Hamburg

Regisseurin bis Bürgermeister: Die Menschen des Monats März

Wer ist wichtig in Hamburg und Umgebung? Auf wen muss man achten? Diese Menschen sind uns im März besonders aufgefallen.

Hamburg. Dieser Monat März kann nur politisch Desinteressierte gelangweilt haben. Denn drei Bürgermeister gibt es in Hamburg nicht alle Tage. Olaf Scholz war bis zum 13. März Senatschef, bevor er als Finanzminister nach Berlin wechselte. Für zwei Wochen und einen Tag ging die Macht an die geschäftsführende Senatschefin Katharina Fegebank über. Und seit dem 27. März arbeitet mit Peter Tschentscher wieder ein SPD-Mann im Bürgermeisteramtszimmer.

Das hat natürlich auch Konsequenzen für die Abendblatt-Aktion „Menschen des Monats“. Alle vier Wochen präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle Frauen und Männer, die uns aufgefallen sind. Dabei wählt jedes der auf dieser Seite genannten Abendblatt-Ressorts seinen „Menschen des Monats“. So entsteht im Verlauf eines Jahres eine große Auswahl an Persönlichkeiten, über die wir dann unsere Leserinnen und Leser abstimmen lassen wollen. Sie entscheiden schließlich, wer die „Menschen des Jahres 2018“ werden.

Peter Tschentscher

Unverhofft kommt oft: Vor einem Monat hatte Peter Tschentscher nicht einmal geahnt, dass er Bürgermeister der Hansestadt wird – und nun ist er es schon. Mit 71 Stimmen wurde er am Mittwoch der vergangenen Woche zum Nachfolger von Olaf Scholz gewählt. Der 52-Jährige war zuvor sieben Jahre Finanzsenator – so lange hatte vor ihm nur Herbert Weichmann in der Behörde am Gänsemarkt gewirkt. Tschentscher ist mit einem Defizit angetreten und hat mit einem Plus den Haushalt an seinen Nachfolger Andreas Dressel übergeben. Nun muss Tschentscher zeigen, dass er mehr als zählen kann. Von der Chefredaktion gibt es hier Vorschusslorbeeren.

Melanie Leonhard

Sie hatte frühzeitig für Klarheit gesorgt. Als sich abzeichnete, dass der damalige Bürgermeister Olaf Scholz nach Berlin wechseln würde, hatte Sozialsenatorin Melanie Leonhard ihren Genossen rasch zu verstehen gegeben, dass sie die Nachfolge nicht anstrebe. Mit Leibwächtern im Auto sei kein Platz mehr für den Kindersitz, so die Mutter eines dreijährigen Jungen. Doch das andere Spitzenamt, das Scholz aufgab, übernahm sie umso lieber: den SPD-Landesvorsitz. Wie sie die Parteitagsdelegierten begeisterte und mit 95 Prozent zur neuen SPD-Chefin gewählt wurde, das macht Leonhard für das Ressort Landespolitik zum Menschen des Monats.

Katja Benrath

Am Ende haben dann zwar doch die Briten den „großen“ Oscar bekommen. Eine Gewinnerin jedoch war und ist Katja Benrath trotzdem: Ihr Film „Watu Wote/All of us“ war in der Kategorie Live-Action-Kurzfilm nominiert, schon das ist eine große Ehre. Einen Studenten-Oscar in Gold (und übrigens rund 60 weitere Preise) hatte das Werk bereits zuvor ergattert. Die 39 Jahre alte Absolventin der Hamburg Media School ist auch darum für die Kulturredaktion der Mensch des Monats. „Watu Wote“ war ihr Abschlussfilm, er erzählt einen wahren Vorfall aus Kenia. „Ich gehe nur dahin, wo eine Geschichte ist, die mich wirklich bewegt“, sagt Benrath.

Frank Horch

Immer wieder in den vergangenen Jahren hatte man Frank Horch als Senator für Wirtschaft und Verkehr schon fast abgeschrieben. Doch nun bleibt der 70-Jährige auch mit dem neuen Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Amt. Für die Wirtschaftsredaktion ist Horch der Mensch des Monats – zumal es für ihn bei wichtigen Vorhaben nun vorangeht. Bei der Elbvertiefung sieht sich Horch auf der Zielgeraden. Jetzt geht es darum, Hamburg vor dem Verkehrsinfarkt zu retten. Zunächst ist das für die Bürger auch mit lästigen Baustellen verbunden. Doch der Senator ist entschlossen, Hamburg zum Beispiel mit autonom fahrenden ElektroShuttlebussen zur Mobilitätsmodellstadt in Europa zu machen.

