Katholische Schulen

Schulleiter reagieren entsetzt auf Schließungspläne

Kurz nach Bekanntwerden der Pläne haben Eltern und Schüler vor dem Dom demonstriert

Kurz nach Bekanntwerden der Pläne haben Eltern und Schüler vor dem Dom demonstriert

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

In einem Brief an den Erzbischof kritisieren die Pädagogen die Standortschließungen scharf. Heute Thema in der Bürgerschaft.

Hamburg.  Es ist ein Dokument der Bitterkeit und der Fassungslosigkeit. Die Schulleitungen aller 21 katholischen Schulen haben in einem zweiseitigen Schreiben an Erzbischof Stefan Heße und Generalvikar Ansgar Thim ihrem Unverständnis über die geplante Schließung von acht katholischen Schulen Luft gemacht. „Wir sind erschüttert. Unser Vertrauen ist gebrochen“, heißt es unmissverständlich in dem Brief der Pädagogen, der dem Abendblatt vorliegt.

Die Schulleiter erinnern daran, dass sie vor mehr als einem Jahr Heße und Thim „unsere Erfahrung und unser Wissen für den Erneuerungsprozess angeboten“ haben. Es sei den Schulleitern ausdrücklich nicht darum gegangen, „jegliche Schließung zu verhindern“. Vielmehr: „Uns war sehr daran gelegen, mit dafür Sorge tragen zu dürfen, dass eine Reduzierung der Standorte weiterhin ein Schulsystem ermöglicht, das in sich ausgewogen bleibt.“ Das sei ein Alleinstellungsmerkmal der katholischen Schulen unter den freien Schulträgern gewesen.

Kein katholisches Schulsystem mehr

„Nun mussten wir innerhalb von zwei bis drei Wochen zur Kenntnis nehmen, dass die Entscheidungen ohne jegliche Beteiligung unsererseits getroffen wurden. Das Szenario wurde so gewählt, dass die Entscheidungen irreversibel sind“, schreiben die Schul­leiter und fügen an: „Wir finden uns in einer Situation wieder, die dadurch gekennzeichnet ist, Schadensbegrenzung zu versuchen.“

Am 18. Januar hatte das Erzbistum die Leiter der 21 Schulen über die Schließung von bis zu acht Schulstandorten informiert. Bereits in der jetzt laufenden Anmelderunde für die ersten und fünften Klassen dürfen die folgenden Schulen keine neuen Schüler mehr aufnehmen: St. Marien in Ottensen, Franz von Assisi in Barmbek, die Katholische Schule Altona, die Domschule und das Niels-Stensen-Gymnasium. Die Sophienschule in Barmbek sowie die Katholischen Schulen Harburg und Neugraben haben eine Schonfrist von einem Jahr, innerhalb der nach einer alternativen Lösung zur Schulschließung gesucht werden soll.

„Nachdem wir fast zeitgleich mit der Öffentlichkeit informiert wurden, finden wir eine reduzierte Anzahl von katholischen Schulen vor, die kein Schulsystem mehr abbilden“, heißt es in dem Brief. Im Süden der Stadt werde es gar keinen Standort mehr geben, wenn alle Schließungspläne greifen, obwohl dort besonders viele katholische Familien leben. Schließlich lägen die verbleibenden katholischen Schulen „vornehmlich nicht mehr in sozialen Brennpunkten“, darüber hinaus seien Stadtteilschulen überproportional von den Schließungen betroffen.

Die Pädagogen kritisieren, dass die Standortentscheidungen getroffen wurden, bevor der „pastorale Orientierungsrahmen“ verabschiedet wurde. „Nicht rein wirtschaftliche Eckdaten sollten die Geschicke des Bistums bestimmen, sondern pastorale Grundsätze“, schreiben die Schulleiter. Aspekte der Schulentwicklung fänden sich in den Überlegungen des Erzbistums zu den Schulen gar nicht wieder. „Das dazu in Auftrag gegebene Gutachten lieferte aufgrund seiner Mangelhaftigkeit keine tragfähigen Erkenntnisse.“

Die Eltern wurden nicht direkt über Schließungen informiert

Der Brief schließt mit einer bitteren Anklage. „Mit Entsetzen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass das Bistum es nicht für nötig befunden hat, diejenigen, die von diesen Maßnahmen besonders betroffen sind, persönlich zu informieren“, schreiben die Schulleiter. „Weder war bei der Verkündung der Nachricht an das Kollegium ein hochrangiger Vertreter des Erzbistums anwesend, noch wurden die Eltern direkt über den Schulträger informiert.“ Tatsächlich mussten die Schülerinnen und Schüler ihre Eltern über die geplante Schließung informieren.

Dadurch sei „bei sehr vielen das Vertrauen in das Erzbistum, wenn nicht sogar in die Kirche, nachhaltig erschüttert“. Stellvertretend für alle haben den Brief drei Schulleiter von Standorten unterzeichnet, die nicht geschlossen werden sollen: Rainer Busenbender, St. Paulus in Billstedt, Klaus Pax, Katholische Schule Farmsen sowie Johannes Wulf vom St.-Ansgar-Gymnasium in Borgfelde.

Die CDU-Fraktion hat die Schulschließungen für die Aktuelle Stunde der heutigen Sitzung der Bürgerschaft angemeldet. „Bildungskahlschlag in Hamburg: CDU legt Rettungsplan für katholische Schulen vor – Wann wachen Rot-Grün und Schulsenator Rabe endlich aus dem Dornröschenschlaf auf?“, lautet das Thema der Christdemokraten. Offen ist allerdings, ob die Debatte stattfindet, weil es erst das dritte Thema der Aktuellen Stunde ist.