Altstadt

Der Traum vom Naturkundemuseum

Hamburger Professor erläutert Pläne für ein „Evolutioneum“. Mäzene gesucht

Altstadt. Auf dem Weg zu einem neuen Hamburger Naturkundemuseum sind zwar noch etliche Hürden zu nehmen – gleichwohl könnte bereits 2019 der Grundstein für eine solche Einrichtung gelegt werden, glaubt Matthias Glaubrecht, Direktor des Centrums für Naturkunde (CeNak) an der Universität Hamburg. „Hamburg ist ja eine reiche Stadt. Es lohnt sich, in dieses Jahrhundertprojekt zu investieren“, sagte der Biologieprofessor am Mittwochabend im Haus der Patriotischen Gesellschaft, wo er vor 200 Gästen seine Vision für ein „Evolutioneum“ präsentierte.

Dieses Forschungsmuseum soll die Entwicklung der Arten veranschaulichen, den Einfluss des Menschen auf die Natur zeigen und Einblicke in die aktuelle Arbeit von Hamburger Wissenschaftlern ermöglichen, erläuterte Glaubrecht im Gespräch mit Matthias Iken, dem stellvertretenden Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Im Auftrag der Wissenschaftsbehörde hat Glaubrecht mehrere Szenarien ausgearbeitet. Für den Bau eines neuen Museums veranschlagt er je nach Ausstellungsfläche 75 bis 120 Millionen Euro. Für Betrieb, Personal und Instandhaltung rechnet er mit 6,38 Millionen für die kleine und 7,7 Millionen Euro für die große Variante. Glaubrecht will nun eine Stiftung gründen, deren Zinserträge einen Teil der Betriebskosten finanzieren sollen. Hinzukommen könnten Erlöse aus Ticketverkäufen und Geld aus dem Etat der Universität, so seine Idee. „Bei den Baukosten und der geplanten Stiftung sind wir auf Mäzene angewiesen“, sagte Glaubrecht.

Er plant zudem eine Vorstudie für ein Ausstellungskonzept und einen Architektenwettbewerb, der Ideen für eine neue Unterbringung der Hamburger Schausammlungen liefern soll.

Einst besaß Hamburg ein großes Naturkundemuseum. Es befand sich am Steintorwall nahe dem Hauptbahnhof. Wäre es im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden, hätten die Hamburger in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiern können. Heute steht an seiner Stelle ein Elektrogroßmarkt.

Schätzungsweise zehn Millionen Objekte umfasst die zoologische Sammlung der Uni Hamburg. Davon waren bisher allerdings nur 1300 Exponate im Zoologischen Museum am Martin-Luther-King-Platz zu sehen – für mehr ist auf 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche kein Platz. Die meisten Stücke lagern in Kellern und Magazinen. Auch das Geologisch-Paläontologische und das Mineralogische Museum, die in anderen Gebäuden untergebracht sind, können nur eine Auswahl von 100.000 Fossilien und 90.000 Mineralien zeigen.

Im Frühjahr 2017 soll der neue Eingang des Zoologischen Museums zur Bundesstraße hin eröffnet werden. Dafür wurde ein kleiner Teil der Ausstellung neu gestaltet. Glaubrecht würde aber gerne viel mehr zeigen und Zoologie, Paläontologie und Mineralogie unter einem Dach vereinen.