Flughafen Hamburg

Wirbelschleppen: Wer haftet, wenn jemand verletzt wird?

Der aus Dubai kommende Airbus machte soviel Wind, dass es die Ziegel vom Dach wehte.

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Abgedeckte Dächer am Flughafen Hamburg: Schon drei Wirbelschleppschäden hat es dieses Jahr gegeben. Die wichtigsten Fragen.

Hamburg. Nur die wenigsten Hamburger waren bislang mit dem Begriff Wirbelschleppe vertraut. Aber seitdem innerhalb weniger Tage gleich zweimal landende Flugzeuge Hamburger Hausdächer beschädigt haben, gibt es rund um den Airport kaum ein anderes Thema als die Landungen der Boeing 777 von Emirates. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wer kommt für die Sachschäden auf?

Am Ende muss der Verursacher die Zeche zahlen, also die jeweilige Fluggesellschaft. Der Hamburger Flughafen tritt aber zunächst in Vorleistung. „Wir schicken sofort Dachdecker raus“, sagt Flughafen-Sprecherin Janet Niemeyer. „Schon allein deshalb, weil Folgeschäden vermieden werden sollen.“ Der Flughafen versucht dann, die verantwortliche Airline zu ermitteln – und holt sich dort das Geld zurück. Bei den beiden aktuellen Fällen prüft der Airport noch, wer die Schuldigen sind.

Was geschieht, falls Menschen durch herabfallende Ziegel verletzt werden?

Auch dann muss die Verursacher-Airline zahlen. Allerdings sind Personenschäden durch Wirbelschleppen in Hamburg bisher nicht bekannt. Im vergangenen Jahr hat es laut Flughafen-Sprecherin drei Fälle von gelockerten Ziegeln gegeben. In diesem Jahr wurden bislang die beiden bekannten Fälle gemeldet, hinzu kommt ein weiterer Fall (gelockerte Ziegel). „Bei 160.000 Flugbewegungen im Jahr ist das eine sehr geringe Anzahl“, sagt Janet Niemeyer.

Wie kann man sein Dach sichern?

Wer im Nachbereich des Flughafens wohnt, kann sich in dieser Frage von Experten des Airports beraten lassen. Es ist zum Beispiel möglich, Schneefallgitter an der Dachtraufe zu montieren. Die verhindern zwar nicht, dass sich Dachziegel lockern oder herabfallen. Aber sie bleiben im Gitter hängen, können also weder Menschen verletzen noch Autos beschädigen.

Wie entstehen Wirbelschleppen?

Die Luftverwirbelungen sind die unvermeidliche Folge des Auftriebs, der es erst ermöglicht, dass Flugzeuge fliegen. Je schwerer die Maschine, desto stärker sind die Verwirbelung. Bei Starts und Landungen führen die ausgefahrenen Auftriebshilfen zudem zu einer Verstärkung des Effekts. Die Wirbel können schwere Schäden an Dächern, Dachfenstern oder Solarmodulen verursachen. Sie sind auch für nachfolgende Flugzeuge gefährlich. Unter anderem deshalb müssen bei Starts und Landungen gewisse Abstände zwischen den einzelnen Maschinen eingehalten werden. Da die Boeing 757 konstruktionsbedingt besonders starke Wirbelschleppen erzeugt, gilt für Maschinen dieses Typs eine besondere Abstandsregelung.

Welche Wetterlagen begünstigen das Auftreten von Wirbelschleppschäden?

Windstille erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirbel den Boden erreichen. Auch das Fehlen von Luftschich­tungen (kalt/warm) erleichtert das Herabsinken.

Welche Flughöhe darf in Alsterdorf nicht unterschritten werden?

Das hängt von der Entfernung zum Flughafen ab. Die Piloten fliegen ihn in einem vorgeschriebenen Landegleitpfad an. Der hat eine Neigung von drei Grad. In den aktuellen Fällen ist davon nicht abgewichen worden.

Wie gehen andere Flughäfen mit dem Problem um?

Durchaus unterschiedlich. Für Anwohner des Flughafens Tegel in Berlin gibt es eine ähnliche Regelung wie in Hamburg. Dort kommt es im Schnitt drei- bis fünfmal jährlich zu Wirbelschleppschäden. Die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen bei Anwohnern wird als sehr gering angesehen. Der wesentlich größere Frankfurter Flughafen hilft zumindest den Anwohnern im Nahbereich der 2011 eröffneten neuen Nordwest-Startbahn. Ihnen werden sogenannte Dachklammerungen bezahlt. Gut 2200 von 6000 Dächern in Flörsheim und weiteren Nachbarorten sind mittlerweile auf diese Weise gesichert worden.