Demonstration

Vorbild USA: erster Hamburger Frauenmarsch an der Alster

Anlässlich seines 100. Tages im Amt gingen Frauen Ende April in New York gegen US-Präsident Donald Trump auf die Straße

Anlässlich seines 100. Tages im Amt gingen Frauen Ende April in New York gegen US-Präsident Donald Trump auf die Straße

Foto: dpa Picture-Alliance / Erik Mcgregor / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Mehr als 20 Vereine rufen für Sonnabend zum Kampf für mehr Respekt und friedvolles Miteinander auf. Auch Männer sind eingeladen.

Hamburg.  Mehr als vier Millionen amerikanischer Frauen sind im Januar, einen Tag nach der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump, gegen dessen Politik vorausmarschiert. Ihrem Beispiel folgen nun immer mehr Frauen aus der Alten Welt – auch in Hamburg. Am kommenden Sonnabend startet auf dem Rathausmarkt der „1. Hamburger Frauenmarsch“, der einmal rund um die Binnenalster führen soll.

Mehr als 20 Vereine, Verbände und Interessengruppen – vom Landesfrauenrat Hamburg und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband über Terre des Femmes und den Interkulturellen Familienverbund bis hin zu HamburgAsyl – wollen mit dieser Demonstration „in Zeiten von aufkommendem Rechtspopulismus, religiösem Fanatismus und Frauen- und Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen setzen“, sagt Hourvash Pourkian vom Verein Kulturbrücke Hamburg, der diese Protestkundgebung federführend organisiert hat. „Wir Frauen und Migrantinnen wollen auf diesem Marsch Hand in Hand und mit offenen Herzen allen Hamburgerinnen und Neubürgerinnen entgegengehen.“

Bis zu 3000 Teilnehmerinnen erwartet

Das gemeinsame Anliegen sei dabei in erster Linie, für die Werte unserer Demokratie einzustehen sowie für mehr Weltoffenheit, Selbstbestimmung, Menschlichkeit, gegenseitigen Respekt und für ein lebenswertes, sozial gerechtes und friedvolles Miteinander von Deutschen und Menschen mit Mi­grationshintergrund, so Pourkian. Pa­triarchale Systeme lehnten die Frauen grundsätzlich ab. „Aber selbstverständlich sind auch die Männer dazu eingeladen, sich ihren Frauen anzuschließen“, sagt die iranischstämmige Unternehmerin, die sich seit 2002 – damals wurde sie Mitglied des ersten „Integrationsbeirats“ der Hansestadt im Senat von Ole von Beust (CDU) – in der Integrationsarbeit engagiert.

Dabei dürfte sie wohl auch auf den im vergangenen Jahr verstorbenen Friedensnobelpreisträger und ehemaligen israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres schielen, der in einer seiner letzten Reden sagte: „Länder und Regionen, die mit Frauen die oftmals kreativste Hälfte ihrer Bevölkerung unterjochen, werden nie aufsteigen und immer ein Stabilitätsrisiko sein.“

Zurzeit rechnen die Veranstalterinnen mit bis zu 3000 Teilnehmerinnen, die ihren Unmut gegen all diejenigen zum Ausdruck bringen wollen, die mit rechtspopulistischer Propaganda und religiösem Fanatismus „die demokratische Gesellschaft hier in Deutschland zu spalten und so die Grundrechte auf Frieden, Freiheit und Demokratie“ zu erschüttern versuchen. Unterstützung für die Hamburger Aktion kommt inzwischen auch von der Bewegung „Womens March on Washington“.

„Es geht darum, die Menschen zu vereinen, ganz gleich welcher Kultur oder Nationalität sie angehören“, sagt Hourvash Pourkian. „Wir wollen neue Brücken bauen und bereits gebaute Brücken zwischen der Mehrheitsgesellschaft, den Einwanderern und den Geflüchteten festigen.“

Allerdings hatte der „1. Hamburger Frauenmarsch“ schon einen, zunächst wenig beachteten und wohl auch eher spontanen Vorläufer, als sich 25 Frauen am 21. Januar dieses Jahres zu einer ähnlichen Protestkundgebung auf dem Rathausmarkt angemeldet hatten. Am Ende kamen immerhin rund zehnmal so viele Frauen, um durch die Innenstadt zum amerikanischen Generalkonsulat am Alsterufer zu laufen.

Zentrales Thema Kopftuchfrage

Im Anschluss an den Marsch um die Binnenalster soll es auf dem Rathausmarkt noch eine Abschlusskundgebung geben, zu der unter anderen die Soziologin und Islamkritikerin Necla Kelek sowie Heidemarie Grobe von Terre des Femmes als Rednerinnen erwartet werden. Ein zentrales Thema dürfte dabei die Kopftuchfrage sein. „Denn das Tragen eines Kopftuchs ist historisch betrachtet lediglich der Ausdruck eines patriarchalischen Systems, damit die Frauen kon­trolliert werden können“, sagt Hourvash Pourkian. „Tatsächlich aber stellt das Kopftuch eine wesentliche Form der Ausgrenzung dar.“

Sie hofft, dass viele Hamburgerinnen und Hamburger die Möglichkeit nutzen werden, mit den Teilnehmerinnen des Marsches ins Gespräch zu kommen. „Wir sehen diesen Hamburger Frauenmarsch auch als große Chance, die Vielfalt der Menschen und Kulturen zu feiern“, sagt Pourkian. „Und wo kann man das besser als in Hamburg, dieser internationalen Stadt?“

Hamburgs Frauen und Hamburger Migrantinnen gehen voran – für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde: am Sonnabend, 13. Mai, ab 14 Uhr, Start und Ziel: Rathausmarkt, dazwischen Rundgang um die Binnenalster, Ende der Veranstaltung gegen ca. 16.30 Uhr.