Hamburg

Mehr Bäume gefällt als gepflanzt

Bilanz wird etwas besser. Kerstan lobt Engagement des Senats – und erntet Spott

Hamburg. Noch immer geht die Gesamtzahl der Bäume in Hamburg Jahr für Jahr zurück. Grund: Es werden vor allem wegen vieler Bauvorhaben mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt. Immerhin: Der Rückgang des Bestandes wurde nun gebremst. Während Hamburg zwischen 2012 und 2015 laut Senat in der Summe immer deutlich mehr als 1000 Bäume pro Jahr verlor, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 250. Insgesamt 2031 Fällungen standen 1781 Neupflanzungen gegenüber. Dass die Zahl neuer Bäume den höchsten Stand seit Jahren erreicht hat, hängt mit der Aktion „Mein Baum – Meine Stadt“ zusammen, die von Unilever Deutschland und weiteren Unternehmen ins Leben gerufen worden war. Dabei spenden Firmen und Bürger der Stadt neue Bäume.

Zur sichtbaren Unterstützung der Aktion pflanzte der grüne Umweltsenator Jens Kerstan am Montag für die Aktion eine Sumpfeiche in der HafenCity. „Straßenbäume sind zurecht das Symbol für Natur in der Stadt“, sagte Kerstan. „Der Senat hat den Etat für Nachpflanzungen aufgestockt, und mit der neuen Initiative der Wirtschaft werden unsere Chancen, Fällen und Nachpflanzen von Straßenbäumen auch längerfristig auszugleichen, noch besser.“

CDU-Umweltpolitiker Stephan Gamm bezeichnete den Auftritt Kerstans als „schlechten Witz“. Dieser versuche, den anhaltenden Baumschwund als Erfolg zu verkaufen. Linken-Umweltpolitiker Stephan Jersch sagt, Kerstan wolle „vor dem G20-Gipfel seine Mitwirkung an den UN-Nachhaltigkeitszielen nachweisen“. Da es seit 2012 einen Netto-Schwund von fast 5500 Bäumen gegeben habe, sei Kerstan aber „nur ein Umweltritter von der traurigen Gestalt“.