Kein Mainstream

Was das Ensemble Resonanz in der Elbphilharmonie plant

Das Ensemble Resonanz im Kleinen Saal der Elbphilharmonie

Das Ensemble Resonanz im Kleinen Saal der Elbphilharmonie

Foto: Hans Starck

Das Streichorchester hat ehrgeizige Ideen für die erste Saison als Residenz-Musiker im Kleinen Saal des neuen Konzerthauses

Hamburg.  Die Mitgliederzahl des Streichorchesters ist naturgemäß klein, das Kollektiv-Ego eher nicht. „Wir sind nicht für risikolosen Mainstream in die Elbphilharmonie gebeten worden“, sagte Tobias Rempe, Geschäftsführer vom Ensemble Resonanz, als er die Spielplan-Ideen für die Saison 2016/17 vorstellte.

Für die erste Spielzeit also, in der die knapp 20 Musikerinnen und Musiker neben ihrem Standbein mit dem eigenen „resonanzraum“ im Medienbunker auch noch Residenz-Ensemble im Kleinen Saal der Elbphilharmonie sein werden.

Ein Programm voller Geheimnisse

Sie werden ihn am 12. Januar 2017 eröffnen, mit der Kombination aus „Release“, einer Uraufführung von Georg Friedrich Haas, und Schlüsselwerken des 20. Jahrhunderts. Was genau? Abwarten. Die Geheimhaltungsmaßnahmen der NDR-Kollegen für ihr Einweihungs-Sortiment im Großen Saal standen offenbar Pate für die Zweitspielstätte direkt nebenan.

Vorverraten wurde lediglich, dass die So­pranistin Sandrine ­Piau mitwirken wird. Die anderen fünf Konzert-Konzepte unter dem neuen Leitmotiv „Into the Unknown“ sollen diese Wissens­lücke durch ehrgeizig formulierte Ziele wieder ausgleichen. Das Publikum solle im Vorfeld „mehr Musik kennenlernen, als in ein Konzert passt“, wurde versprochen. Was konkret auf den Programmen stehe, ergebe sich immer erst im Vorfeld dieser Termine, heißt das.

Als „artist in residence“ wird der argentinische Dirigent und Komponist Emilio Pomàrico die nächsten zwei Spielzeiten im Programm präsent sein. Ein weiterer wichtiger, nun verstärkt möglicher und erwünschter Schwerpunkt: Auftragskompositionen und Uraufführungen, wie immer bei den Resonanzlern in Verbindung mit klassischerer Orchester-Literatur, aber auch mit Bearbeitungen.

Saison beginnt in der Laeiszhalle

Vor dem Wechsel in den Neubau in der HafenCity beginnt die Saison noch in der Laeiszhalle mit einem Gastspiel des Cembalisten Andreas Staier, gefolgt von einem Abend mit dem ChorWerk Ruhr. Nach überstandener Einweihungs-Feier in der Elbphilharmonie wird die Geigerin Isabelle Faust im April 2017 ein von Oscar Strasnoy für sie komponiertes Violinkonzert aus der Taufe heben.

Pomàrico dirigiert im Mai ein neues Orchesterwerk von Dai Fujikura, als Saisonabschluss kommt der Komponist und Klarinettist Jörg Widmann. Zu den neuen Angeboten und dem Wellendach der Elbphilharmonie addieren sich die bewährten Formate im „resonanzraum“, allen voran die Freistil-Reihe „urban string“, sowie Konzerte und Projekte an anderen Adressen der Stadt.

Ergänzt werden sie durch neue Vermittlungs- und Kommunikationsformate wie den „Bunkersalon“ als Gesprächsplattform für zielführenden Gedankenaustausch über Genres hinweg. Für jedes Konzertthema soll ein Gedicht in Auftrag gegeben werden. Auch ein Podcast steht in den Startlöchern, um ein weniger klassisches Publikum mit klassischen Kompositionen zusammenzubringen.

Vor einigen Jahren hatte die „Zeit“-Stiftung ihre Unterstützung für das Ensemble Resonanz eingestellt, jetzt, wenige Monate vor deren Einzug in die Elbphilharmonie, ist sie wieder mit im Gönner-Boot, um pünktlich mit dabei zu sein bei der „Suche nach dem Heutigen in der Musik“, zu der Rempe einlud.

Informationen: www.ensembleresonanz.com