Nienstedten

Neue Tribünen für Springderby in Flottbek

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Jens Meyer-Odewald

Exklusiv: Einigung über Ersatz für marode Zuschauerränge auf gutem Weg. Heute Treffen. Messen und Freiluftkino im Derbypark denkbar

Nienstedten.  Bevor Ross und Reiter beim Deutschen Springderby am 13. Mai große Sprünge machen, sind Veranstalter und Stadt auf gutem Wege, ein bisher unüberwindbares Hindernis beiseitezuräumen: Der traditionsreiche Derbypark in Klein Flottbek soll mit neuen Tribünen in einen zeitgemäßen, international wettbewerbsfähigen Zustand versetzt werden. Das Investitionsvolumen: 13 bis 15 Millionen Euro. Ein Drittel davon würde die öffentliche Hand im Rahmen des vom Senat beschlossenen Grundsatzprogramms „Active City“ übernehmen, wie das Abendblatt exklusiv erfuhr. Motto: Stadtentwicklung durch Sport. Das Gros der Investitionen müsste privat aufgebracht werden. Ein Finanzplan liegt vor.

„Das Bekenntnis der Hansestadt ist klar“, sagte der für Sport zuständige Staatsrat Christoph Holstein dem Abendblatt. „Wir wollen das.“ Grundprinzip: Die wirtschaftliche Last wird auf mehrere Schultern verteilt. Ein Gesprächsgipfel am heutigen Montag in den Räumen des Sportamts am Schopenstehl soll die Weichen stellen. Ein handfestes Ergebnis wird noch nicht erwartet. Neben Holstein und weiteren Behördenvertretern sitzen Reiterverein, Veranstalter und der Eigentümer des Geländes an einem Tisch.

Konkret handelt es sich um den Norddeutschen und Flottbeker Reiterverein (NFR), die Agentur En Garde sowie um Martin Freiherr von Jenisch. Die passenden Entwürfe für eine moderne, nicht allzu teure Lösung liegen vor. Sie stammen vom Ingenieur- und Architekturbüro Tilke in Aachen. Das weltweit tätige Unternehmen schuf nicht nur namhafte Pferdesportarenen, sondern auch die Formel-1-Strecken in Abu Dhabi oder Shanghai.

„Wir befürworten die Neubaupläne sehr“, bestätigte Turnierchef Volker Wulff. „Natürlich müssen wir die Finanzierung genau diskutieren und nach der besten Lösung trachten.“ Der Chef der Agentur En Garde formte das traditionsreiche Pferdefestival im Westen Hamburgs seit dem Jahr 2000 zu einem der Topereignisse unserer Stadt. Der Etat des fünftägigen Ereignisses erreicht diesmal mit 3,35 Millionen Euro eine Bestmarke. 1,1 Millionen Euro sind als Preisgelder ausgelobt. Sie locken die weltbesten Reiter nach Klein Flottbek.

Das Problem: Die Ende der 1950er-Jahre errichteten Tribünen am Rande des Parcours sind marode und einer Veranstaltung von Weltgeltung unwürdig. Auch die Sanitäranlagen in den Katakomben der Haupttribüne spotten jeder Beschreibung. Im Masterplan „Active City“ der Stadt heißt es dazu: „Die Tribüne birgt Sicherheitsrisiken.“ Haupttribüne und Richterturm werden offiziell als „stark sanierungsbedürftig“ eingestuft. Eile ist geboten. Eine Sanierung des „asbestbelasteten Bauwerks“, heißt es in dem Papier, sei ausgeschlossen.

Dieser Zustand ist bekannt. Am vergangenen Dienstag nahm auch Staatsrat Christoph Holstein an einer Begehung des Derbyparks teil. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Bemühungen, einen Neubau voranzutreiben. Letztlich machte das Scheitern der Olympiabewerbung alle Pläne zunichte. Doch noch nie war die Chance einer Umsetzung so gut wie jetzt.

Volker Wulffs Agentur En Garde hat einen Finanzierungsplan vorgelegt. Über Details wird noch zu verhandeln sein; die Eckdaten indes sind klar umrissen. Die bisher 5000 Zuschauer fassende Haupttribüne soll komplett neu gebaut werden – in ähnlichem Stil wie aktuell. Fassungsvermögen zukünftig: 6000 Besucher. Zudem soll es eine neue Teilnehmertribüne und einen neuen Richterturm geben. Dazwischen ist ein mit einem fest installierten Dach überspannter Bereich für Stehplatzgäste vorgesehen.

Je nach Aufwand werden die Kosten zwischen 13 und 15 Millionen Euro betragen. „Die Stadt kann sich vorstellen, mit etwa einem Drittel der Investitionssumme dabei zu sein“, sagte Staatsrat Holstein. Er machte jedoch klar: „Ohne einen erheblichen Anteil nicht staatlicher Finanzierung und Sponsorenleistungen wird das Projekt nicht durchsetzbar sein.“

Übersetzt heißt das: In einem Schulterschluss müssen Reiterverein NFR und Derbyausrichter En Garde fast zehn Millionen Euro aufbringen. Mit einer langfristigen Finanzierung über 25 bis 30 Jahre, meinen die Gesprächs­partner, sollte das kein Problem sein. Möglich ist ein zinsgünstiger Sportförderkredit mit der Stadt als Bürgen. Außerdem soll ein kapitalkräftiger Namenspate für die neue Tribüne oder sogar für den gesamten Derbypark gefunden werden. Erste Gespräche wurden geführt.

Voraussetzung ist ein weiteres Abkommen: Der NFR hat den rund 12.000 Quadratmeter umfassenden Derbypark bis 2023/24 von der Familie von Jenisch gepachtet – plus 15 Jahre Option. Ebenfalls bis 2023/24 besitzt En Garde die Rechte an der Veranstaltung der Spring- und Dressurderbys. Also müssen Vertragsverlängerungen her. Und ein sinnvolles Nutzungskonzept. Neubauten rechnen sich nur, wenn die Anlage mehr als fünf Derbytage im Jahr zur Verfügung steht.

Da lautstarke Konzerte mit großem Verkehrsaufkommen in dem Wohngebiet zwischen Jürgensallee und Baron-Voght-Straße nicht infrage kommen, wird an Messen, Ausstellungen oder Freiluftkino gedacht. Derbychef Wulff hat errechnen lassen, dass die Traditionsveranstaltung der Stadt einen „enormen Marketingwert“ sowie wirtschaftliche Einnahmen in Höhe von etwa acht Millionen Euro pro Jahr bringt.

Ziel aller Verhandlungspartner und der Stadt ist eine Bewerbung Hamburgs für die Europameisterschaft der Springreiter 2021 oder spätestens 2023. Nur mit neuen Tribünen, das steht fest, hat Hamburg eine erstklassige Chance.

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