Kunstraub

Endstation Hamburg: Der Krimi um ein Millionengemälde

So sieht das 2001 in der Schweiz gestohlene Gemälde "Laetizia Raviola" des Malers Ferdinand Hodler aus

So sieht das 2001 in der Schweiz gestohlene Gemälde "Laetizia Raviola" des Malers Ferdinand Hodler aus

Foto: André Zand-Vakili

16 Jahre nach Kunstdiebstahl in der Schweiz bringt ein Hamburger das Bild zur Polizei. Was hinter dem spektakulären Raub steckt.

Hamburg.  Es ist der spektakulärste Kunstraub, den die Hamburger Polizei bisher aufklärte. Vor mehr als 16 Jahren war ein kostbares Gemälde aus einer Galerie in Zürich verschwunden. Wert: zwei Millionen Euro. Jetzt ist das Bild in Hamburg aufgetaucht. Ein Mann, der Streit mit dem unrechtmäßigen Besitzer hatte, gab es bei der Polizei ab. Fachleute bestätigten inzwischen die Echtheit des Kunstwerks.

Jahrelang soll das Gemälde „Letizia Raviola“ des Schweizer Malers Ferdinand Hodler (1853–1918) im Keller eines libanesischen Autohändlers in Hammerbrook gelegen haben. Das Gemälde von 1917 zeigt ein Modell, das Hodler mehrmals porträtierte und das vermutlich auch Muse des Malers war.

Kurz vor Weihnachten 2017 tauchte ein 49-Jähriger an der Polizeiwache in Billstedt auf. Der Landsmann des Autohändlers hatte das Bild unter dem Arm – und übergab es den Beamten mit dem Hinweis, dass es sich um Diebesgut handelt. Das Gemälde wurde sofort sichergestellt und untersucht.

Die Abfrage in einer Datenbank für gestohlene Kunstwerke ergab einen Treffer. Dann untersuchten Fachleute das Bild. Experten der Hamburger Kunsthalle begutachteten das Öl-Gemälde. Sie stufen es als Original ein, das fast genau 16 Jahre zuvor am 6. Dezember 2001 in der Schweiz gestohlen worden war.

Hodlers Bilder kosten bis zu 9,5 Millionen Euro

Auslöser für die ungewöhnliche Rückgabe war ein offenbar schon länger schwelender Streit zwischen den beiden Libanesen in Hamburg gewesen. Der 49-Jährige hatte dem Autohändler, so sagt man, „eins auswischen wollen“. Der hatte, glaubt man dem 49-Jährigen, danach nicht nur ihm, sondern auch dessen Familie gedroht sie wegen der Rückgabe des Bildes umzubringen. Auch später soll es noch Bedrohungen und Übergriffe gegen den 49-Jährigen gegeben haben.

Die Polizei leitete Ermittlungen gegen den 59 Jahre alten Autohändler ein. Dass er das Bild selbst gestohlen hat, ist eher unwahrscheinlich. Die Polizei schloss aber nicht aus, dass er sich der Hehlerei schuldig gemacht haben könnte. Dafür wird sich der Mann voraussichtlich nicht verantworten müssen, denn die Tat gilt als verjährt.

Ferdinand Hodler war einer der berühmtesten Maler der Schweiz. Seine Werke im Symbolismus und Jugendstil zeigen häufig Porträts. In seinen späten Jahren malte er auch expressionistisch anmutende Gemälde von Alpen-Landschaften. 2007 erzielte eines seiner Bilder bei einer Auktion von Sotheby´s einen Erlös von 10,9 Millionen Franken (heute rund 9,5 Millionen Euro). Es ist der höchste Preis, den ein Gemälde eines Schweizer Künstlers jemals erzielte. 2006 wurde ein weiteres Bild des Malers aus einer Privatsammlung im Raum Zürich gestohlen. Auch in dem Fall war die Tat erst ein Jahr später öffentlich geworden, weil es ursprünglich für eine bevorstehende Hodler-Ausstellung im Kunstmuseum Bern vorgesehen war.

"Lange Nacht der Langfinger“

In Hamburg bearbeiten Polizisten der sogenannten „Arbeitsrate Kunst“ derartige Fälle. Die beiden Beamten sind bei der ehemaligen Soko „Castle“ angesiedelt, die jetzt LKA 19 heißt und auf solche Fälle spezialisiert ist.

Spektakuläre Fälle von Kunstdiebstahl gab es bei der Hamburger Polizei immer wieder. Im Jahr 2002 wurde in der Hamburger Kunsthalle die „Lange Nacht der Museen“ zur „Langen Nacht der Langfinger“. Unbekannte hatten eine Skulptur des Schweizer Malers, Zeichners und Bildhauers Alberto Giacometti gestohlen. Die Diebe hatten einfach die ungesicherte Plexiglashaube, die die Figur schütze, angehoben und die Bronzeskulptur durch eine zum Verwechseln ähnliche Holzschnitzerei, die aus Mallorca stammte, ersetzt. Der Diebstahl fiel erst drei Tage später auf.

2005 stellte die Polizei in Harvestehude mehrere wertvolle Kunstwerke sicher, darunter ein van-Dyck-Gemälde. Es gehörte zu sechs Bildern, deren Gesamtwert damals auf 350.000 Euro geschätzt wurde. Alle Gemälde waren fünf Jahre vorher bei einem Einbruch erbeutet worden. Als Täter wurden zwei Männer aus Serbien ermittelt, die in Hamburg wohnten.

Störtebeker-Schädel 2010 geklaut

Spektakulär war auch der Diebstahl des Störtebeker-Schädels aus dem Museum für Hamburgische Geschichte. Ein 36-Jähriger nahm 2010 aus einer Laune heraus das 600 Jahre alte Relikt, das 1878 von Arbeitern auf dem Grasbrook gefunden worden war, aus einer ebenfalls nur schlecht gesicherten Vitrine. Ein Jahr später tauchte der Schädel wieder auf. Der Dieb kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Das jetzt sichergestellte Bild des Schweizer Malers wird bald an die Eigentümerin zurückgegeben. Das ist nicht mehr die Galerie in Zürich, sondern eine Versicherung, die den Schaden damals bezahlte und dadurch die Eigentumsrechte erwarb.