Altstadt

10.000 neue Wohnungen pro Jahr

Bündnis für das Wohnen von Behörden und Wohnungswirtschaft unterzeichnet

Altstadt. Gut ein Jahr haben die Verhandlungen gedauert – jetzt ist das neue Hamburger Bündnis für das Wohnen in trockenen Tüchern. Gestern unterschrieben mehrere Senatoren und Vertreter der Wohnungswirtschaft den Vertrag, der den Bau von jährlich 10.000 Wohnungen vorsieht. Damit dieses Ziel erreicht wird, werden die Bezirke stärker als bisher in die Pflicht genommen.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gehörte zwar selbst nicht zu den Unterzeichnern, ließ sich die Zeremonie im Kaisersaal des Rathauses aber nicht entgehen. „Der kooperative Stil ist das eigentliche Erfolgsgeheimnis des Wohnungsbaus in Hamburg“, sagte der Senatschef und nahm damit Bezug auf die Ergebnisse des ersten Bündnisses.

Das Ziel, künftig jedes Jahr 10.000 Wohnungen zu errichten, sei „keine leichte Sache“ und anspruchsvoll. „Alle müssen gemeinsam an einem Strang ziehen.“ Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) ergänzte, die 8500 fertiggestellten Wohnungen im vergangenen Jahr seien Ausdruck sehr guter Zusammenarbeit von Wohnungswirtschaft und Senat.

Der Chef des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner, äußerte sich zufrieden darüber, dass im neuen Bündnisvertrag die Verpflichtungen der Behörden und der Bezirksämter festgehalten worden seien. Man habe Anfang des Jahres darauf hingewiesen, dass Bürokratie den Bau von 1100 Wohnungen verhindert habe.

In dem neuen Bündnis verpflichten sich Stadt und Wohnungswirtschaft, bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode im Jahr 2020 jährlich bis zu 10.000 Wohnungen zu errichten. Bisher sah das Bündnis den Bau von 6000 Wohnungen vor. Die Bezirke werden erstmals besonders in die Pflicht genommen. Hamburgs Wohnungsbündnis gilt weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus als ein Erfolgsmodell.

Umweltverbände und Opposition kritisierten das Abkommen. Die Vereinbarung blende wesentliche Probleme nachhaltiger Stadtentwicklung aus, erklärte Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg. Die wenig ambitionierten Zielvorgaben im Klimaschutz verspielten zudem die Chance, Energie einzusparen. Nabu-Chef Alexander Porschke fürchtet Konflikte mit dem Naturschutz, wenn jährlich 67 Hektar Bauland nötig seien, um die Wohnungsbauziele zu erreichen.

Die CDU-Wohnungsbauexpertin Birgit Stöver kritisierte die von Rot-Grün flächendeckend eingeführte Mietpreisbremse und übertrieben hohen energetischen Standards, die den Bau von Wohnungen behinderten. FDP-Kollege Jens P. Meyer fürchtet auf Grund des Personalmangels in den Planungsbehörden, dass die vereinbarten Genehmigungszahlen nicht erreicht werden.

Die Linken-Abgeordnete Heike Sudmann kritisierte, dass zu wenige Sozialwohnungen errichtet würden. Statt 3000 wäre 7000 öffentlich geförderte Wohnungen nötig, um bezahlbare Mieten zu gewährleisten.