Unwetter in Hamburg

Wie man sich gegen Überschwemmungen versichert

Feuerwehrleute pumpem nach einer Überschwemmung in Hamburg das Wasser ab (Archivbild

Feuerwehrleute pumpem nach einer Überschwemmung in Hamburg das Wasser ab (Archivbild

Foto: picture alliance / dpa

Nur jeder fünfte Hamburger bekommt Schäden durch Naturgefahren ersetzt. Dabei nehmen die Verwüstungen durch Unwetter stark zu.

Hamburg.  Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller: Immer häufiger ereignen sich Unwetter wie die am Himmelfahrtstag, die vor allem im Osten von Hamburg sowie in Oststeinbek und Quickborn große Verwüstungen anrichteten. Gewitter treten nur an wenigen Punkten konzentriert auf, regnen aber dort besonders stark ab oder verwüsten den Ort mit Hagel. Doch viele Hauseigentümer sind gegen solche Schäden gar nicht versichert und müssen für die Schäden an Bausubstanz und Hausrat selbst aufkommen.

Denn nur eine Zusatzversicherung, eine sogenannte Elementardeckung, bietet Schutz. Wie teuer sind solche Policen? Ist überhaupt jedes Grundstück versicherbar? Hilft der Staat bei großen Schäden? Das Abendblatt sprach mit Experten und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie sieht die Schadenssituation aus?

Die Schäden sind im bisherigen Jahresverlauf deutlich höher als im Vorjahreszeitraum. Allein bei der Hamburger Feuerkasse, bei der 60 Prozent der Hamburger Grundeigentümer eine Wohngebäudeversicherung haben, belaufen sich die Elementarschäden bis Ende Mai auf 1,45 Millionen Euro. Bisher wurden 250 solcher Überschwemmungsschäden gemeldet. Im Vorjahreszeitraum lag die Schadensumme lediglich bei 40.000 Euro.

Bei der Provinzial Nord haben sich allein die Elementarschäden für Schleswig-Holstein in den ersten fünf Monaten im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht – auf eine Million Euro. „Bei beiden Gesellschaften sehen wir im bisherigen Jahresverlauf einen deutlichen Anstieg der Schadenaufwendungen“, sagt Heiko Wischer, Sprecher der Provinzial, zu der auch die Feuerkasse gehört. Die Provinzial geht von weiter steigenden Schäden im Jahr 2018 aus.

Wie kann ich mich gegen Überschwemmungen versichern?

Eine Wohngebäudeversicherung kommt nur für Schäden durch Feuer, Sturm, Blitzschlag, Hagel und Leitungswasser auf. „Wer sich auch gegen Überschwemmungen absichern möchte, muss seine Wohngebäudeversicherung zusätzlich um eine Elementarschadenversicherung ergänzen“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Außerdem sind auch Schäden abgedeckt, die durch Erdbeben, Erdsenkungen, Erdrutsche, Lawinen, Vulkanausbruch, Rückstau oder Schneedruck am oder im Gebäude entstanden sind.

Sind mit einer solchen Versicherung alle möglichen Schäden abgedeckt?

„Ausgeschlossen vom Versicherungsumfang sind Vorsatz, Sturmflut und Grundwasser, das unterirdisch ins Gebäude eindringt“, sagt Silke Kursawe vom Verbraucherportal Finanztip. „Wenn sich allerdings das Grundwasser mit Oberflächenwasser vermischt und diese Wassermassen dann zusammen den Keller fluten, ist der Schaden im Zweifelsfall versichert.“ Wer zudem seinen Hausrat gegen Überschwemmungsschäden absichern will, benötigt auch für die Hausratversicherung eine zusätzliche Elementardeckung.

Wie viel Prozent der Hamburger haben sich abgesichert?

Mit nur 21 Prozent erreicht Hamburg nach Bremen und Niedersachsen den drittniedrigsten Wert bundesweit, wie aus einer Übersicht des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft hervorgeht. Bei den Kunden der Hamburger Feuerkasse liegt der Wert sogar nur bei 13 Prozent. Bundesweit sind 41 Prozent der Gebäudeeigentümer gegen Elementarschäden versichert.

Die niedrige Absicherung in Hamburg rächt sich jetzt. „Wir haben häufiger Schadenmeldungen zu Verträgen ohne Elementardeckung“, sagt Wischer. „Die müssen wir abweisen.“ Im Neugeschäft schließt inzwischen jeder Dritte bei der Hamburger Feuerkasse eine Wohngebäudeversicherung mit Elementardeckung ab.

Kann wirklich jedes Wohngebäude in Hamburg versichert werden?

