Hamburg

Ohne Regenschirm läuft bald nichts mehr

Hamburg wird immer nasser. Wetterdaten belegen: Zahl der Regentage und die Menge der Niederschläge vor allem im Winter steigen durch den Klimawandel

Hamburg.  Nördlich der Alpen, im Oberallgäu, liegt in einem Talkessel eine Siedlung namens Oberstdorf-Rohrmoos. Dort ist alles noch viel schlimmer als in Hamburg. Denn Rohrmoos gilt nach einer Statistik des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im langjährigen Mittel als der regenreichste Ort Deutschlands, wo es im Schnitt fast dreimal so viel wie in der Hansestadt regnet: 2340 Liter pro Quadratmeter und Jahr. In Hamburg sind es 793,8 Liter.

Aber längst ist die Hansestadt aus meteorologischer Sicht dabei, so regenreich wie die bayerische Region zu werden. Denn vom Jahr 2017 an bleiben nicht die raren Sonnentage, sondern vor allem das Schietwetter mit sintflutartigen Regengüssen in Erinnerung. Auch zu Beginn des neuen Jahres jagte ein Tiefdruckgebiet das nächste, und der Himmel öffnete tagelang seine Schleusen. Daten und Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes und des Hamburger Instituts für Wetter- und Klimakommunikation zeigen: Hamburg wird immer nasser, vor allem im Winter.

Allein im vergangenen Jahr fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in der Messstation Fuhlsbüttel rund 200 Liter mehr Niederschlag (989,9 Liter) als im Mittelwert von 1981 bis 2010 (793,8 Liter, siehe Grafik). Frank Böttcher, Chef des Instituts für Wetter-und Klimakommunikation, sagt auf der Basis seiner Messreihen, dass der Niederschlags-Mittelwert von 1988 bis 2017 um mehr als 30 Liter pro Quadratmeter gestiegen sei. „In Hamburg ist es nachweislich nasser geworden.“ Das verregnete Jahr 2017 werde auf Platz elf der nassesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Hamburg 1891 eingehen. Dieser Trend setzte sich Anfang Januar 2018 fort: Am 3. Januar wurden 25 Liter pro Quadratmeter gemessen.

So viel Dauerregen schlägt selbst den härtesten Hanseaten aufs Gemüt. Tiefdruckgebiete wirken sich eher negativ auf den Körper aus, sagt Christina Koppe, Medizin-Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst. Empfindliche Menschen reagierten mit Müdigkeit, gereizter Stimmung und Schlafstörungen. „Wir Menschen schätzen eben Wärme und Trockenheit. Was wir nicht mögen, ist Nässe“, sagt der Biologe Josef H. Reichholf.

Dagegen hilft kein Friesennerz mehr, sondern nur das Prinzip Hoffnung. Aber die Prognosen renommierter Klimaexperten sind alles andere als rosig. Der im Oktober 2017 veröffentlichte zweite „Hamburger Klimabericht“ rechnet in der Zukunft „vor allem in den Wintermonaten mit deutlich erhöhten Niederschlagsmengen“. Auch Starkniederschläge und regenreiche Tage könnten zunehmen, während die Trockenperioden im Frühjahr länger dauern werden. Herausgeber des Berichts sind Hans von Storch, Insa Meinke und Martin Claußen. Sie sagen: „Seit 1881 sind die Temperaturen in der Metropolregion Hamburg um etwa 1,4 Grad Celsius angestiegen, davon entfallen rund 1,2 Grad auf die Zeit nach 1951.“ Je nach Erfolg der globalen Klimaschutzpolitik werde sich die Temperatur in Hamburg und Norddeutschland zum Ende des Jahrhunderts (2071–2100) im Vergleich zu heute um weitere ein bis fünf Grad erhöhen.

Wie Klimaexperte Frank Böttcher betont, nimmt infolge dieser globalen Erwärmung die Luft mehr Feuchtigkeit auf. Darüber hinaus treten häufiger Südwestlagen auf, die niederschlagsreicher sind. Dauerniederschläge im Winter, heftige Starkregenereignisse und immer mehr trockene Tage im Sommer dürften nach diesen Prognosen in naher Zukunft fest zum Hamburger Wetter gehören.

„Hamburg-Reisende rechnen nicht mit einem Sonnenbrand“

Profitieren dürfte davon möglicherweise die Landwirtschaft, wenn der Regen nicht zu stark ausfällt. Im „Klimabericht für die Metropolregion Hamburg“ heißt es dazu: „Die in einigen Teilen der Me­tropolregion im Vergleich zum Bundesdurchschnitt niedrigeren Temperaturen und die gute Niederschlagsversorgung stellen eine gute Ausgangslage dar.“

Auch Touristiker kalkulieren an der Elbe bereits mit Regenlagen wie im bayerischen Rohrmoos. Das digitale Stadtportal hamburg.de, die Internetpräsenz der Hansestadt, gibt Tipps gegen „gruseliges Wetter“. Und Michael Otremba, Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH, sagt vorsorglich: „Hamburg-Reisende rechnen nicht mit einem Sonnenbrand.“