Katharina Fegebank

„Queen for a day“ – so hat sich Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank ironisch selbst bezeichnet. Etwas länger war es dann doch: Zwei Wochen und einen Tag herrschte die Grü- nen-Politikerin nach dem Weggang von Bürgermeister Olaf Scholz und vor der Wahl seines Nachfolgers Peter Tschentscher (beide SPD) als geschäftsführende Senatschefin formal über die Stadt – sehr authentisch im eigenen Fegebank-Stil. Die Grenzen ihrer Macht beschrieb sie selbst in einer sehr launigen Rede beim Jahrestreffen der Landespressekonferenz. Für die Lokalredaktion ist die Interims-Rathauschefin der Mensch der Monats.

Nicole Langosch

Für die Onlineredaktion ist Nicole Langosch Mensch des Monats. Die Wahlhamburgerin hat es im März geschafft, als erste Deutsche überhaupt das Kommando eines Kreuzfahrtschiffes zu übernehmen. Besonders ist das auch deshalb, weil von aktuell 1032 deutschen Kapitänen nur 14 weiblich sind. Die 34-Jährige hat auf der „Aidasol“ Verantwortung für 630 Angestellte und maximal 2200 Passagiere. „ Ich fahre hier eine Kleinstadt durch die Gegend“, sagt sie und beschreibt sich gleichzeitig als „direkt, zielstrebig mit sehr klaren Vorstellungen davon, wie etwas laufen soll“. Ob das nun der Befehl ist, ein Schlechtwettergebiet zu umfahren oder etwa das 253 Meter lange Schiff sanft an eine Kaimauer zu legen.

Claudia Retter

Er ist nur ein paar Sekunden lang. Aber der kleine Film, den Claudia Retter mit ihrem Smartphone gemacht hat, sorgte für ziemlich großen Wirbel. Denn die Gastronomin hat eingefangen, wie ein Wolf über den zugefrorenen Lütjensee im Kreis Stormarn gelaufen ist. Aus dem Fenster des Restaurants Fischerklause, das sie mit ihrem Mann Gerhard betreibt, hat sie das Tier gesehen und blitzschnell reagiert. Für die Redaktionen der Regionalausgaben ist Claudia Retter Mensch des Monats, weil durch ihre Beobachtung der streunende Wolf nicht nur tagelang das Gesprächsthema Nummer eins in der Region war, sondern weil Zehntausende im Internet durch ihren Film ganz besondere Blicke auf das sagenumwobene Tier bekommen haben.

Katrin Wollberg

Sie ist eine Frau, die Wärme gibt – nicht nur, wenn es draußen eisig kalt ist, wie so oft im vergangenen März. Katrin Wollberg ist für die Ressorts Seite 1, Von Mensch zu Mensch und Layout der Mensch des Monats. Ihr Dienstort ist ein Backsteinbau in Hammerbrook. Hier finden die Gestrandeten der Stadt Schutz vor der Kälte und der Nacht – und erleben für Stunden, dass sich jemand um sie kümmert. Katrin Wollberg legt Wert darauf, dass sich alle an die Regeln halten: kein Alkohol, keine Waffen. Mitmenschlichkeit ist eine Sache des Herzens – aber auch etwas ganz Praktisches.

Marlena Sdrenka

Für die Fotoredaktion ist Marlena Sdrenka der Mensch des Monats. Sie ist die neue Nachhaltigkeitsmanagerin des Spielbudenplatzes an der Reeperbahn. In dieser Funktion will die 29 Jahre alte Frau aus Ottensen das Abfallmanagement des Veranstaltungsorts besser aufstellen und die Umweltverschmutzung reduzieren. Marlena Sdrenka hat dazu bereits einige Ideen, über die sie sich beim erstmals am 11. April stattfindenden „Grünschnack“ im Rahmen des St. Pauli Nachtmarkts mit Anwohnern und Besuchern austauschen möchte. Ein guter Start in das neue Amt.

Torsten Jansen

Glückwünsche zum ersten Jahr als Drittliga-Trainer beim Handball Sport Verein Hamburg (HSVH) nimmt Torsten Jansen nicht an. Der 41-Jährige, der am 30. März 2017 das Amt beim einstigen Meister und Champions-League-Sieger übernahm, ist für die Sportredaktion des Mensch des Monats. Erst wenn der Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt ist, „darf gratuliert werden“, sagt der Ex-Profi und Weltmeister von 2007. Drei Siege fehlen noch. Im April könnte gefeiert werden, auch wenn der März zuletzt mit einer Niederlage gegen Schwerin holprig verlief. Für Jansen, den alle weiterhin nur „ Toto“ nennen (dürfen), ein Warnschuss. „Man lernt immer dazu, die Spieler ebenso wie ich“, sagt der vielleicht bald Meistertrainer.