Handel

Wird der Internet-Handel zum Grundversorger?

Das Symbol eines Einkaufskorbs leuchtet auf einer Computertastatur).

Das Symbol eines Einkaufskorbs leuchtet auf einer Computertastatur).

Foto: dpa

Nach mehreren Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten macht der Internet-Handel rund ein Siebtel des deutschen Einzelhandels aus. Die Branche sieht sich auf dem Weg zum Grundversorger - trotz einiger Probleme.

Hamburg. Klamotten, Elektro- und Computerartikel bleiben der Renner, Uhren und Schmuck, Tierbedarf und Blumen sind im Kommen - der Handel über das Internet hat 2018 wieder kräftig zugelegt. Mit einem Wachstum von 11,4 Prozent wurde das durchschnittliche Wachstum der drei Vorjahre noch übertroffen, teilte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) am Dienstag in Hamburg mit.

Insgesamt bestellten die Verbraucher in Deutschland für 65,1 Milliarden Euro Waren im Internet. Mit Dienstleistungen sowie klassischem Versandhandel lag das Umsatzvolumen bei 85,5 Milliarden Euro. Damit entfallen rund 14 Prozent des deutschen Einzelhandels auf den Versandhandel, so viel wie noch nie.

Im kommenden Jahr erwartet der Verband abermals ein zweistelliges Wachstum und damit einen Online-Umsatz von rund 72 Milliarden Euro mit Waren. "Die Digitalisierung bedeutet für den Verbraucher mehr Transparenz, mehr Auswahl und eine größere Einkaufsmacht", sagte Verbandspräsident Gero Furchheim. Der stationäre Einzelhandel nutze zum Teil seine Chancen, ebenfalls über das Internet zu verkaufen. Die Einzelhändler müssten aber neue Geschäftsmodelle entwickeln. "Der Konkurrenzdruck in der Branche war schon immer hoch", sage Furchheim. "Veränderungsbereitschaft ist die Voraussetzung für den Erfolg."

Die Sparte mit dem höchsten Zuwachs war im vergangenen Jahr der Handel mit Lebensmitteln, der um 20,3 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro zulegte. Das ist immer noch ein geringer Anteil von ein bis zwei Prozent am Gesamtumsatz des Lebensmittel-Einzelhandels hierzulande. Doch der Verband rechnet mit einer Verdreifachung in den nächsten Jahren. "Der Internet-Handel wird zu einem Teil der Grundversorgung", sagte Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer.

Der Flaschenhals für die weitere Entwicklung sei die innerstädtische Logistik und die Zustellung auf der "letzten Meile". Das dauerhafte und stetige Wachstum der Branche sei auch der Leistung der Logistikzentren und Zustellfirmen und ihrer Mitarbeiter zu verdanken.

Die Branche setzt sich verstärkt mit Kritik am zunehmenden Internet-Handel auseinander und will Themen wie Umwelt, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung bearbeiten. So sei es nicht zutreffend, dass die Arbeitnehmer im Online-Handel, der überwiegend nicht tarifgebunden sei, weniger verdienten als im übrigen Einzelhandel.

"Es sind zum Teil andere Berufe, wir haben keine Verkäufer und Kassierer", sagte Wenk-Fischer. Vergleichbare Tätigkeiten würden jedoch ähnlich bezahlt, teils gar besser. "Der Arbeitsmarkt wandelt sich gerade zu einem Arbeitnehmer-Markt." Die Unternehmen des elektronischen Handels beschäftigen rund 182 000 Mitarbeiter; das sind deutlich weniger, als es ihrem Umsatzanteil am Einzelhandel entspricht.

Für die Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Zusteller sei nicht der Handel verantwortlich, sondern die Paketdienste, sagte Furchheim. Die Kosten für die Zustellung, die Gebühren je Paket, seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Was davon bei den Zustellern ankomme, liege nicht in der Hand der Händler. Bei allen Überlegungen, wie künftig die Waren ausgeliefert werden, ob über Sammelpunkte, Paketkästen in den Wohnhäusern oder autonom fahrenden Fahrzeugen: "Es bleibt ein zentrales Versprechen unseres Geschäftsmodells, dass die bestellte Ware dem Kunden nach Hause geliefert wird."