Konzert

Musiker mit weißen Mähnen versprühen jugendliches Feuer

Janine Jansen, Martha Argerich und Mischa Maisky

Janine Jansen, Martha Argerich und Mischa Maisky

Foto: Peter Hundert Photography / HA

Martha Argerich, Mischa Maisky und Janine Jansen in der Elbphilharmonie mit Werken von Beethoven, Schostakowitsch und Mendelssohn.

Hamburg.  Mischa Maisky und Martha Argerich sind schon ziemlich lange ziemlich beste Freunde. Seit ihren ersten gemeinsamen Auftritten vor 40 Jahren verbindet die beiden Weltklassemusiker eine enge künstlerische und persönliche Beziehung, aus der ein blindes Verständnis erwachsen ist. Davon profitieren sie auch dann, wenn ein Stück wie Beethovens g-Moll-Sonate, zu Beginn des Kammermusikabends im Großen Saal der Elbphilharmonie – etwas flüchtig geprobt wirkt. Da muss der Cellist Mischa Maisky seine hingebungsvoll geschlossenen Augen nicht extra öffnen, um zu spüren, dass Martha Argerich am Flügel kurz auf die Tempo-Bremse treten wird, um das nächste Thema vorzubereiten.

Mit Routine hat das nichts zu tun. Obwohl ihre Mähnen längst weiß geworden beziehungsweise ergraut sind, haben der 70-jährige Lette und die sechs Jahre ältere Argentinierin ihr jugendliches Feuer bewahrt, das vor allem gegen Ende der Sonate auflodert. Argerichs kraftvoller Anschlag klingt dort allerdings mitunter etwas hart.

Felix Mendelssohns d-Moll-Trio – Orchestrale Wucht und Ausdruckskraft

Was bei Beethoven noch irritierend hervorsticht, hat für das zweite Klaviertrio von Schostakowitsch genau die richtige Schärfe. Mit der deutlich jüngeren, aber nicht minder exzellenten Geigerin Janine Jansen durchleben Argerich und Maisky dort die emotionalen Extremzustände des im Kriegsjahr 1944 entstandenen Stücks: Die Einsamkeit in den eröffnenden Streichermelodien, die Seelenschwärze im langsamen Satz und den ins Groteske verzerrten Totentanz im Finale, in dessen Fortissimo-Ausbruch die Klavierattacken wie musikalische Peitschenschläge aufs Trommelfell knallen. Kaum möglich, sich der Dringlichkeit dieses komponierten Aufschreis zu entziehen. Puh.

Im Schatten der berstenden Intensität bei Schostakowitsch hatte Schumanns erste Violinsonate nach der Pause einen schweren Stand – auch wenn Jansen die Linien im Zusammenspiel mit Argerich mit warmem Ton und wunderbar fein zeichnete.

Mit Felix Mendelssohns d-Moll-Trio als Schlussstück kehrte dann zwar nicht die existenzielle Dramatik, wohl aber die beinahe orchestrale Wucht und Ausdruckskraft zurück. Angetrieben vom vulkanischen Temperament der Pianistin, formten die drei auch da eine packende Interpretation. Als Schlusswort eines Abends, der zeigte, dass musikalische Leidenschaft kein Alter kennt.