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NSU-Morde: Hamburger fordern Untersuchungsausschuss

2014: Eine Straße wird in Hamburg Bahrenfeld nach dem NSU-Mordopfer Süleyman Tasköprü benannt

2014: Eine Straße wird in Hamburg Bahrenfeld nach dem NSU-Mordopfer Süleyman Tasköprü benannt

Foto: Imago/Lars Berg

Initiative: Angehörige von Süleyman Taşköprü, Politiker und Prominente wollen wissen, ob Neonazis dem NSU geholfen haben.

Hamburg. Hinterbliebene des 2001 in Hamburg mutmaßlich vom "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) ermordeten Süleyman Taşköprü haben die bisherige Aufklärung kritisiert und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) gefordert. Die "Initiative zur Aufklärung des Mordes an Süleyman Taşköprü" erklärte am Montag, im zu Ende gehenden Münchner Prozess gegen Beate Zschäpe und mutmaßliche Helfer des NSU seien zentrale Fragen zum Hamburger Mord nicht aufgeklärt worden.

Unter den Erstunterzeichnern sind den Angaben zufolge Mitglieder der Band "Tocotronic" und der Musiker Rocko Schamoni. Bis heute sei offen, wie und warum Süleyman Taşköprü ausgewählt wurde. Der 31-Jährige wurde den Ermittlungen zufolge am 27. Juni 2001 im Lebensmittelgeschäft seiner Familie in der Altonaer Schützenstraße erschossen, das er erst kurz zuvor übernommen hatte. Die Initiative, zu der Angehörige Taşköprüs und Unterstützer gehören, will unter anderem wissen, ob Hamburger Neonazis womöglich beim Auskundschaften des abgelegenen Tatorts oder dem Mord selbst Hilfe geleistet hätten.

"Hamburg hatte militante Neonazi-Szene"

Hamburg habe um die Jahrtausendwende über eine der militantesten und bundesweit einflussreichsten Neonaziszenen verfügt, sagt die linke Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Schneider. Ein früherer Versuch ihrer Fraktion, einen PUA einzurichten, war gescheitert. Weil die Fragen ihrer Fraktion bisher weitgehend unbeantwortet geblieben seien, sei sie für einen neuen Anlauf jedoch offen.

Osman Taşköprü, der Bruder des Ermordeten, kritisiert vor allem die Ermittlungen der Polizei. Sie habe ein mögliches rassistisches Motiv aktiv ausgeschlossen und stattdessen lange im Umfeld der Familie und in Richtung organisierter Kriminalität ermittelt. "Das wurde ja so dargestellt, dass mein Vater meinen Bruder umgebracht haben soll, solche Sachen sind ja auch aufgetaucht. Wir sind beide extrem lange vernommen worden von der Polizei."

Opfer-Angehörige stellen Fragen an Polizei

Die Fragen seien immer in die gleiche Richtung gegangen: "Milieu, Schutzgeld, PKK, ob mein Bruder Schulden gehabt hätte", sagt Taşköprü. Er will wissen, weshalb die Polizei so handelte. Eine Entschuldigung habe die Familie bis heute nicht erhalten.

In Mecklenburg-Vorpommern soll der Landtag in dieser Woche die Einsetzung eines PUA beschließen, um den mutmaßlichen NSU-Mord an Mehmet Turgut in Rostock zu untersuchen. Hamburg ist dann das einzige Tatortland, in dem es keinen PUA gibt oder gab.

"Hat Hamburg etwas zu verbergen?", fragt die Initiative und hofft, dass durch den Weggang Olaf Scholz' (SPD) noch einmal Bewegung in die Debatte kommen könnte. Ein Sprecher der SPD-Fraktion erklärte auf Nachfrage jedoch, an der ablehnenden Haltung der Regierungsfraktion habe sich nichts geändert.

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