Serie Teil 2

Ein kühler Kopf sorgt für angenehmes Klima

Fabian Schulte, Mechatroniker für Kältetechnik zeigt seine Abschlussarbeit, das Siegerobjekt im Bundeswettbewerb aller Kältetechniker

Fabian Schulte, Mechatroniker für Kältetechnik zeigt seine Abschlussarbeit, das Siegerobjekt im Bundeswettbewerb aller Kältetechniker

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Hamburgs beste Nachwuchshandwerker: Fabian Schulte ist Bundessieger beim Leistungswettbewerb der Kältetechniker.

Hamburg.  Nach dem Abitur dachte Fabian Schulte an die große, weite Welt. Er wollte zur See fahren. Die Ausbildung zum Kälteanlagenbauer sollte die Grundlage dafür sein. Eine praktische Ausbildung mache sich gut auf einem Schiff, auch als Offizier, dachte er. Eigentlich sollte also der Hamburger Ausbildungsbetrieb, die Firma Kälte Bast, nur ein Sprungbrett sein. Nicht ungewöhnlich für Abiturienten, die zwar gerne im Handwerk eine Ausbildung machen, dann aber weiterziehen.

Ein Beruf mit Anspruch

Doch der 22-Jährige möchte jetzt erst einmal in seinem Beruf arbeiten. Denn er hat gesehen, wie erfolgreich seine Arbeit ist. Er belegte in seiner Branche den ersten Platz im bundesweiten Leistungswettbewerb des Handwerks. Damit ist er unter allen Hamburger Gewerken der Einzige mit einer solchen Platzierung.

Das Interesse für die Kältetechnik kam über seinen Vater, der der Firma Bast Aufträge erteilte. „Mir gefällt die Vielseitigkeit an diesem Beruf, man ist immer mal woanders“, sagt Schulte. „Einerseits bauen wir neue Klimaanlagen ein, andererseits warten wir sie auch. Da muss man selbstständig auf Fehlersuche gehen. Das ist ein Beruf mit Anspruch. Da braucht man einen kühlen Kopf und geschickte Hände.“

Kälteanlage für die Hamburger Meile

Die 1948 gegründete Firma Bast baute und reparierte zunächst Eismaschinen, Kühlräume und Kühltheken. Anfang der 70er-Jahre kamen die Klimageräte hinzu, die bis dahin in Deutschland weitgehend unbekannt waren. Heute realisiert Kälte Bast mit 60 Beschäftigten die unterschiedlichsten Projekte. „Wir planen mit eigenen Ingenieuren“, sagt Jan Zwiener, der Ausbilder von Fabian Schulte. „Es geht bei uns um den Bau von Umluftkühlanlagen in Großküchen, Kaufhäusern oder Gewerbehallen.“ Das Unternehmen hat auch an vielen Hamburger Berufsschulen Lüftungstechnik installiert. Ebenso kommt die Klimatechnik im Einkaufszentrum Hamburger Meile von Bast. „Bei der Klimatisierung von Einkaufszentren werden hochflexible Anlagen benötigt, die später mit unterschiedlichen Anforderungen der Mieter harmonieren müssen“, sagt Zwiener. Rechenzentren in Banken stellen höchste Anforderungen an die Betriebssicherheit. Bei den Anlagen von Bast geht es um eine angenehme Kühle und nicht um Kühlanlagen, in denen Fleisch oder Gefriergut gelagert wird.

Absprache mit anderen Gewerken

Schulte hat, als er noch in der Ausbildung war, für ein optimales Klima im Landesrechnungshof in Kiel gesorgt. „Zusammen mit meinem Kollegen ein solches Projekt auf uns allein gestellt zu bewerkstelligen ist schon eine Herausforderung“, sagt Schulte. „Man muss sehr strukturiert handeln, und dazu braucht man viel Wissen.“ 104 Innen­geräte mussten mit dem Kühlaggregat auf dem Dach mit Rohren und Kabeln verbunden werden. „Der entscheidende Moment ist immer, wenn eine solche Anlage in Betrieb genommen wird und dann alles funktioniert“, sagt Schulte. Auf einer Baustelle kommen dann noch andere Anforderungen hinzu wie die Abstimmung mit anderen Gewerken. „Damit nicht der nächste Handwerker einreißt, was man gerade eben geschaffen hat“, sagte Schulte.

Mit solchen Aufgaben war er gut gerüstet für sein Gesellenstück und den Leistungswettbewerb, wo er Erster wurde. Insgesamt waren neun angehende Mechatroniker für Kältetechnik angetreten. Bei diesem Wettbewerb konnte ihm jeder auf die Finger sehen. Denn er fand auf der Branchenmesse Chillventa in Nürnberg statt. „Wir mussten ähnlich wie schon bei der Gesellenprüfung eine Kälteanlage aufbauen, aber die Anforderungen waren komplexer“, sagt Schulte.

Mangelnde Mathekenntnisse beim Nachwuchs

Bewertet wird dann nicht nur Dichtheit und Funktionsfähigkeit der Anlage, sondern auch wie gut die Rohre gebogen sind und wie effektiv die Leitungsführung aufgebaut ist. Noch eine andere Hürde musste er nehmen: Die Isolierung der Rohre mit Schaumstoff, der sorgfältig verklebt werden muss. Das ist eine Tätigkeit, die er nicht so mag. Aber am Ende überzeugte er die Prüfer mit seiner Arbeit.

Die Firma Kälte Bast bildet regelmäßig Lehrlinge aus. „Zurzeit haben wir fünf Lehrlinge, darunter auch einen Flüchtling“, sagt Zwiener. Doch es sei schwer, geeignete Bewerber zu finden. „In den Schulen wird zu wenig Werbung für das Handwerk gemacht“, sagt Zwiener. Ein Realschulabschluss mit guten Noten ist Voraussetzung für die Ausbildung. Neben mangelnden Kenntnissen in Mathematik, Physik oder Chemie sieht Zwiener noch ein anderes Pro­blem. „Vielen Kindern fehlt der Vater.“ Darin sehe er eine Ursache, „dass viele noch nie ein Handwerkszeug in der Hand gehabt haben, wenn sie zu uns in die Ausbildung kommen“.

Schulte will der Branche treu bleiben. „Als nächsten Schritt möchte ich die Meisterschule absolvieren oder eine Fortbildung zum Techniker machen.“ Die Seefahrt lockt erst mal nicht mehr. Denn er hat sich bewusst gemacht, wie lange er dann immer von zu Hause fort wäre. „Das ist vielleicht doch nicht so gut, weil auch die Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt sind.“

Infos über Kältetechniker

128 junge Handwerker machen derzeit eine Ausbildung als Mechatroniker für Kältetechnik. Die Ausbildungszeit beträgt 3,5 Jahre, das Ausbildungsgehalt im ersten Jahr 420 Euro, im zweiten Jahr 480 Euro und im dritten Jahr 590 Euro. Im letzten Ausbildungsjahr gibt es 650 Euro. Das Anfangsbruttogehalt eines Gesellen liegt zwischen 2100 und 2500 Euro.