Neustadt

Seemannsheim: Abschied von der langjährigen Chefin

Inka Peschke mit dem markanten Pappschild vor dem Seemannsheim

Inka Peschke mit dem markanten Pappschild vor dem Seemannsheim

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Hotelbetrieb, Restaurant und ganz viel Betreuung. 15 Jahre leitete Inka Peschke das Haus. Ein Haus voll mit raubeinigen Seeleuten?

Hamburg.  Anfangs hatte sie ein wenig Bedenken: Geschäftsführerin in einem Seemannsheim – ob das der richtige Job ist? Ein Haus voll mit raubeinigen Seeleuten? „Doch das ist ganz anders“, sagt Inka Peschke. „Die sind sehr hilfsbereit – und oft auch hilfsbedürftig.“

Fast 15 Jahre leitete sie das Seemannsheim der Seemannsmission am Krayenkamp im Schatten des Michels, lernte viel über das heutige Seemannsleben und öffnete das Haus mehr nach außen. Selbst Touristen können heute dort in maritimer Atmosphäre übernachten. Nun ist sie in den Ruhestand verabschiedet worden.

Männer, die unter Einsamkeit leiden

Eigentlich ist Inka Peschke, die sich selbst als Urhamburgerin bezeichnet, gelernte Fremdenverkehrs-Kauffrau, die später Erziehungswissenschaften studiert hat. Und pädagogische Fähigkeiten konnte sie bei ihrer Aufgabe gut gebrauchen: Nicht wenige der Männer, die mal Tage oder auch mal Jahre in dem hotelähnlichen Haus wohnen, würden an einer Art Einsamkeitssyndrom leiden, weil sie im Laufe der vielen Reisen den Kontakt zu Freunden und Familien verloren haben. „Unsere Scheidungswaisen“, wie sie sagt. Beratung, Aussprache, Betreuung bei Behördengängen – das zählte eben auch zu ihren Aufgaben.

Handfester Mittagstisch

Dabei ist der auch Hotelbetrieb viel umfangreicher, als viele annehmen. Über immerhin 120 Betten verfügt das Haus, wo eben jetzt auch ganz normale Touristen schlafen können. In wirklich ursprünglicher maritimer Umgebung: Rund 19 Prozent der Gäste sind dort keine Seeleute, sie zahlen 41 Euro die Nacht. Für Seeleute, die in Hamburg auf einen neuen Job auf einem Schiff warten müssen, kostet die Übernachtung bei der Seemannsmission indes ab 16 Euro/Nacht. Groß ist dort auch die Gruppe von älteren Seemännern beispielsweise aus Ghana, die auf deutschen Schiffen beschäftigt waren und nun eine Weile im Land bleiben müssen, um ihren Rentenanspruch nicht zu verlieren. Zudem findet man im Restaurant des Seemannsheims nicht nur Seeleute, sondern auch andere Gäste, seit es für die Öffentlichkeit geöffnet hat. Hier gibt es einen handfesten Mittagstisch, der als Geheimtipp in den umliegenden Büros gilt.