Harburg

Erzbistum dämpft Erwartungen

SPD fordert: Anmeldung für von Schließung bedrohte Schulen wieder öffnen. Harburger appellieren an ihre Kirche

Harburg.  Im Streit um die Schließung von bis zu acht katholischen Schulen hat Generalvikar Ansgar Thim Hoffnungen der Betroffenen einen Dämpfer erteilt. Dabei bezog er sich auf ein Treffen mit der Hamburger Schulgenossenschaft am Sonnabend, nach dem beide Seiten erklärt hatten, sie wollten eine „neue Form gemeinsamer Verantwortung“ finden, und es bestehe Einigkeit darin, das katholische Schulwesen in Hamburg „zukunftsfähig weiterzuentwickeln“. Bis zum 5. Juli soll ein Projektplan stehen.

In einem Schreiben an die katholischen Schulen in Hamburg stellt Thim nun allerdings klar: „Gemeinsame Verantwortung heißt nicht gemeinsame Trägerschaft. Das Erzbistum Hamburg bleibt Träger seiner katholischen Schulen.“ Die Schulgenossenschaft hingegen hatte erklärt, beide Seiten planten eine solche gemeinsame Trägerschaft für alle 21 katholischen Schulen. „Es geht um gemeinsame Verantwortung“, sagte Christian Bernzen, Mitinitiator der Genossenschaft, am gestrigen Dienstag als Reaktion auf Thims Schreiben. „Die Frage der Trägerschaft sollte nicht überbewertet werden.“

In seinem Schreiben erläutert Thim „zur Erinnerung“ das Konzept des Erzbistums. Demnach geht es um den „Erhalt von mindestens 13 Schulen“ und „Beratungen über die Rettung von ein bis drei zusätzlichen Schulen (insbesondere Harburg)“. Von einer Weiterführung der fünf Schulen, für die bis zuletzt galt, dass sie auf jeden Fall geschlossen werden sollen, ist nicht die Rede.

Eltern, Vertreter von Schulen, Parteien und der Wirtschaft, die sich auf Initiative der Hamburger Sparkasse gestern zu einem runden Tisch an der Technischen Universität Hamburg in Harburg trafen, appellierten an die Kirche, ihre Schulen zu retten. „Es wäre fatal, wenn diese Schulen verloren gehen“, sagte der Initiator, Haspa-Chef Harald Vogelsang. „Ich bin selbst Protestant, weiß aber, was die katholischen Schulen leisten.“ Auch das Erzbistum war zu dem runden Tisch eingeladen worden, hatte aber freundlich abgesagt. Dafür hat das Erzbistum den Haspa-Chef zu einem Gespräch mit Erzbischof Stefan Heße eingeladen, das bald stattfinden könnte.

Eine gewisse Offenheit signalisierte Generalvikar Ansgar Thim in seiner E-Mail an die katholischen Schulen. „Wir begrüßen auch weiterhin jede Initiative, die uns bei unserem Ziel unterstützt, mindestens 13 Schulen zu einem nachhaltigen, modernen Schulsystem zu entwickeln“, schrieb er. In der Runde in Harburg hieß es von einigen Teilnehmern, es müsse um den Erhalt möglichst vieler Schulen gehen, man müsse das Erzbistum „an den Tisch holen“. Deshalb boten die Teilnehmer dem Erzbistum ihre Hilfe an. Indem es mit Unterstützung von vielen Seiten aus der Krise komme, könne das Hamburger Erzbistum zu einem Modell für andere Bistümer in einer ähnlich schweren Lage werden, hieß es.

Mehr Geld von der Stadt für Privatschulen forderte Andreas Haase, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Hamburg. Darauf ging Thorsten Altenburg-Hack, Amtsleiter in der Schulbehörde, nicht näher ein. Er betonte aber, die Schulbehörde setze auf den Dialog mit dem Bistum: „Das Gesprächsangebot ist immer da.“

Claudia Loss von der SPD in Harburg berichtete, dass ihre Partei einen Antrag in die Bezirksversammlung einbringen wird, in dem das Erzbistum aufgefordert wird, die Anmelderunde für das betroffene Niels-Stensen-Gymnasium neu zu öffnen und Aufnahmen für das Schuljahr 2018/2019 mit der Garantie bis zum gewünschten Abschluss zuzulassen.

Derweil wurde bekannt, dass alle Immobilien des überschuldeten Erzbistums auf den Prüfstand kommen. Von März an sollen die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young die mehr als 900 Gebäude in Hamburg begutachten, deren Zustand und den Sanierungsbedarf erfassen. Daraus soll eine Datenbank mit detaillierten Informationen über die Gebäude entstehen, wie Bistum-Sprecher Manfred Nielen sagte.

Von den mehr als 900 Immobilien betreffen etwa 750 die Pfarrgemeinden. An die Pfarreien schrieb Generalvikar Ansgar Thim einen Brief, aus dem die „Bild“-Zeitung zitiert. Demnach geht es darum, welche Gebäude weiter für pfarreiliche Zwecke zum Einsatz kommen sollen und mit welchen in anderer Weise zu verfahren sei. Es gehe aber nicht um „Ausverkauf“ oder „Enteignung“, schreibt Thim. Er bittet darum, dem „notwendigen Veränderungs­prozess unerschrocken, vertrauensvoll und solidarisch entgegenzutreten“.

Ergebnisse der Analyse sollen in der zweiten Jahreshälfte vorliegen, sagte Manfred Nielen. Anschließend werde das Erzbistum „in Zusammenarbeit mit Pfarrern und Vertretern der Gemeindegremien“ erörtern, wie es mit den Immobilien im Einzelnen weitergehen soll.