Wandsbek

Hamburgs Bierkönigin gibt auf und will die Stadt verlassen

Esther Isaak de Schmidt-Bohländer vor ihrem Geschäft in Wandsbek

Esther Isaak de Schmidt-Bohländer vor ihrem Geschäft in Wandsbek

Foto: Bierland

Esther Isaak de Schmidt-Bohländer wollte Deutschlands erste Bierministerin werden. Jetzt wirft sie das Handtuch.

Hamburg. Das Bierfachgeschäft Bierland in der Wandsbeker Seumestraße ist eine Institution. Seit 2005 wird es von der Bierbotschafterin Esther Isaak de Schmidt-Bohländer (Akademie Doemens) geführt. Nun hat sie angekündigt: "Ich gebe das Geschäft zum 30. Juni auf." Schluss nach 13 Jahren.

Dass sie das Handtuch wirft, liegt an wirtschaftlichen Gründen. Die Konkurrenz durch die Supermärkte sei einfach zu groß, sagt die in Paraguay geborene 53 Jahre alte Einzelhändlerin. Mit einem kleinen Geschäft könne sie sich keine großen Vorräte zulegen. "Wenn jemand aber beschließt, spontan am Abend eine Craftbierparty zu machen, muss er in den Supermarkt gehen, weil der kleine Höker den Vorrat aus Platzgründen nicht hat", sagt sie.

Markenartikel Bier

Wie die Geschäftsfrau aus Wandsbek haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Einzelhändler in Hamburg ihre Läden geschlossen. Jeder Endverkäufer könne in Deutschland beim Produzenten kaufen, sagt sie. Wer also Lager und Geld habe, geht zur Brauerei und kauft dort direkt ein. "Der kleine Endverkäufer, der diese Voraussetzungen nicht hat, geht zum Großhandel und kauft dort schon teurer ein", sagt Schmidt-Bohländer. Das sei ein Nachteil. Inzwischen werde überall, außer an öffentlichen Toiletten, Bier angeboten, meint sie. "Bier ist zum Markenartikel geworden."

Dazu kommen höhere Gebühren als im Supermarkt, wenn Kunden mit EC-Karte bezahlen. Außerdem treffe sie immer wieder auf Konsumenten, die bei ihr geringere Preise als im Supermarkt verlangten. Die Bierhändlerin nennt ein Beispiel für besonders anspruchsvolle und preisbewusste Kunden: "Ich habe schon mal aus dem Kofferraum eines Mercedes S-Klasse Bierkisten ausladen müssen, weil der Kunde sich erinnerte, dass es woanders einen Euro günstiger sei."

Sinkender Konsum

Außerdem geht der Bierkonsum in Deutschland zurück. Die deutschen Brauer haben im regenreichen Jahr 2017 weniger Bier verkauft. Rund 94 Millionen Hektoliter waren es nach einer Schätzung des Deutschen Brauer-Bundes. Im Vorjahr lag die Menge noch bei 96 Hektoliter. Gerade ältere Deutsche konsumierten aus gesundheitlichen Gründen weniger Alkohol, sagt die Bier-Expertin.

Dabei hat der Bierkonsum nach Ansicht von Schmidt-Bohländer auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit, wenn das Maß nicht überschritten wird. "Jedes Bier ist isotonisch, es gibt uns Kraft", sagt sie. Und der Hopfen beruhige das Gemüt. Stillende Mütter seien begeistert von alkoholfreien Bieren, weil diese die Milchproduktion anregten, berichtet die Bierbotschafterin. "Und Bier spült die Nieren so gut durch, dass es in Skandinavien auch auf Rezept bei Nierenstein verschrieben wird. Mehr als ein Bier am Tag ist jedoch nicht mehr gesund."

Nach der Schließung ihres Geschäftes in der Wandsbeker Seumestraße im Juni hat sie mit ihrem Mann andere Pläne. Beide wollen nach Ostdeutschland ziehen, in die Prignitz oder nach Thüringen. "Wenn wir uns unsere Zahlen ansehen, ziehen wir es vor, die Segel zu richten, denn den Wind können wir nicht ändern. Wir sind frei und haben die Möglichkeit, uns neu zu erfinden."

Esther Issak de Schmidt-Bohländer hatte im September als Mitglied der Satire-Partei "DIE PARTEI" für den Bundestag kandidiert. Im Falle eines Wahlsiegs wollte sie Deutschlands erste Bierministerin werden.