Christopher Street Day

300.000 Schwule, Lesben und Queerer wollen feiern

Ende Juli will "Hamburg Pride" beim Christopher Street Day mit Aufklärung und Feierlaune für sexuelle Selbstbestimmung werben.

Hamburg.  Unter dem Motto „Freie Bahn für Genderwahn!“ startet am 28. Juli mit der "Pride Night"-Feier der 38. Christopher Street Day (CSD) in Hamburg. Höhepunkt ist die politische Demonstration durch die Hamburger Innenstadt am 4. August. Insgesamt erwartet der Veranstalter "Hamburg Pride e.V." mehr als 300.000 Besucherinnen und Besucher. Schirmperson des CSD 2018 ist Lucie Veith, Vorsitzende des Vereins Intersexuelle Menschen e.V.

„Wir nutzen den diffamierenden Kampfbegriff ‚Genderwahn‘, um dessen abwertende Zuschreibung positiv zu wenden", sagte Stefan Mielchen, Erster Vorsitzender von Hamburg Pride e.V. "Das CSD-Motto ist eine bewusst provozierende Einladung zur Debatte: Wir wollen es weder politischen Ideologen noch religiösen Eiferern überlassen, mit pathologisierenden Begriffen die Agenda zu bestimmen und jeglichen Versuch zu unterbinden, über die bestehende Ordnung von Mann und Frau hinauszudenken. Jeder Mensch ist anders. Niemand darf wegen seines Geschlechts diskriminiert werden."

Gefeiert wird auch das Verfassungsgericht

Niemand, so Mielchen, habe das Recht, über die geschlechtliche Identität eines anderen Menschen zu bestimmen. Das wegweisende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Einführung eines dritten Geschlechts der "Queerer" habe deutlich gemacht, wieviel Aufklärungsbedarf noch immer bestehe und wie wichtig eine offene und vorurteilsfreie Diskussion sei. Hierzu möchte der Hamburg Pride 2018 seinen Beitrag leisten.

Der CSD kommt als großes Fest daher und soll in Feierlaune bringen. Neben den Herzen will er aber auch den Verstand erreichen, um die Hintergründe der Veranstaltung verständlich zu machen, einsickern zu lassen und den Willen zur Toleranz zu stärken.

Die Pride Night ist die offizielle CSD-Eröffnung mit Show und anschließender Party im Klubhaus St. Pauli. Der Abend mixt Comedy, Musik und Talks, moderiert von Billa Christe und Markus Tirok. Ein Höhepunkt des Abends ist die Verleihung des Pride Award. CSD-Schirmperson Lucie Veith und Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank sind unter den Gästen im Schmidtchen auf der Reeperbahn.

Das Programm verspricht spannende internationale Acts wie Singer-Songwriter Christopher Haul, Kabarettist Malte Anders („Homologie“ & „Rent a gay“) und Lynx aus Kanada. Zusätzlich stehen Autorin Stephanie Kuhnen („Lesben raus“) und der Genderexperte Muriel Aichberger als Talkgäste Rede und Antwort. Anschließend kann im Klubhaus bei der Eröffnungsparty gefeiert werden.

Selbstbestimmung und vier Forderungen

Matthias Laiß, Sprecher von Hamburg Pride: „Unser Motto für 2018 ist auch eine Antwort auf die häufig gestellte Frage ‚Was wollt ihr denn noch?‘ Sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung sowie die Akzeptanz von Vielfalt sind keine Luxusprobleme einer ‚schrillen Minderheit‘." Er zitierte Lucie Veith mit den Worten: "Jeder Mensch wird mit einem Geschlecht geboren: seinem eigenen.“

Die politischen Forderungen des Hamburg Pride e.V. sind:

  • die Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes um die Merkmale „sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität“. Das meint die zügige und an den Wünschen queerer Menschen orientierte Einführung eines ‚dritten Geschlechts‘ im Personenstandsrecht unter enger Einbeziehung der bestehenden Fachverbände und auf der Basis des entsprechenden Urteils des Bundesverfassungsgerichtes.
  • eine Reform des Transsexuellengesetzes unter enger Einbeziehung der bestehenden Fachverbände sowie umfassende Maßnahmen, um deren Lebensbedingungen zu verbessern.
  • ein Verbot von geschlechtsangleichenden Eingriffen bei intersexuellen Menschen ohne vorherige ausdrückliche und informierte Zustimmung der betroffenen Personen.
  • ein gendersensibler Umgang mit Sprache, welcher die geschlechtliche Vielfalt von Menschen berücksichtigt und sichtbar macht.