Hamburg

Vier tote Obdachlose – Sozialbehörde gerät unter Druck

Obdachlose vor einem leerstehenden Laden an der Hoheluftchaussee (Archivbild).

Obdachlose vor einem leerstehenden Laden an der Hoheluftchaussee (Archivbild).

Foto: Michael Arning

Auch SPD und Grüne im Bezirk treten nach dramatischen Fällen für besseren Schutz vor nächtlicher Kälte ein. Hilft ein Sonderbus?

Hamburg. Vier Obdachlose sind seit Herbstbeginn bereits auf Hamburgs Straßen verstorben – nun kommt auch aus den Reihen der Regierungsparteien Druck auf den Senat, weitere Maßnahmen zum Schutz vor der Kälte zu ergreifen. Die Bezirksversammlung Eimsbüttel hat einen gemeinsamen Antrag von SPD, Grünen und Linken beschlossen, nach dem unter anderem die Einrichtung eines sogenannten Kältebusses nach Berliner Vorbild geprüft werden soll.

Ein solches mobiles Fahrzeug soll „von Bürgern und Bürgerinnen angerufen werden können, wenn sie nachts draußen in der Kälte Obdachlose sehen, die Hilfe brauchen“, heißt es in dem Antrag. „Seine Aufgabe soll sein, die Menschen entweder in eine Unterkunft zu bringen oder Überlebenshilfe vor Ort zu leisten“. Die federführende SPD-Bezirksabgeordnete Sabine Jansen sagte, aus ihrer Sicht seien damit in anderen Städten gute Erfahrungen gemacht worden. „Es ist geboten, dass dies ausgewertet und anschließend entschieden wird, ob ein solcher Kältebus auch in Hamburg sinnvoll ist.“

Das Straßenmagazin Hinz&Kunzt, das vehement für einen Kältebus und weitere Maßnahmen eintritt, hatte zuerst über den Antrag in der Bezirksversammlung berichtet. „Dass vier Menschen in Hamburg auf der Straße sterben, ist ein Alarmzeichen, das die Stadt nicht weiter ignorieren darf", sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Er führt den Tod der Menschen auf die Kälte zurück.

Winternotprogramm künftig länger geöffnet?

SPD und Grüne in Eimsbüttel regen außerdem an, die Öffnungszeiten des Winternotprogramms für Obdachlose möglicherweise auszuweiten und sich dabei stärker an den Witterungsbedingungen zu orientieren. Dies hatte neben Hinz&Kunzt auch die Diakonie zuletzt gefordert – in ihrer derzeitigen Form seien die Schutzeinrichtungen „zu abschreckend“ für Obdachlose. Viele Menschen schliefen in kalten Nächten auf der Straße, statt die Standorte des Winternotprogrammes an der Friesenstraße und der Kollaustraße aufzusuchen.

Die Sozialbehörde wies die Forderungen nach durchgehend geöffneten Schutzräumen zurück. „Eine Tagesöffnung des Erfrierungsschutzes gibt es nirgendwo in Deutschland. Das Winternotprogramm ist eine nächtliche Ergänzung zu den Tagesaufenthaltsstätten.“

Todesursachen noch teilweise ungeklärt

Die leblosen Körper der vier verstorbenen Obdachlosen in diesem Jahr wurden alle innerhalb von nur einem Monat entdeckt. So habe die Stadtreinigung Hamburg am 28. November eine Leiche im Fußgängerdurchgang unter der Lombardsbrücke gefunden. Ende Oktober war eine 43 Jahre alte Frau tot auf einer Parkbank im Stadtteil Niendorf gefunden worden. Eine 64-Jährige war Mitte November tot am Michel und ein 47 Jahre alter Mann Anfang November tot auf einem Fabrikgelände in Harburg entdeckt worden.

Offiziell bestätigt hat die Hamburger Staatsanwaltschaft die Zahl der Kältetoten noch nicht. Bislang steht lediglich fest, dass die Frau aus Niendorf an Unterkühlung gestorben ist. Bei dem Mann, der auf dem Fabrikgelände in Harburg gefunden wurde, haben unbekannte innere Ursachen zum Tod geführt. Eine großer Anteil der etwa 2000 Obdachlosen in Hamburg ist unabhängig von der Kälte gesundheitlich angeschlagen, etwa in Folge von jahrelangem und exzessivem Alkoholkonsum.