Hamburg-Besuch

Bundespräsident frühstückt mit Menschen ohne Obdach

Bundespräsident
Frank-Walter
Steinmeier und
seine Frau Elke
Büdenbender beim
Frühstück im Herz
As mit Andy Laas
und Andreas
Bischke (hinten),
dem Leiter der
Tagesaufenthaltsstätte
für Menschen
ohne Wohnung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender beim Frühstück im Herz As mit Andy Laas und Andreas Bischke (hinten), dem Leiter der Tagesaufenthaltsstätte für Menschen ohne Wohnung

Im Herz As treffen der Bundespräsident und seine Frau Hamburger, die keine Wohnung haben – ein „Lebensthema“ für das Staatsoberhaupt.

Hamburg.  Andy Laas hat sich an den gedeckten Frühstückstisch gesetzt und schenkt Kaffee ein. Der 44-Jährige mit der hellblauen Schirmmütze erzählt, dass er zurzeit im Winternotprogramm einen Schlafplatz gefunden hat. Vier bis sechs Betten stehen in den Zimmern an der Friesenstraße. Dort hat die Stadt 400 Schlafplätze zur Verfügung gestellt. 360 sind es am Schaarsteinweg, weitere 110 sind in Wohncontainern. „Es ist ziemlich überfüllt, man kommt nachts nur schwer zur Ruhe“, sagt Andy zu seinem Tischnachbarn.

Der kommt heute aus Berlin und ist Bundespräsident. Und kennt die Situation der Obdachlosen in der Hauptstadt ziemlich gut. Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender in engem Kontakt mit Menschen, die keine Wohnung haben – das ist nur auf den ersten Blick ein ungewohntes Bild. „Hoffnungsorte Hamburg“ steht draußen an der gläsernen Eingangstür an der Norderstraße. Vor einigen Jahren hat sich die Stadtmission in „Hoffnungsorte“ umbenannt. Das Herz As ist ein ziemlicher Hoffnungsort für alle, die fast jede Hoffnung verloren haben.

Herz As hat täglich rund 300 Gäste

6000 bis 10.000 Menschen in Hamburg haben keine Wohnung, rund 2000 von ihnen leben auf der Straße. „Ins Herz As kommen täglich rund 300 Gäste“, sagt der Leiter Andreas Bischke. Die Menschen aus aller Herren Länder bekommen nicht nur eine Mahlzeit, können duschen oder ihre Wäsche waschen. „Sie können hier zur Ruhe kommen“, sagt Bischke. „Und Kraft schöpfen in einer Lebenskrise, die jeden von uns treffen kann.“ Auch Frank-Walter Steinmeier hat in seinen Reden schon oft betont, wie schmal der Grat zwischen Gelingen und Scheitern eines Lebens ist.

Andy Laas erzählt, dass seine alkoholkranken Eltern gestorben sind, als er zwölf war. Er ist bei seiner Oma aufgewachsen, hat nach seiner Ausbildung zum Koch überall im Land gearbeitet. Als eine Zeitarbeitsfirma ihm drei Monate keinen Lohn bezahlt habe, verlor er seine Wohnung. „Ich wusste damals nicht, dass es eine Fachstelle für Wohnungsnotfälle gibt.“ Er wurde obdachlos. Jetzt hofft er auf einen festen Platz im Bodelschwinghaus – und arbeitet ehrenamtlich in der Küche vom Herz As.

Ehrenamtlich Wohnungslose beraten

„Köche werden ja gesucht“, sagt Steinmeier. „Ja, ich habe mich auch schon zweimal beworben, aber ich brauche einen festen Wohnsitz“, sagt Andy Laas. „Ein Teufelskreis“, sagt Elke Büdenbender. Das Paar weiß, wovon es redet. Frank-Walter Steinmeier hat schon während seines Jurastudiums ehrenamtlich Wohnungslose beraten und seine Doktorarbeit über die Verhinderung von Obdachlosigkeit durch staatliche Intervention geschrieben. „Der Bundespräsident hat sich ausdrücklich das Herz As als eine Station für seinen Hamburg-Besuch gewünscht“, sagt Kirsten Fehrs. Die Bischöfin ist ebenfalls Gast in dieser bunten Frühstücksrunde, an der auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) als stiller Zuhörer teilnimmt.

Es geht in dieser knappen Stunde um das Leben der anderen. Um das seines Tischnachbarn Mocef Quertatani, den sie alle hier Josef nennen. Der gebürtige Tunesier ist genau vor 50 Jahren in Hamburg hängen geblieben. „Weil abends um zehn kein Zug mehr weiter nach Dänemark gefahren ist.“ Da ist er halt ausgestiegen, landete auf dem Kiez, und nach drei Tagen war das Geld weg. Jetzt hilft er in der Küche. Nach einer schweren Krankheit ist das Herz As auch für ihn ein Hoffnungsort.

Am Ende werden die Gäste beschenkt. Die Herz-As-Besucher haben ein Vogelhäuschen gebastelt, ganz in Weiß, Schloss Bellevue steht drauf. Und auch Ulrich Hermannes, Geschäftsführer der Hoffnungsorte, hat noch ein Geschenk: ein Positionspapier. „Mit der zentralen Forderung eines grundgesetzlichen Anspruchs des Rechts auf Wohnen.“ Dieser Besuch, sagt er, solle auch dazu dienen, Menschen ohne Wohnung wieder „in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen“.

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