Aktuelle Studie

Hamburger bekommen weniger Kinder – aus Angst

Nur in 18 Prozent der Haushalte leben Kinder. Eine neue Studie zeigt: Viele Paare entscheiden sich bewusst gegen Nachwuchs.

Hamburg. Angst ist der Grund für die sinkenden Geburtenraten in Hamburg und im Rest der Republik. Zu diesem Ergebnis kommt die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in einer entsprechenden bundesweite Umfrage unter mehr als 2000 Teilnehmern. Danach geben 63 Prozent der Befragten an, dass die Sorge um die (zu hohen) Kosten für Kinder der Hauptgrund sei, weshalb die Bürger keine Familien gründeten.

61 Prozent befürchten, sie würden ihre Unabhängigkeit und Freiheit verlieren, 55 Prozent sorgen sich um die Karriere und 46 Prozent sehen einer unsicheren Zukunft für die eigenen Kinder entgegen. „Es ist die viel zitierte German Angst. Die Angst der Menschen, Kinder zu bekommen“, sagte der wissenschaftliche Leiter der Studie Professor Dr. Ulrich Reinhardt am Mittwoch bei der Vorstellung der Ergebnisse in Hamburg.

„Hamburg ist ängstlicher als der Bundesdurchschnitt“

In Deutschland bekommt eine Frau durchschnittlich 1,47 Kinder. Damit liegt die Bundesrepublik im EU-Vergleich auf Platz 17. In Hamburg selbst ist die Quote noch geringer. Hier sind es nur 1,41 Kinder pro Frau.

Unterdurchschnittlich ist auch der Anteil der Familienhaushalte. Bundesweit liegt deren Anteil bei nur noch 29 Prozent, in Hamburg sind es nur 18 Prozent. „Hamburg ist somit ängstlicher als der Bundesdurchschnitt“, so Reinhard. Er betonte allerdings, dass es sich bei diesen Zahlen nicht um ein typisches Hamburger Phänomen handele. Vielmehr seien in allen deutschen Metropolen ähnliche Zahlen zu verzeichnen. Gründe dafür seien die überdurchschnittlichen Anteile von kinderlosen Paaren und Single-Haushalten in Großstädten.

CDU will Hamburg zur „Kinder- und Familienstadt“ machen

CDU-Fraktionschef André Trepoll nahm die Studie zum Anlass, eine „aktivere Familienpolitik“ zu fordern. „Es ist Aufgabe der Politik, sich diesem Trend entgegenzustellen. Deutschland und Hamburg müssen familienfreundlicher werden. Wir brauchen ein Klima, in dem Paare wieder den Mut finden, sich für Kinder zu entscheiden“, sagte Trepoll.

Die CDU wolle Hamburg zur „Kinder- und Familienstadt“ machen. Dafür müsse etwa familiengerechtes Wohnen gefördert oder Kita-Zeiten flexibler werden, um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen.

Professor Reinhardt sieht sowohl Politik als auch Unternehmen in der Pflicht, den Bürgern die Ängste zu nehmen. „Die Politik muss weiter konsequent die Rahmenbedingungen für Familiengründungen verbessern. Unternehmen sollten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch leben.“

Gleichzeitig müssten sich die Bürger fragen, ob bei allen Ängsten und Sorgen, Einschränkungen und Kompromissen, Kinder nicht dennoch zu deutlich mehr Lebensqualität und persönlichem Glück beitragen als Geld, Freiheit oder eine Karriere. „Zunehmend mehr scheinen dies auch genauso zu sehen: Im letzten Jahr wurden 737.575 Kinder geboren und damit rund zehn Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.“ Dennoch wies Reinhardt gleichzeitig darauf hin, dass Paare mindestens zwei Kinder bekommen müssen, damit die Bevölkerungszahl nicht weiter schrumpft.