Harbour Front Festival

Ein Lesefest im Zeichen des Kampfs um Wahrheit

Peter Wohlleben war der literarische Gast der Eröffnung des Harbour Front Festivals

Peter Wohlleben war der literarische Gast der Eröffnung des Harbour Front Festivals

Foto: Roland Magunia / HA

Das Harbour Front Literaturfestival wurde am Mittwoch mit Peter Wohlleben als Gast eröffnet.

Hamburg.  Nur die Freiheit des Wortes, sagte Festivalmacher Nikolaus Hansen, „ist der Garant für die Wahrheit“. Das ist ein Satz mit Wucht, das ist ein wichtiger Satz in Zeiten von „Fake News“ und notorisch lügenden Staatsoberhäuptern. Und das ist ein schönes Motto für die neunte Ausgabe des Harbour Front Literaturfestivals, das bis zum 15. Oktober läuft und gestern Abend im Kleinen Saal der Elbphilharmonie feierlich eröffnet wurde.

Dabei trafen Hochkultur – der Pianist Volodymyr Lavrynenko spielte Franz Schubert – und die hehren Sphären der Literatur im Dienste der Wahrheit, die allenthalben beschworen wurde, auf die Natur mit ihren urwüchsigen Vorgängen. Als Ehrengast sprach Deutschlands berühmtester Förster und Wald-Erklärer Peter Wohlleben („Das Seelenleben der Tiere“). Die Literaturfreunde hingen an seinen Lippen: Die derbe Natur in Hamburgs hohem Haus der Kultur, ein Coup der Harbour-Front-Organisatoren. Was Wohlleben dem staunenden Kunstvolk in seinem launigen Vortrag an Kenntnissen vermittelte, war unerhört: Bären und ihre Notdurft, Asseln im Morgenkaffee und dann auch noch der Lichtdrall der Motten ...

Festival mit Türkei-Schwerpunkt

Von den Motten ist es nicht weit zu den Büchermotten, aber die haben auch im übertragenen Sinn mit dem Festival nichts zu tun. Denn sein Programm ist frisch und aktuell. Mit unter anderem dem Türkei-Schwerpunkt, den Topsponsor Klaus-Michael Kühne in seinem Grußwort „nach anfänglicher Verwunderung“ doch guthieß – „möge der freiheitliche Geist des Literaturfests so stark wie möglich in die Türkei ausstrahlen“. Kühne wiederholte seine Feststellung vom vergangenem Jahr, dass den Bürgern der Stadt „Kultur auf erstklassigem Niveau geboten wird“, beim Fußball sei das ja anders. Neben den Sticheleien in Richtung HSV genauso bei Kühne an der Tagesordnung sind die Forderungen an die Kulturbehörde, endlich den größeren Anteil bei der Literaturfestivalförderung zu übernehmen. Ein ritualisiertes Spiel, das Kultursenator Carsten Brosda (SPD) unter dem Gelächter der Zuhörer locker konterte: „So ist das bei Partnerschaften, mal gibt der eine mehr, mal der andere – bei der Elbphilharmonie war bekanntlich unser Beitrag höher als der der Kühne-Stiftung.“

Auf Ehrengast Wohlleben ging Brosda ebenfalls ein. „Schon immer hat sich in Zeiten der Krise der Blick der Menschen in die Natur gewandt. Und so sagt der heutige Abend auch etwas über die Macher des Festivals aus, die ihre Ohren am Zeitgeschehen haben und seit 2009 den Hafen im September in einen Tummelplatz der Kultur und des Geistes verwandeln“, sagte Brosda. Der gleichzeitig seinen Blick auf den 15. Oktober warf, der tatsächlich als Höhepunkt des Festivals gelten darf. Dann lesen nacheinander Joachim Meyerhoff, John le Carré und Salman Rushdie im Großen Saal der Elbphilharmonie.

Harbour Front Literaturfestival bis 15.10. Infos unter harbourfront-hamburg.com