Hausordnung

Ärger mit den Nachbarn? So viel Lärm ist in Hamburg erlaubt

Gerade im Sommer, wenn viele Hamburger ihre Balkons nutzen, gibt es häufiger Ärger mit den Nachbarn

Gerade im Sommer, wenn viele Hamburger ihre Balkons nutzen, gibt es häufiger Ärger mit den Nachbarn

Foto: David Levingstone / Getty Images

Hamburger Mieterverein beschäftigt sich in jeder fünften Beratung mit dem Thema Lärm – deutlich mehr als noch vor einigen Jahren.

Hamburg.  Inga M. hatte einen anstrengenden Tag. Und jetzt kommt sie nach zwölf Stunden im Büro nach Hause und ist völlig erledigt. Einfach nur schlafen, denkt sie. Nach einer heißen Dusche huscht sie sofort ins Bett. Licht aus. Und endlich die Augen zumachen. Doch nach ein paar Sekunden sind die Augen wieder auf. Nicht schon wieder, denkt sie, nicht heute. Party auf dem Nachbarbalkon. Gläser klirren, Kronkorken ploppen, Lachen, Reden. Ein Blick auf den Wecker: 22.15 Uhr. Und leider klingt es überhaupt nicht so, als wäre die Party gleich vorbei. Inga M. wälzt sich hin und her und wird zunehmend wütender. Das können die doch nicht einfach machen. Irgendwann ruft sie so laut sie kann: Ruhe!

Torben G. hatte einen herrlichen Tag. Ausschlafen, lange frühstücken und dann ganz in Ruhe Getränke einkaufen. Seit Tagen hatte er sich auf den Balkonabend mit den alten Freunden gefreut. Und jetzt spielt auch noch das Wetter mit. Um 20 Uhr sind dann alle da, und die Stimmung könnte nicht besser sein. Jemand erzählt eine lustige Geschichte nach der anderen, sie krümmen sich vor Lachen. Und so überhört er fast, dass sich da plötzlich noch eine andere Stimme zu Wort meldet. Ruhe! ruft die Nachbarin aus der Nebenwohnung. Die schon wieder! Dabei ist es noch nicht mal halb elf. Wie kann man nur so spießig sein. Und außerdem: Nachruhe beginnt doch offiziell erst ab 23 Uhr. Oder? Oder nicht?

Jede fünfte Beratung zum Thema Lärm

Die Erfahrungen von Inga M. und Torben G. machen so oder so ähnlich täglich viele Hamburger. Die teils dünnen Wände trennen in vielen Fällen nicht nur Wohnungen voneinander, sondern auch höchst unterschiedliche Lebenswelten: Frühschicht und Spätdienst, Kinderrasselbande und Alleinstehende, Heavy-Metal- und Klassik-Fans. Obendrauf kommt, dass sich die Mietparteien oft nicht kennen. Die Hürde, mal eben rüberzugehen, ist hoch. Jeder fühlt sich im Recht, irgendwann sind die Fronten verhärtet.

Laut Angaben des Mietervereins zu Hamburg beschäftigt sich in etwa jede fünfte Beratung mit dem Thema Lärm – deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Dabei klingt es Schwarz auf Weiß im Hamburgischen Lärmschutzgesetz ganz einfach. Paragraf 1: „Jeder hat sich so zu verhalten, dass erhebliche Belästigungen unbeteiligter Personen durch Geräusche vermieden werden, soweit das nach den Umständen des Einzelfalls möglich und zumutbar ist.“

Auch sind in dem Gesetz einzelne Bereiche wie Heimwerken, Partys feiern und Musikhören geregelt.

Der Nachbar lärmt um 21 Uhr mit der Bohrmaschine – darf der das?

Nein. Das Hamburgische Lärmschutzgesetz besagt, dass lärmerzeugende Arbeiten mit Geräten und Werkzeugen grundsätzlich zwischen 20 und 7 Uhr verboten sind. Sollte eine Reparatur sich länger hinziehen als geplant, sollte man die Nachbarschaft darüber informieren.


In meiner Wohnung
darf ich doch Musik hören, wann ich möchte, oder?
Jein. Zwischen 21 und 7 Uhr darf man Musik nur in einer Lautstärke hören, bei der andere dadurch nicht belästigt werden (Zimmerlautstärke). Ist das Haus sehr hellhörig, sollten Kopfhörer benutzt werden. Wer selbst Musik machen möchte, also Klavier oder Gitarre spielen möchte, sollte dazu Vereinbarungen mit den Nachbarn treffen.


