Protestzug

Demo des Straßenkinderprojekts "Kids" in der City

Demo des Kids-Projekts auf der Mönckebergstraße

Demo des Kids-Projekts auf der Mönckebergstraße

Foto: HA

Die Zukunft der Einrichtung Kids ist ungewiss. 6000 haben für den Erhalt unterschrieben. Jetzt haben die Unterstützer demonstriert.

Hamburg. Demo durch die Innenstadt: Bei einem Protestzug für den Erhalt des Straßenkinderprojekts "Kids" versammelten sich am Nachmittag mehr als 100 Demonstranten. Sie zogen vom Hauptbahnhof durch die Mönckebergstraße bis zum Rathaus. Der Protest verlief nach Angaben der Polizei friedlich.

Der Hintergrund: Deutschlands größtes Straßenkinderprojekt "Kids" steht vor dem Aus und muss bis zum 1. Oktober die Räume im Bieberhaus am Heidi-Kabel-Platz räumen. Weil die Zukunft der Einrichtung noch immer nicht gesichert ist, forderten 6000 Hamburger bereits in einer Online-Petition unter anderem Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Sozialsenatorin Melanie Leonhard (beide SPD) dazu auf, sich für den Verbleib des Projektes im Bieberhaus stark zu machen, die Verhandlungen um einen neuen Mietvertrag zu unterstützen oder dem "Kids" neue Räume in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof zur Verfügung zu stellen.

Demonstration mit Ziel Rathaus

Die Unterschriftenliste sollte der Senatskanzlei am heutigen Freitag um 16 Uhr übergeben werden. Gemeinsam mit den Initiatoren, darunter Burkhard Czarnitzki, Leiter des "Kids", gingen die Demonstranten vom Bieberhaus zum Rathaus. Die Demo startete um 14.30 Uhr. Czarnitzky setzt auf die Hilfe der Politik: "Das Kids muss erhalten bleiben – und zwar direkt am Hauptbahnhof."

Wie berichtet, hatte der Eigentümer des Bieberhauses, die Alstria Office Reit AG, den Mietvertrag mit dem "Kids" zum 1. Oktober nach 23 Jahren gekündigt, um die Flächen zu modernisieren und dann später als Büros anzubieten.

Der Investor hatte betont, dass er versuche, eine Alternative für das Kids zu finden. „Wir haben einen Makler beauftragt, neue Räumlichkeiten zu finden“, sagte Ralf Dibbern, Sprecher der Alstria Office Reit AG. „Aber es ist wahnsinnig schwierig, in Hauptbahnhof-Nähe geeignete Flächen zu finden.“ Ein Angebot am Standort Berliner Tor habe das Kids abgelehnt. „Wir müssen die Straßenkinder mit unseren Angeboten direkt in ihrer Lebenswelt erreichen – und das ist nun einmal der Hauptbahnhof“, sagte Czarnitzki. Die Einrichtung in einen anderen Stadtteil zu verlegen, sei keine Alternative.

Essen und Beratung für Kinder

Das "Kids" gehört zu dem gemeinnützigen Verein basis & woge und bietet an sechs Tagen in der Woche Beratung, Essen, Duschmöglichkeiten und einen warmen, geschützten Aufenthaltsort für Kinder und Jugendliche, die zeitweilig obdachlos am Hauptbahnhof leben. Im vergangenen Jahr gab es 10.000 Kontakte mit Betroffenen.