Nach Ausschluss eines AfD-Abgeordneten beim runden Tisch

Koloniales Erbe: AfD-Mitglied wird wieder eingeladen

Ein Politiker musste den runden Tisch verlassen – Kulturbehörde nimmt Stellung

Hamburg.  In der vergangenen Woche hat die Kulturbehörde einen Runden Tisch zum kolonialen Erbe Hamburgs ausgerichtet. Dabei wurde der AfD-Politiker Alexander Wolf von Teilnehmern als „Nazi“ und Vertreter einer „offen rassistischen Partei“ bezeichnet. Die Stimmung heizte sich auf, Wolf musste daraufhin den Raum verlassen. Das Abendblatt fragte bei Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde, nach.

Es heißt, die Stimmung sei „aufgeheizt“ gewesen?

Enno Isermann: Der runde Tisch tagte in zwei Arbeitsgruppen. An einer nahm der AfD-Abgeordnete Wolf teil. Mehrere Teilnehmer machten deutlich, dass sie nicht bereit seien, im Beisein des Abgeordneten Wolf weiter teilzunehmen.

Lief die Veranstaltung friedlicher, als Herr Wolf sie verlassen hatte?

Im Plenum wurde der Vorfall später noch emotional und konstruktiv diskutiert. Dabei hat die Kulturbehörde deutlich gemacht, dass auch konträre Meinungen ausgehalten werden müssen.

Wer hatte welche Kritikpunkte?

Es waren mehrere Vertreter verschiedener Initiativen und Communities.

Sie merkten an, dass Sie den runden Tisch als geschützten Ort betrachten, an dem nicht grundsätzlich über die Werte und Ziele des Aufarbeitungsprozesses diskutiert werden müsse. Es gab hierzu, auch im Beisein des Vertreters der AfD, andere Meinungsäußerungen. War es im Nachhinein die richtige Entscheidung, dass Herr Wolf gebeten wurde, den Raum zu verlassen?

Die Moderatoren wollten, dass alle an der Diskussion teilnehmen und respektvoll miteinander umgehen. Dies gelang leider nicht. So gab es in der Situation nur zwei Auswege. Entweder, die Veranstaltung an der Stelle abbrechen und damit einen gerade erst begonnenen Prozess dauerhaft gefährden, oder Herrn Wolf bitten, für diese Sitzung den Raum zu verlassen, auch um mit den anderen Teilnehmern den Umgang mit anderen Meinungen am runden Tisch zu klären. Beide Auswege waren schlecht.

Herr Wolf soll auch zum nächsten runden Tisch eingeladen werden. Was tun Sie, damit die Lage nicht wieder eskaliert?

Die Kulturbehörde geht davon aus, dass durch den Vorfall eine wichtige Klärung des demokratischen Miteinander für das weitere Verfahren stattgefunden hat.