Hamburger Hauptbahnhof

Funkenflug-Explosion am Bahnsteig – Politiker alarmiert

Schrecksekunden für die Reisenden: Funkenflug auf Gleis 13

Schrecksekunden für die Reisenden: Funkenflug auf Gleis 13

Foto: Bundespolizei

Oberleitung mit 15.000 Volt fällt auf Regionalzug. Keine Verletzten. Ursache wohl technischer Defekt: Nicht der erste Zwischenfall.

Hamburg. Schrecksekunden für die Reisenden am Hauptbahnhof: Bei der Einfahrt eines Regionalzuges an Gleis 13 ist es am Sonnabendvormittag zu einer kleinen Explosion gekommen. Ursache war vermutlich ein kaputter Stromabnehmer beim Triebfahrzeug. Der Defekt löste explosionsartige Knallgeräusche und Kurzschlüsse mit entsprechendem Funkenflug aus. Dabei riss die Oberleitung mit bis zu 15.000 Volt ab. Sie blieb auf dem Zug liegen.

Das entsprechende Gleis wurde gesperrt. Beamte der Bundespolizei räumten den Bahnsteig und sperrten mit Unterstützung von Bahnmitarbeitern die Zugänge ab. Zwei im Gleis 13 stehende Züge mit rund 150 Reisenden wurden sicher evakuiert. Nach den Erkenntnissen der Bundespolizei wurden keine Reisenden verletzt. Ein Fremdverschulden sei auszuschließen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Es sei stattdessen von einem technischen Defekt auszugehen. Gegen 12.45 Uhr wurde der Einsatz der Bundespolizei vor Ort beendet, die Ermittlungen zum genauen Hergang dauern noch an.

Immer wieder Zwischenfälle am Hauptbahnhof

Der Vorfall ruft Erinnerungen an weitere Zwischenfälle wach, die sich in diesem Jahr am Hauptbahnhof häufen. Im Februar krachte etwa eine defekte Oberleitung auf einen einfahrenden ICE, es kam damals bis auf die Verbindung nach Harburg im gesamten Regionalverkehr zu Problemen. Der hintere Zugteil ließ sich nicht in den Bahnhof ziehen – die noch eingeschlossenen 280 Passagiere mussten auf der Strecke aus dem Zug gerettet werden.

Teils mehrmals im Monat kam es außerdem zu Weichen- und Signal­störungen am Hauptbahnhof, die zuweilen auch alle S-Bahn-Linien betrafen. „Jeder Zwischenfall an diesem Knotenpunkt hat starke Folgen für weite Teile des Bahnbetriebs in Hamburg“, sagte Stefan Barkleit, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Politiker sind alarmiert

Von der Deutschen Bahn heißt es dagegen, dass die Gründe für Störungen im Bahnverkehr „generell sehr vielfältig“ seien. Der ehemalige Monopolist verweist auch immer wieder auf Erfahrungen, nach denen nicht technische Defekte, sondern externe Einflüsse wie Rettungseinsätze die meisten Störungen auslösten. Pro Bahn erkennt dagegen an, dass der Konzern inzwischen viel in die Überholung älterer Technik investiere – dennoch werde die zuvor geübte Zurückhaltung noch auf Jahre in Form von technischen Defekten spürbar bleiben.

Insbesondere die häufigen Pannen im S-Bahn-Verkehr haben auch die Politik alarmiert. Zunächst forderte nur die FDP vom Senat, mehr Druck auf die Deutsche Bahn auszuüben. Vor Kurzem meldeten sich nun auch die Regierungsfraktionen zu Wort. „In der letzten Zeit hat es zu viele Störungen mit zu großen Auswirkungen bei der S-Bahn gegeben“, sagte Ole Thorben Buschhüter, Bahn­experte der SPD-Bürgerschaftsfraktion. „Die längst identifizierten Schwachstellen müssen daher so bald wie möglich beseitigt und die Infrastruktur entsprechend nachgerüstet werden.“

SPD und Grüne fordern Umbau am Hauptbahnhof

Grünen-Verkehrspolitiker Martin Bill nannte die Störungen, Ausfälle und Verspätungen bei der S-Bahn in Hamburg „enorm ärgerlich“. Beide Regierungsfraktionen haben einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, der drei zentrale Maßnahmen einfordert: Erstens sollen die Stromspeiseanlage im Hauptbahnhof umgebaut sowie Wendemöglichkeiten an Dammtor und Sternschanze geschaffen werden, zweitens „neue Weichentrapeze und Signale“ zwischen Harburg Rathaus und Hammerbrook errichtet und das Signalsystem optimiert werden. Und drittens sollen speziell die Weichen zwischen Rothenburgsort und Bergedorf neu geordnet werden.

Der Senat solle dagegen prüfen, ob er die Kosten zunächst teilweise vorschießt, statt auf grünes Licht aus der Zentrale der Deutschen Bahn zu warten – so könne die Modernisierung beschleunigt werden, um die Mängel zu beheben. Auch Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) möchte, dass rasch etwas geschieht. Die S-Bahn sei zwar ein Erfolgsmodell. Nun müsse sie aber „fit gemacht werden für die Zukunft“, so Horch.