Hamburg

Wegen Unzufriedenheit mit Medien: AfD macht eigene Zeitung

Der Hamburger AfD-Fraktionschef Jörn Kruse

Der Hamburger AfD-Fraktionschef Jörn Kruse

Foto: picture alliance

Die AfD-Fraktion will jetzt mal so richtig informieren – ganz neutral und mit einigen Wi(e)dersprüchen.

Hamburg. "Wir machen diese Zeitung, weil sich unsere umfangreiche Arbeit in den Hamburger Medien selten wiederspiegelt und Teile dieser Medien nicht neutral berichten“, schreibt Prof. Dr. Jörn Kruse im Editorial des nagelneuen Mitteilungsblatts der Hamburger AfD-Fraktion. Liebe Asylbewerber, liebe Flüchtlinge und Ausländer, die ihr gerade Deutsch lernt: Nehmt euch bitte kein Beispiel daran. Das „e“ hinter dem „i“ in dem Wort „wiederspiegelt“ ist falsch! Die richtige Schreibweise lautet „widerspiegelt“. Man könnte auch sagen: Dieser Teil des AfD-Mitteilungsblatts gefährdet den Integrationsprozess.

Aber die AfD will mit ihrer Fraktionszeitung ja nicht integrieren – sie will jetzt mal so richtig informieren. Endlich Gegenöffentlichkeit herstellen! AfD-Fraktionschef Kruse findet: „Die Medien berichten häufig nicht über das, was ist, sondern über das, was ihrer Meinung nach sein soll.“ Diese Lügenpresse! Die geht natürlich gar nicht.

Leser im Zahlen-Wirrwarr

Auf zwölf Seiten zeigt die AfD, wie es anders geht. Zum Beispiel beim Thema Kriminalität. „Für den innenpolitischen Sprecher der AfD-Fraktion in der Bürgerschaft ist der Rückgang der angezeigten Straftaten um zuletzt 1,6 Prozent keine Freude“, ist da über Dirk Nockemann zu lesen. Nebenan, auf derselben Seite, heißt es in einem weiteren Text: „Die Gesamtzahl der Straftaten nimmt ab (1,9 Prozent).“ Für den Leser ist dieser kleine Unterschied gewiss kein Anlass zur Freude. Was ist, liebe AfD? Was soll deiner Meinung nach richtig sein? 1,9? Oder 1,6?

Nächster Satz: „47,4 Prozent aller Tatverdächtigen in Hamburg waren 2016 Nichtdeutsche“. Zwei Seiten später heißt es: „43 Prozent der 2016 in Hamburg durch die Polizei erfassten Tatverdächtigen haben nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.“ Was ist, liebe AfD? Was soll denn deiner Meinung nach nun richtig sein?

Ja, dieser Journalismus. Er macht Mühe, er erfordert Präzision. Es ist durchaus nicht einfach, diese komplizierte Realität korrekt widerzuspiegeln. Aber dafür gibt es ja Fachleute. Und selbst die sind vor Fehlern nicht gefeit.