Bühne

Ein riesiger, leichtfüßiger Spaß am Allee Theater

Das „Heidehasen“-Ensemble spielte
fabelhaft und stimmig

Das „Heidehasen“-Ensemble spielte fabelhaft und stimmig

Foto: Dr. Joachim Flügel

Der „Sängerkrieg der Heidehasen“ ist richtig tolles Musiktheater für Groß und Klein. Packende zwei Stunden Action.

Hamburg.  Natürlich kann man versuchen, ein paar passende Etiketten zu finden für das, was da am Allee Theater stattfand: Komödie, auch eine Spur Actionkrimi, sehr viel Slapstick, eine kleine Verliebtheitsgeschichte – und Kindertheater natürlich, aber dazu später. Das alles führt aber immer zum selben Ziel: Es ist ein riesiger, leichtfüßiger Spaß.

Alle großen Hasen waren einmal jung und unbekannt, auch der große Mümmelmann, und deshalb gibt es für den Hasen Lodengrün keinen Grund, nicht anzutreten beim jährlichen Wettsingen um die goldene Möhre. Nur dass der Preis dieses Jahr ausnahmsweise doch nicht die Möhre ist, sondern die Erlaubnis, die Prinzessin zu heiraten (die am Schluss erklärt, diese Tradition werde sie schnellstmöglich abschaffen).

Barocktheaterhafte Kulissenmalerei

Das ist die Lage zu Beginn von James Krüss’ Kinderstück „Der Sängerkrieg der Heidehasen“, alles Weitere ist dann erst einmal wenig überraschend: Die Guten sind gut, die Bösen verschlagen, es gewinnt der, dem man es die ganze Zeit gewünscht hat – Lodengrün natürlich, der die Prinzessin ziemlich gut findet und sie ihn auch, all das packt das fabelhafte Ensemble in knapp zwei so unterhaltsame Stunden, dass die erwachsenen Zuschauer bei der Premiere beinahe noch mehr hingerissen sind als die kleinen.

Das Bühnenbild: Salat, Radieschen und ein ausgewachsener Sellerie als fantastisch barocktheaterhafte Kulissenmalerei (Bühne: Lisa Überbacher), darin findet Kindermusiktheater statt, das man auch als Erwachsener glücklich und fröhlich verlässt, weil man von einer Welt, in der Richtig und Falsch noch so klar unterscheidbar sind und am Ende alles gut wird, ja wirklich nicht genug haben kann.

Suche nach Glück im Gemüsebeet

Der für seine Kindergedichte berühmte Helgoländer Schriftsteller Krüss hat aus Richard Wagners Musiktheatertankern „Tannhäuser“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“ ein Mash-up gemacht, in dem musikalisch auch Spuren von „Lohengrin“, „Rienzi“ und der „Walküre“ enthalten sind – eine Vorlage, die die Hamburger Regisseurin Nora Schumacher umarbeitete und auf der Bühne des Allee Theaters in packende zwei Stunden Action verwandelt, die tatsächlich glücklich machen. Ein Stück über tolle Begabungen, unsinnige Traditionen, den Zauber der Musik – und die Suche nach dem Glück im Gemüsebeet. Die Musik hat Tjaard Kirsch für ein Drei-Personen-Orchester eingerichtet: Klarinette, Cello und Klavier.

Besseres Musiktheater – auch für Erwachsene – gibt es zurzeit in Hamburg nicht, und dass das kein größeres Kompliment ist, als es das eben ist, hat überhaupt nichts mit den Hasen zu tun, denn, ganz ehrlich: Schöner und hinreißender geht es wirklich nicht.

„Der Sängerkrieg der Heidehasen“ Weitere Vorstellungen bis 8. April jeweils Sa und So um 15 Uhr, Karten unter T. 38 25 38 und online unter tfk@alleetheater.de