Medizin-Serie

Wie ein Architekt mit Luft und Licht das Wohnen verbesserte

Gustav Oelsner, von  1924-1933 Bausenator in Altona

Gustav Oelsner, von 1924-1933 Bausenator in Altona

Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

Bausenator Gustav Oelsner sorgte mit neuen Wohnsiedlungen in Altona für bessere Lebensbedingungen der Arbeiterschicht.

Hamburg. Gustav Oelsner (1879–1956) war Architekt und von 1924 bis 1933 Bausenator in Altona. Schon während seines Studiums beschäftigte er sich mit der sogenannten Sozialhygiene. Dabei ging es vor allem um Reformbestrebungen, die zum Ziel hatten, die Infektionskrankheiten Tuberkulose und Cholera in den Armutsvierteln der Großstädte zu bekämpfen. 1924 kam er als Bausenator nach Altona und setzte dort zusammen mit dem Bürgermeister Max Brauer seine Ideen um.

Raus aus dunklen, feuchten Wohnungen

Mit Luft, Licht und Sonne wollte er eine neue Lebensqualität für die Arbeiter schaffen, sie aus ihren engen, dunklen und schlecht belüfteten Wohnungen herausholen. Unter seiner Führung entstanden neue Wohnsiedlungen. Außerdem sorgte er dafür, dass private Parkgrundstücke an der Elbe aufgekauft werden, in öffentlichen Besitz übergingen und so für alle Bürger als Erholungsgebiet zugänglich wurden.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten fand die Arbeit des engagierten Architekten ein jähes Ende. 1933 wurde er im Alter von 54 Jahren in den Ruhestand geschickt. Man versuchte sogar, ihm wegen Verschwendung öffentlicher Gelder den Prozess zu machen. Da er aber alle Anschuldigungen widerlegen konnte, wurde er freigesprochen. Nichtsdestotrotz machten ihm die Nazis wegen seiner jüdischen Abstammung das Leben schwer und lehnten seinen Baustil ab. Viele seiner Bauten wurden abgerissen.

Die Nazis vertrieben ihn

Um der Verfolgung durch das NS-Regime zu entkommen, emigrierte Oelsner schließlich in die Türkei. Dort beriet er die türkische Regierung in Fragen des Städtebaus.

1949 holte Max Brauer, mittlerweile Bürgermeister in Hamburg, den Architekten in die Hansestadt zurück. Hier arbeitete er noch drei Jahre als Referent für Aufbauplanung und ging 1952 in den Ruhestand. Für sein großes Engagement in der Türkei verlieh ihm die Technische Universität Istanbul 1955 die Ehrendoktorwürde. Ein Jahr später starb Oelsner in Hamburg.