Wann darf ich Staubsaugen und Wäscheschleudern?
Da die Betriebsgeräusche von Haushaltsgeräten ordentlich Krach machen könnten, sollte man dies in der Zeit zwischen 20 und 7 Uhr unterlassen, wenn möglich auch von 13 bis 15 Uhr.


Gibt es in Hamburg Mittagsruhe?
Ja. Diese ist im standardmäßigen Hamburger Mietvertrag geregelt, der für einen Großteil aller Wohnungen gilt. Darin heißt es: „Unbedingte Ruhe ist im Interesse aller Mieter und Nachbarn von 13 bis 15 Uhr und von 21 bis 7 Uhr, sowie an Sonn- und Feiertagen bis 9 Uhr einzuhalten.“

Die Bauarbeiter vor dem Haus fangen immer schon um sieben Uhr morgens an –
dürfen die das?
Ja, laut Mieterverein zu Hamburg dürfen Bauarbeiter in der Zeit zwischen 7 und 21 Uhr arbeiten. Auch an die Mittagspausenruhe sind sie nicht gebunden.


Darf ich an meinem Geburtstag zu einer großen Party einladen und die Nacht durchfeiern?

Grundsätzlich gilt: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Party mit Disco-Lautstärke, auch wenn es nur einmal pro Jahr ist. Die Lärmschutzverordnung empfiehlt gegenseitige Rücksichtnahme und eine rechtzeitige Information an die Nachbarn.


In der Kneipe gegenüber sitzen die Gäste noch um 23.30 Uhr draußen – ist das erlaubt?

Nein. In der Regel müssen Gaststätten und Restaurants in Hamburg ihre Außenbereiche um 22 Uhr schließen – sowohl unter der Woche als auch am Wochenende. Die Genehmigungen für die Außengastronomie werden jeweils in den Bezirken erteilt. Dort können gegebenenfalls auch Ausnahmen genehmigt werden, wie zum Beispiel in der Susannenstraße im Schanzenviertel. Dort dürfen die Gäste freitags und sonnabends bis 23 Uhr draußen sitzen.


Was tun, wenn es Lärm-Ärger gibt?

Reden, reden, reden – klingt banal, ist aber das effektivste Mittel gegen Stress im Mehrfamilienhaus – sowohl prophylaktisch als auch im akuten Fall. Laut Siegmund Chychla, Geschäftsführer des Mietervereins zu Hamburg, ist eine gute Kommunikation zwischen den Nachbarn das A und O. „In Hausgemeinschaften, in denen sich die Leute kennen und miteinander reden, kommt es deutlich seltener zu Beschwerden als in anonymen Umfeldern.“


Wann kann ich die Polizei alarmieren?

Sollte im akuten Fall – etwa bei einer Party in der Nachbarwohnung – auch die direkte Ansprache nichts bringen, haben Lärmgeschädigte die Möglichkeit, die Polizei zu alarmieren. Am besten direkt bei der nächstgelegenen Wache anrufen (www.hamburg.de/polizei/suche-nach-polizeidienststellen). „Die Beamten wählen vor Ort in der Regel zunächst das mildeste Mittel und suchen das Gespräch mit dem Gastgeber oder Lärmverursacher“, so ein Polizeisprecher. In den meisten Fällen würde das schon reichen. Zeigt dies keinen Erfolg, kann bei wiederholter Alarmierung, spätestens beim dritten Mal, auch die Lärmquelle, etwa eine Musikanlage, beschlagnahmt werden. Grundsätzlich gilt: Lärmverstöße sind Ordnungswidrigkeiten, die mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden können.


Was tun bei Dauerlärm?

Handelt es sich um eine langfristige oder sich ständig wiederholende Lärmstörung, empfiehlt es sich, den Vermieter zu informieren und um Abhilfe zu bitten. Für letzteren Fall kann es sinnvoll sein, „Beweismittel“ zusammenzutragen, also Datum, Uhrzeit und mögliche Zeugen zu notieren. Der Vermieter hat das Recht, einen Mieter bei wiederholter Lärmstörung abzumahnen und – wenn dies ohne Erfolg bleibt – auch fristlos zu kündigen.

Allgemeine Fragen zu Lärmbelästigung beantwortet in Hamburg die Behörde für Umwelt und Energie – Lärmbekämpfung und Fluglärmschutzbeauftragte, Telefon: 040/428 402 543