Handel

Budni-Chef greift Kammer-Präses wegen Wahlversprechen an

Cord Wöhlke, Geschäftsführer von Budnikowsky

Cord Wöhlke, Geschäftsführer von Budnikowsky

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Cord Wöhlke fordert Kammer-Präses Tobias Bergmann nach Vorwurf der Wählertäuschung zum Amtsverzicht auf.

Hamburg.  Die Kritik am neuen Präses der Handelskammer, Tobias Bergmann, reißt nicht ab. Nachdem mehrere Hamburger Manager und Mitglieder des Handelskammerplenums dem Chef des Bündnisses „Die Kammer sind WIR“ Wählertäuschung vorgeworfen haben, gibt es nun eine erste Rücktrittsforderung gegen ihn.

Sie kommt von einem herausragenden Hamburger Unternehmer, dessen Name eng mit der Handelskammer verbunden ist: Cord Wöhlke, Chef und Miteigentümer der Drogeriemarktkette Budnikowsky. Wöhlke sagte dem Abendblatt: „Ich habe kein Problem mit Wahlergebnissen, aber ich habe ein Problem damit, wie dieses Ergebnis zustande gekommen ist.“

Wahlversprechen nicht haltbar

Bergmanns Wahlversprechen, die Pflichtbeiträge für die Kammermitgliedschaft ab 2020 abzuschaffen, sei von vornherein nicht haltbar gewesen, so Wöhlke. Und weiter: „Nachdem er es jetzt gebrochen hat, müsste Herr Bergmann eigentlich zurücktreten.“

Wöhlke sagt das nicht als Unbeteiligter. Er hat sich lange in der Kammer engagiert und im Handelsausschuss mitgewirkt. Bei den jüngsten Wahlen zum Plenum der Hamburger Wirtschaftsvertretung kandidierte er für das Bündnis „Vorfahrt für Hamburg“. Allerdings verpasste Wöhlke den erneuten Einzug ins Plenum.

Budnikowsky-Sohn Christoph arbeitet in der Kammer mit

Anders als Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang, Niels Pirck, Geschäftsführer der Servicegesellschaft Haspa Direkt, und Christian Koopmann, Chef der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten (VHSS). Die drei Manager haben als einzige Kandidaten, die nicht Bergmanns Wahlbündnis „Die Kammer sind WIR“ angehörten, den Sprung ins Plenum geschafft.

Sie hatten dem neuen Präses am Mittwoch im Abendblatt vorgeworfen, die Wähler hinters Licht geführt zu haben. Bergmann hatte zuvor erklärt, die Abschaffung der Pflichtbeiträge sei vor 2020 nicht möglich, weil erst jetzt die hohen finanziellen Verpflichtungen der Kammer bei der Altersvorsorge für Mitarbeiter deutlich geworden seien.

"Unseriöses" Versprechen

Nach Ansicht seiner internen Kritiker müsste Bergmann schon vor zwei Jahren über die finanziellen Lasten informiert gewesen sein – damals noch als einfaches Plenumsmitglied. Bergmann habe sogar für eine Auflösung weiterer Rückstellungen plädiert – den Hamburger Unternehmen im Wahlkampf aber trotzdem die Abschaffung der Pflichtbeiträge versprochen. Laut Haspa-Chef Vogelsang habe Bergmann schon lange gewusst, dass er sein Wahlversprechen nicht werde erfüllen können. Dass er es dennoch weiter propagierte, sei „unseriös“ gewesen.

Budni-Chef Wöhlke sagt dazu : „Ich kann die Kritik gut nachvollziehen. Ich habe damals im Plenum gesessen und die ganzen Auseinandersetzungen über die Rückstellungen miterlebt. Herr Bergmann ist über alle finanziellen Belange der Kammer informiert gewesen.“

Bergmann kontert, die Bildung weiterer Rücklagen sei rechtswidrig gewesen, das habe sogar ein Gericht festgestellt. Er habe großen Respekt vor der Lebensleistung und dem Unternehmergeist Cord Wöhlkes. Zu dessen Rücktrittsforderung wolle er sich nicht äußern, sagte Bergmann dem Abendblatt. „Wir freuen uns aber sehr, dass mit Christoph Wöhlke ein Mitglied der Familie und Budni-Geschäftsführung als Plenumsmitglied kooptiert werden konnte.“ Wöhlke junior hatte nicht kandidiert, ist aber vom Plenum nachträglich bestellt worden. Er soll wie zuvor sein Vater dem Einzelhandel in der Kammer eine Stimme geben.

Bergmann plant unterdessen schon die Plenumssitzung Anfang September. Dann soll das Gehalt festgelegt werden, dass der künftige Hauptgeschäftsführer der Handelskammer erhalten soll. Der Posten soll im Oktober nachbesetzt werden, weil der alte Amtsinhaber Hans-Jörg Schmidt-Trenz Anfang Mai gehen musste. Mit einem Gehalt von rund 500.000 Euro im Jahr war er den Kammer-Rebellen zu teuer.

Diskussion um Gehalt

Nur noch so viel wie ein Wirtschaftssenator, also rund 150.000 Euro pro Jahr, dürfe der Nachfolger kosten, hieß es im Wahlkampf. Der Präses rückt nun auch von dieser Summe ab. Berechnungsgrundlage für das Geschäftsführergehalt sei nun das Jahresgehalt des Wirtschaftssenators plus dessen Rentenansprüche, sagte Bergmann dem Abendblatt – also eher 190.000 Euro. Schmidt-Trenz erhält neben 775.000 Euro Abfindung weiter Geld von der Kammer: 120.000 Euro für die Ausrichtung des nächsten China-Gipfels und 11.000 Euro monatlich als Präsident der Hamburg School of Business Administration.