St. Pauli Kirche

Trauerfeier für getöteten IS-Kämpfer auf St. Pauli geplant

Der junge Hamburger war in der salafistischen Szene als "Bilal" bekannt. Vergangenes Jahr wurde er in Syrien getötet

Der junge Hamburger war in der salafistischen Szene als "Bilal" bekannt. Vergangenes Jahr wurde er in Syrien getötet

Foto: Landesamt für Verfassungschutz

Florent wuchs auf St. Pauli auf und wurde im vergangenen Jahr in Syrien getötet. Pastor plant Gottesdienst mit Christen und Muslimen.

Hamburg.  Mit einer christlich-muslimischen Trauerfeier soll am 27. Mai in Hamburg an den jungen IS-Kämpfer „Bilal“ erinnert werden, der im Sommer vorigen Jahres in Syrien im Alter von 17 Jahren getötet wurde. Als Christin sei es ihr wichtig, ein Grab zu haben, wo sie Blumen hinbringen könne, sagte die Mutter Florence K. am Dienstag. „Ich weine immer noch.“ Die Trauerfeier findet in der evangelischen St. Pauli-Kirche statt.

Sie freue sich, dass sie die Möglichkeit einer Trauerfeier bekomme, sagte die Mutter. Ihr sei „eine Last vom Herzen gefallen“. Ein solche Abschiedsfeier sei auch für seine Freunde wichtig. Gestaltet wird die Trauerfeier von Pastor Sieghard Wilm und dem albanischen Imam Abu Ahmed Jakobi. Florent Prince N., wie er ursprünglich hieß, wurde als Christ getauft und ist später zum Islam konvertiert.

Wurde Florent vom IS getötet?

Florent ist in Kamerun geboren, als Kleinkind nach Deutschland gekommen und auf St. Pauli aufgewachsen. Er kam vermutlich mit 14 Jahren in Kontakt mit der radikalen Salafisten-Szene und konvertierte zum Islam. Im Mai vorigen Jahres reiste er mit einem gefälschten Pass nach Syrien aus, um für den „Islamischen Staat“ zu kämpfen.

In Syrien ging ihm offenbar auf, wie wenig die Gegebenheiten vor Ort mit dem zu tun hatten, was ihm versprochen worden war. Er nahm daher in Rakka im Südwesten Syriens eine Audio-Botschaft auf, in der er den IS kritisierte. Kurze Zeit später war er tot. Anfang März wurde die Audio-Datei verbreitet. Der Verfassungsschutz hält es für möglich, dass er vom IS für seine Botschaft bestraft wurde.

Christen und Muslime sollen gemeinsam feiern

Pastor Wilm selbst kannte Florent aus der Jugendarbeit. Der Jugendliche war mehrere Jahre lang ein Freund seines Pflegesohns und in der Gemeinde aktiv. Es gibt Fotos von ihm, wie er an der Fassade der St. Pauli-Kirche hinaufklettert. Es sei ihm wichtig, so Wilm, dass Christen und Muslime gemeinsam feiern, um deutlich zu machen, dass sie zu einem „Gott des Friedens“ beten.

Sie sei auch stolz auf ihren Sohn, sagte die Mutter. Er habe mit seiner Botschaft andere junge Männer warnen wollen. Er sei auch ein „lieber Junge mit einem großen Herzen“ gewesen. Sie habe noch mit ihm kurz vor seinem Tod in Syrien telefoniert. Sie hätten allerdings nicht über Politik gesprochen, sondern „als Mutter und Sohn“.