Ja, sagen die Versicherer. Aber es gibt doch Ausnahmen. „Gebäude mit zwei oder mehr Vorschäden in den letzten fünf Jahren werden nicht versichert“, sagt Wischer. Es kann auch sein, dass die Versicherung den Schutz nur gegen Auflagen gewährt. Dazu gehören Rückstausicherungen, Öltankanlagen müssen womöglich fachmännisch gegen das Aufschwimmen gesichert werden.

Wie viel kostet der Elementarschutz?

Eine solche zusätzliche Versicherung kann immer nur mit einer normalen Wohngebäude- und Hausratversicherung abgeschlossen werden – und zwar nur bei der Gesellschaft, bei der man den Grundschutz hat. Das ist auch nachträglich möglich. Der Preis richtet sich auch danach, in welcher Gefahrenzone (ZÜRS-Zone) sich das Grundstück befindet. Den Aufpreis zu einer normalen Police für ein durchschnittliches Gebäude in der ZÜRS-Zone 1 beziffert Wischer auf rund 100 Euro im Jahr.

Für den Hausrat liegt der Aufpreis nur bei 30 Euro jährlich. Eine Wohn­gebäudeversicherung mit Elementar­deckung für ein Einfamilienhaus in Massivbauweise und 140 Quadratmeter Wohnfläche ist in Standardtarifen ab rund 300 Euro möglich. Die Tarife in der Tabelle enthalten umfangreichere Leistungen und sind deshalb teurer. Eine Elementarschadendeckung enthält in der Regel eine Selbstbeteiligung.

Was muss ich im Schadenfall tun?

Die Versicherung muss unverzüglich über den Unwetterschaden informiert werden, egal, ob durch Sturm oder Überschwemmung. „Dabei kann man das weitere Vorgehen mit der Versicherung absprechen“, sagt Bianca Boss. Es kann sein, dass die Versicherung einen Vertreter zur Begutachtung schickt. Wichtig sind Beweisfotos. „Das schnelle Entfernen des Wassers ist vertretbar, denn der Versicherte hat auch eine Schadensminderungspflicht“, sagt Bianca Boss.

Die beschädigten Gegenstände sollten allerdings nicht sofort abtransportiert werden. Die Versicherten haben im Fall eines Sturmschadens zudem den Nachweis zu erbringen, dass mindestens Windstärke 8 geherrscht hat. Dazu können die Windmessungen der Wetterämter genutzt werden. Auch Presseberichte können als Nachweis dienen.

Wer ersetzt derartige Schäden in Mietwohnungen?

In der Wohnung selbst bietet nur die eigene Hausratversicherung mit einer Elementardeckung Schutz. Auch für überschwemmte Gegenstände im Keller haftet nicht automatisch der Vermieter. „Er kann nur dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ihm ein Verschulden nachgewiesen werden kann“, sagt Siegmund Chychla, Geschäftsführer des Mietervereins zu Hamburg. Das wäre etwa der Fall, wenn keine Rückstauventile vorhanden sind.

„Da aber im Keller immer Durchfeuchtungsschäden auftreten können, muss der Mieter seine Gegenstände erhöht lagern und nicht direkt auf dem Fußboden, sonst trifft ihn eine Mitschuld am Schaden“, sagt Chychla. Wenn der Vermieter durch grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz für einen Schaden im Keller verantwortlich wäre, der Mieter aber seine Sachen nicht erhöht gelagert hat, muss der Vermieter nur für die Hälfte des Schadens aufkommen, so Chychla. Dem Vermieter kann nicht vorgeworfen werden, dass er keine Elementardeckung für das Mietshaus abgeschlossen hat.

Wie ist das eigene Auto bei Überschwemmungen abgesichert?

Die Teilkaskoversicherung bietet Autofahrern Schutz vor Sturm, Hagel und Blitz sowie vor Überschwemmung. Wird das Fahrzeug beispielsweise von einer Flut mitgerissen und komplett zerstört, zahlt der Versicherer den Wiederbeschaffungswert oder bei neueren Autos je nach Vertrag sogar den Neupreis. Mit einer Vollkaskoversicherung haben Autofahrer den Teilkasko-Schutz ebenfalls inklusive. Im Schadensfall muss der Versicherte nur die Selbstbeteiligung in der vereinbarten Höhe übernehmen

Warum kann man nicht auf staatliche Hilfe hoffen?

Auf Staatshilfen lässt sich nicht hoffen: Die Ministerpräsidenten der Länder verständigten sich vergangenes Jahr darauf, im Fall von Überschwemmungen Hilfsgelder nur noch an jene Menschen auszuzahlen, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben oder denen eine Versicherung zu wirtschaftlich unzumutbaren Bedingungen angeboten wurde.

Hamburg ist auch das noch zu viel, die Stadt verweist auf einen leistungs­fähigen Hochwasserschutz.