Hitzewelle

Kunden horten Leergut: In Hamburg werden Flaschen knapp

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Bob Geisler
Eine Frau trinkt in der Sonne Mineralwasser. Nicht das Wasser, aber die Flaschen werden nun knapp

Eine Frau trinkt in der Sonne Mineralwasser. Nicht das Wasser, aber die Flaschen werden nun knapp

Foto: Imago / Becker&Bredel

Hamburger Getränkehersteller arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Weil Kunden Leergut nicht zurückgeben, gibt es Versorgungsengpässe.

Hamburg/Norderstedt. Die anhaltende Hitzewelle setzt mittlerweile auch den Mineralbrunnen und Brauerei im Norden zu. "Wasser gibt es genug, aber die Flaschen werden knapp", sagt die Geschäftsführerin und Inhaberin der Magnus Quelle in Norderstedt, Gaby Gaßmann, dem Abendblatt. "Wenn wir genug Leergut hätten, könnten wir bis zum Doppelten der jetzigen Menge verkaufen." Jede Flasche, die zurückkomme, werde praktisch sofort wieder befüllt. Neues Glas sei am Markt aufgrund der hohen Nachfrage kaum noch zu bekommen.

Nach den Angaben Gaßmanns hat sich das Familienunternehmen eigentlich gut auf die Sommermonate eingestellt und ausreichende Mengen seiner speziellen Flaschen geordert. "Doch mit einer solch lange anhaltenden Hitzeperiode konnte niemand rechnen." Das Problem bestehe vor allem darin, dass durch die erste Hitzewelle im Mai kaum Lagerbestände aufgebaut werden konnten.

Kunden kaufen auf Vorrat

Die Kette Getränke-Hoffmann, die in Hamburg und Schleswig-Holstein mit diversen Filialen vertreten ist, berichtet bereits von Versorgungsengpässen bei verschiedenen Getränken. Die Dauerhitze und auch Ereignisse wie die Fußball-WM hätten den Absatz bei Wasser, Bier und Softdrinks seit langem in die Höhe getrieben, sagt Sprecher Bojan Nikolic. „Das geht quer durch das Sortiment.“ Dies führe einige Produzenten an Kapazitätsgrenzen. Mehrwegflaschen fehlten, weil viele Kunden auf Vorrat einkauften und das Leergut lange zu Hause behielten.

Bei den Brauereien werden nicht nur Flaschen, sondern auch leere Bierkästen zur Mangelware. Die ungewöhnlich lange Hitzeperiode hätte die Berechnungen der Brauereien über den Haufen geworfen, berichtete etwa Niklas Other, Herausgeber des Branchenmagazins „Inside“ schon vor einigen Tagen. „Es ist eine branchenweite Dramatik in dem Thema“, sagte Other. Einige Brauer könnten bestimmte Sorten bereits nicht mehr abfüllen. Auch der Deutsche Brauer-Bund berichtete von einer in diesem Jahr „besonders ausgeprägten“ Leergutknappheit.

Hilferuf auf Facebook

Mit einem auf „Facebook“ veröffentlichtem Hilferuf hatte vor einigen Tagen die Bochumer Brauerei Fiege für eine möglichst schnelle Rückgabe von leeren Bierkästen geworben. „Obwohl wir regelmäßig neues Leergut nachkaufen, werden in unserer Abfüllung gerade die Flaschen knapp“, hieß es dort. Sorgen bereiten der Branche derzeit leere Kästen, die während der Urlaubszeit ungenutzt in den Kellern stehen. „Erst Pfand, dann (P)ferien“, hieß es in dem Aufruf der Brauerei.

Holsten hat vorgesorgt

Die Hamburger Holsten-Brauerei produziert derzeit rund um die Uhr, um die hohe Nachfrager befriedigen zu können. „Tatsächlich hat alle Getränkehersteller der frühe Sommereinbruch etwas überrascht und auch das konstant warme Wetter ist ungewöhnlich", sagt der Sprecher der Muttergesellschaft Carlsberg, Christoph Boneberg, "Dies hat zur Folge, dass unsere Produkte – gerade Biermixgetränke wie die Astra Kiezmische – stärker nachgefragt werden, als dieses normalerweise im Vergleichszeitraum der Fall ist." Einen Leergutengpass habe man glücklicherweise aber nicht, da man rechtzeitig ausreichend "Neuglas" dazu gekauft habe.

Beim deutlich kleineren Konkurrenten Ratsherrn sind ebenfalls noch ausreichend Flaschen vorhanden. "Wir setzen Standardflaschen bei, das erleichtert die Beschaffung", sagt ein Sprecher. "Wir können der Nachfrage derzeit noch nachkommen."

( mit dpa )

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