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Hugos Erben: Fruchtig und leichte Sommerdrinks

Leicht und fruchtig: ein Cocktail mit Kirschen

Leicht und fruchtig: ein Cocktail mit Kirschen

Foto: Getty Images

Die Geschichte der Sommerdrinks ist so abwechslungsreich, wie es Geschichten der Moden gern sind. Im Trend liegt Wermut.

Hamburg. Vor einigen Jahren im Sommer war er plötzlich da: leuchtend orange, Eiswürfel, Orangenscheiben, lecker. Aperol Spritz wurde nach und nach zum Sommerdrink, der perfekt zu Sonne, Feierabend, lauem Lüftchen und ausgelassener Stimmung – kurzum als Sundowner – passte. Sommerdrinks waren keine neue Erfindung, und doch haben sie neue Aufmerksamkeit bekommen. Auch 2018 zeichnet sich ein Trend ab.

Die Geschichte der Sommerdrinks ist so abwechslungsreich, wie es Geschichten der Moden gern sind. Vom Caipirinha bis zum Swimmingpool, dem legendären Sommercocktail des Münchener Barkeepers Charles Schumann – die Hauptzutaten waren Blue Curaçao, Sahne, Kokosnusscreme –, konnte es in den 80er- und 90er-Jahren nicht süß genug sein. „Alkohol wurde versteckt und übertüncht, alles sollte süß und zuckrig schmecken“, sagt Peter Eichhorn, Autor vieler Bücher über die Genuss- und Trinkkultur. „Dennoch waren diese Drinks vor ­allem eins: hochprozentig.“

Neuer Trend

Das hat sich zur Jahrtausendwende geändert. Auch, weil aus unserem kulinarischen Lieblingsland ein neuer Trend herüberschwappte: die italienische Apérokultur, das gemeinschaftlich getrunkene Glas zwischen Arbeit und Abend. Leicht, frisch – in den Aromen wie im Alkoholgehalt – sollte es nun sein. Und so erreichte der Aperol Spritz die Deutschen: ein Mix aus Weißwein, Mineralwasser, der norditalienischen Spirituose Aperol, Eiswürfeln.

Und so wird’s gemacht

Bis der Südtiroler Barkeeper Roland Gruber 2005 einen selbst angesetzten Sirup von der Zitronenmelisse, einigen Blättern Minze und einen Spritzer Soda mit eisgekühltem Prosecco aufgießen und damit dem Aperol Spritz eine nochmals sommerlichere Variante zur Seite stellen sollte: Der von Gruber erfundene „Hugo“ wurde zum In-Getränk, wobei statt der Zitronenmelisse bald Holunderblütensirup ins Glas kam.

Mit Zitrone oder Orange Wein aufpeppen

Doch einen Nachfolger von Aperol Spritz und Hugo mit einem ähnlich durchschlagenden Erfolg ist bislang nicht in Sicht. Einer schickt sich allerdings an, zum Getränk des fulminanten Sommers 2018 zu werden: Wermut. Für Weinblogger und Gastro-Berater Toni Askitis ist das eine gute Nachricht. Warum der mit Gewürzen und Kräutern – vor allem Wermutkraut – aromatisierte Wein so gut in den Sommer passt? „Volles Aroma mit einem relativ niedrigen Alkoholgehalt. Das trifft den Geschmack der Zeit.“ Ein Spritzer Zitronensaft und etwas Abrieb von der Orangenschale, mehr braucht es nicht für einen coolen und kühlenden Aperitif.

Wer selbst experimentieren mag und keinen großen Aufwand möchte: Lillet, ein mit Fruchtlikör gemischter Wein, wird mit gefrorenen Beeren und Sprudelwasser zum erfrischenden Sommerdrink. In lieblichem Weißwein bringen Zitronen- und Orangenscheiben einen leicht säuerlichen beziehungsweise fruchtigen Geschmack. Abgesehen davon, dass sie dekorativ im Glas aussehen. Zesten der Schale einer Bio-Zitrone oder Bio-Orange verleihen dem Wein einen leicht bitteren Kick. Ebenso kann man in ein Glas Sekt oder Prosecco Litschis oder Granatapfelkerne geben. Macht nicht nur optisch viel her – denn fruchtig, bunt, prickelnd passt auch noch perfekt zum Sommer 2018.

Cocktails am Stiel

Andreas Clauß vom Weingut Sonnenburg in Bad Sulza lädt indes dazu ein, sich entdeckungsdurstig auch dem reinen Wein zu widmen: „Ich empfehle im Sommer Weißweine oder einen Rosé mit weniger Volumenalkohol, etwas Halbtrockenes oder Liebliches, das mit seiner Restsüße Spaß macht.“ Er serviert die Weine kühl, aber nicht kalt: „So erfrischend es auf den ersten Schluck sein mag, bei Temperaturen weit unter zehn Grad verschließen sich die Aromen.“