Bahn

Metronom kann Ausfälle auf Pendlerstrecken nicht stoppen

Derzeit müssen Nutzer der Strecke Hamburg-Lüneburg wiederholt mit Ausfällen von Metronom-Zügen rechnen (Archiv)

Derzeit müssen Nutzer der Strecke Hamburg-Lüneburg wiederholt mit Ausfällen von Metronom-Zügen rechnen (Archiv)

Foto: imago/Klaus Martin Höfer

Strategie des Unternehmens schlägt fehl. Gewerkschafter benennt Mängelliste. "Pro Bahn“ macht "gewisse Unruhe" bei Metronom aus.

Hamburg. Bei dem Bahnunternehmen Metronom ist es auf den Pendlerstrecken nach Hamburg erneut zu Zugausfällen gekommen: Zahlreiche Pendler, die am Montagmorgen von Lüneburg nach Hamburg fahren wollten, kamen deshalb zu spät zur Arbeit. Gleich drei Verbindungen nach Hamburg fielen innerhalb einer Stunde aus: 7.09 Uhr, 7.32 Uhr sowie 8.04 Uhr. Nur ein Ausfall war zuvor angekündigt worden. Die ungewöhnliche Strategie des Metronom, einzelne Zugverbindungen zu streichen, um weitere kurzfristige Ausfälle zu vermeiden, ist damit offenbar nicht aufgegangen.

In den vergangenen Wochen waren immer wieder Verbindungen auf den Strecken Hannover-Hamburg, Bremen-Hamburg und Cuxhaven-Hamburg spontan abgesagt worden. Grund dafür sind laut Metronom ein massiver Personalmangel sowie zwei defekte Fahrzeuge. Aber auch kurzfristige Krankmeldungen führen immer wieder zu Ausfällen, wie aus aktuellen Lage-Meldungen des Unternehmens hervorgeht.

Gewerkschaft: Überall fehlen Lokführer

Ein Problem, das offensichtlich derzeit bei vielen deutschen Bahn-Unternehmen herrscht, wie es bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) heißt. "Bundesweit fehlen bis zu 1000 Lokomotivführer“, sagt der Hamburger GDL-Bezirksvorsitzende Hartmut Petersen. Die Unternehmen hätten Ausbildung und Einstellung seit Jahren vernachlässigt. Not-Bereitschaftsdienst wie früher seien abgebaut worden, um Personalkosten zu sparen. Stattdessen seien Mitarbeiter immer kurzfristiger eingesetzt worden. Oder sie seien wie beim Metronom mit Prämien dazu gelockt worden, auf Ruhetage zu verzichten, um Lücken schnell noch zu füllen.

„Geld ist aber nicht alles, wenn es um die Gesundheit geht“, sagt Petersen. Bei Krankmeldungen finde man deshalb häufiger keinen Ersatz mehr. Zu Engpässen komme es aber auch bei den Zugbegleitern, gerade in den Ballungsgebieten wie in Hamburg, wo es kaum bezahlbare Wohnungen gebe, sagt der Gewerkschafter.

"Pro Bahn" vermutet Unruhen bei Metronom

Nach Einschätzung des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“ verschärft sich die Situation beim Metronom zusätzlich durch eine „gewisse Unruhe“ im Unternehmen, wie der Pro-Bahn-Vorsitzende in Hamburg, Birger Wolter, vermutet. Es habe da sehr viele Wechsel im Management gegeben, zudem müsse die Metronom Eisenbahngesellschaft sich gerade heftiger Konkurrenz stellen, was ebenfalls Unsicherheiten schaffe.

Metronom vor weiterem Streckenverlust

Tatsächlich hat das Unternehmen vor kurzem die Strecke Cuxhaven-Hamburg an die DB Regio verloren, die den Betrieb im Dezember 2018 übernehmen wird. Bald könnte es für den privaten Bahnbetreiber noch enger werden – vor allem angesichts der aktuellen Probleme. Denn im November wird auch das sogenannte Hansenetz – die Strecken zwischen Göttingen, Hannover, Uelzen, Lüneburg und Hamburg sowie zwischen Hamburg, Buchholz, Rotenburg und Bremen – neu ausgeschrieben.

"Wir rechnen mit mehreren Bewerbern", sagt Rainer Peters, Sprecher der federführenden Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Ausschlaggebend sei das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. So werde angestrebt, den Zwangsumstieg in Uelzen zumindest teilweise zu beseitigen. Eine Entscheidung über die Neuvergabe soll laut Peters im Sommer 2017 fallen. Der Gewinner werde den Betrieb zum Fahrplanwechsel 2018 für voraussichtlich 15 Jahre übernehmen.