt, fällt der Anstieg verunglückter Kinder in den Bezirken Wandsbek (von 150 auf 183 Fälle), Harburg (71 auf 92) und Nord (70 auf 84) besonders deutlich aus. In den Bezirken Wandsbek und Harburg erklärt der Senat diese Zunahme vor allem mit zwei Busunfällen, bei denen alleine 28 Kinder leicht verletzt wurden.

Mehr Verkehrskontrollen gegen Raser geplant

Von den 591 Unfällen haben die Kinder 307 selbst verursacht, so der Senat. Hauptverursacher waren im Vorjahr Radfahrer (239 Fälle), gefolgt von Autofahrern (223) und Fußgängern (92). Allerdings dürften in dieser Statistik zu einem erheblichen Teil auch Rad fahrende Kinder auftauchen, die die Unfälle selbst verursacht haben. Zudem waren wegen des Supersommers im Vorjahr deutlich mehr Radler in der Stadt unterwegs. Am häufigsten verwickelt waren sie in Unfälle als Beifahrer. Als häufigste Unfallursache bei Kinderunfällen nennt der Senat die „Fahrbahnüberquerung durch Fußgänger“, damit gemeint ist etwa das unachtsame Laufen auf die Straße.

Thering sieht Handlungsbedarf: „Wir wollen die Verkehrslehrerstellen bei der Polizei deutlich erhöhen und außerdem, dass bei allen Straßenbaumaßnahmen vorgeschaltete Sicherheitsaudits durchgeführt werden.“ Die Zahl der Verkehrskontrollen gegen Raser und Rotlichtsünder solle erhöht werden. „Gleichzeitig wollen wir in allen sieben Bezirken ein Bündnis für sichere Schulwege ins Leben rufen“, sagt der CDU-Verkehrsexperte.

Zahl der tödlichen Unfälle bei Senioren gestiegen

Wie aus der Senatsantwort ebenfalls hervorgeht, ist die Zahl der Unfälle mit jungen Erwachsenen um vier Prozent auf 10.725 gesunken. In fast 60 Prozent (6296) der Fälle waren sie die Hauptverursacher, in die mit Abstand meisten Unfälle waren Autos involviert. Positiv: Die Zahl der durch überhöhte Geschwindigkeit verursachten Unfälle – ein klassisches Fehlverhalten in dieser Altersgruppe – ist um 30 Prozent gesunken.

Leicht um 1,1 Prozent zugenommen hat hingegen die Zahl der Unfälle mit Senioren ab 65 Jahren, sie stieg auf 12.342. Über verpflichtende Fahrtests für Senioren ab 75 Jahren, die als besonders gefährdet gelten, wird aktuell diskutiert. Am deutlichsten, um 15,8 Prozent, gingen die Unfallzahlen im Bezirk Harburg hoch, während sie im Bezirk Nord um drei Prozent sanken. Insgesamt waren Senioren in mehr als 60 Prozent der Unfälle die Hauptverursacher. 1010 verunglückten bei Unfällen im Vorjahr (2017: 984). 148, zwölf weniger als 2017, wurden schwer verletzt. Allerdings stieg die Zahl der getöteten älteren Menschen von zehn auf 13. Die mit Abstand häufigste Unfallursache laut Senat: Fehler beim Wenden und Rückwärtsfahren. Die bisher mäßig besuchten Präventionsveranstaltungen für Senioren will die Polizei künftig mit „Kaffee und Kuchen“ attraktiver machen.