Prozessauftakt

Spektakuläre Flucht nach Überfall auf Frau in Othmarschen

Mit dem Fluchtwagen rasten die Räuber in einen Autotransporter

Mit dem Fluchtwagen rasten die Räuber in einen Autotransporter

Foto: Andre Zand-Vakili

Raubüberfall sorgte für Aufsehen. Als Paketbote verkleidet soll ein 30-Jähriger dem Opfer mit dem Tod der Familie gedroht haben.

Hamburg.  Ihr Vorgehen war perfide und brutal: Als Paketboten verkleidet überfielen sie eine Frau in ihrer Wohnung in Othmarschen und versetzten sie in Todesangst. Anschließend gelang den beiden Räubern mit ihrem Diebesgut im Wert von rund 300.000 Euro eine spektakuläre Flucht, die für viel Aufsehen sorgte. Fast genau zwei Jahre später wird nun einem der Täter der Prozess gemacht.

Ab Montag muss sich der heute 30-Jährige wegen schweren Raubs vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg verantworten. Sein Komplize wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hamburg gesondert verfolgt.

Täter soll mit Tod der Familie gedroht haben

Die beiden Männer klingelten damals – zur Mittagzeit des 10. Novembers 2015 – als DHL-Boten getarnt an der Wohnungstür ihres Opfers in der Parkstraße (Othmarschen). Der nun Angeklagte soll nicht lange gefackelt und der damals 50 Jahre alten Frau direkt eine mit Pfefferpatronen geladene Schreckschusspistole an die Stirn gesetzt haben. Nachdem er sie in die Wohnung gedrängt hatte, soll er sein verängstigtes Opfer aufgefordert haben, den Tresor zu öffnen – dabei soll er der Frau gedroht haben, ansonsten sie und ihre Familie zu töten

Die 50-Jährige führte die Räuber in einen Abstellraum, wo sich der Tresor befand und öffnete diesen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verstaute das Duo diverse Schmuckstücke, Bargeld und andere Gegenstände im Wert von rund 400.000 Euro in zwei Taschen und flüchtete.

Opfer folgte den Räubern

Doch so leicht wollte die 50-Jährige es den Räubern wohl nicht machen. Sie folgte den Männern und entriss dem Angeklagten noch auf dem Wohngrundstück eine der Taschen mit Stehlgut im Wert von etwa 100.000 Euro. Dieser holte daraufhin aus, schlug die Frau mit der Faust nieder und flüchtete ohne Beute.

Trotz eines Großaufgebots der Polizei gelang es den Räubern zu entkommen. Zunächst rasten sie mit einem gemieteten Gelände­wagen davon. Auf der Behringstraße fuhren sie mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Autotransporter, wurden gegen einen Baum geschleudert und flohen zu Fuß weiter.

Im April wurde der Angeklagte gefasst

Dreieinhalb Stunden lang war die Polizei mit einem Großaufgebot aus elf Streifenwagen, etwa 30 Beamten der Bereitschaftspolizei, Hubschrauber und Suchhunden im Einsatz. Beamte mit Maschinenpistolen durchsuchten auch die Asklepios Klinik Altona – vergeblich.

Erst im April dieses Jahres wurde der nun Angeklagte gefasst. Am 26. April 2017 meldete sich der 30-Jährige bei der deutschen Botschaft im türkischen Ankara, um neue Ausweisdokumente zu erhalten und nach Deutschland zurückzukehren. Nach der Einreise an einem Berliner Flughafen wurde er festgenommen.